Nervenberuhiger

Günther Birkenstock • 3. August 2023

Gegenteile zu den Nervensägen

Gibt es neben den lästigen bis schädlichen Nervensägen auch das Gegenteil? Mir fällt dazu kein anderer Begriff als „Nervenberuhiger“ ein, ein Wort, das mein Rechtsschreibprogramm noch nicht kennt und deshalb entsprechend kennzeichnet. Aber mir fällt kein anderes Wort für Menschen ein, die uns gut tun, die gewissermaßen Balsam für unsere Seele sind, die in unserer nicht sehr freundlichen Welt regelrecht geschunden wird. Und jetzt kommt eine – sehr subjektive – Auswahl:

· Der wissende Unwissende [1] : Wie kann jemand, der nichts weiß, beruhigend sein? Wissen ist doch Macht! Nur wer etwas weiß, blickt doch durch, hat zumindest den gewissen Durchblick, hat wenigstens Ahnung von etwas! Leider neigen diese Menschen zur Besserwisserei, also zur Übertreibung im Hinblick auf das Bedürfnis, andere ihre Unwissenheit zu rauben und durch Wissen zu ersetzen. Der wissende Unwissende weiß aber, dass er nichts weiß, ist sich zumindest unsicher und gibt sich nicht nur nach außen hin als bescheiden („,das weiß ich auch nicht“, „das kann ich nicht mit Sicherheit sagen“), sondern ist auch in seiner inneren Gewissheit im Unklaren darüber, ob er überhaupt etwas sicher weiß. Dies muss nicht erkenntnistheoretisch abgeleitet sein - wir können eigentlich nichts sicher wissen, weil unsere Erkenntnismöglichkeiten begrenzt sind -, sondern kann auch rein intuitiv erspürt sein. Der wissende Unwissende ist deshalb beruhigend, weil seine Unsicherheit mit unserem eigenen Gefühl in Resonanz geht, auch im Unklaren zu sein, ob wir wirklich sicher sein können, alles genau zu wissen.

· Der Zweifler : Der Zweifler ist das Gegenteil vom Rechthaber. Denn er weiß als Unwissender, dass er eigentlich nicht sicher sein kann, alles besser zu wissen und wird deshalb im Meinungsstreit dies auch offen bekennen und eingestehen, dass er Zweifel hat daran, dass seine Erkenntnis oder seine Ansicht richtig sind und zugeben, dass sein Standpunkt eigentlich auf tönernen Füßen steht. Er igelt sich nicht wie der Rechthaber in seine Wagenburg des Besserwissens ein, sondern bekennt offen seine Unsicherheit. Sein Selbstwertgefühl hängt nicht davon, Recht zu behalten, so dass er jederzeit bereit ist, einzugestehen, dass er auch mal mit seinen geäußerten Meinungen falsch gelegen hat. Den Zweifler wird man selten in der Politik finden, weil er dort sehr schnell unter die Räder der Rechthaber geraten wird, die glauben, alles besser zu wissen. Sein Zaudern wird ihm als Schwäche ausgelegt werden. Auch als Staatsanwalt oder Richter wird er ungeeignet sein, weil seine Zweifel an seinem eigenen Urteil ihn daran hindern würden, andere Menschen anzuklagen oder zu verurteilen. Er ist deshalb ein angenehmer Zeitgenosse, weil er mit seiner defensiven Einstellung und Vorgehensweise nicht übergriffig ist und andere in ihrem Sosein nicht kritisieren wird.

· Der Ermutiger: Gibt es ein Gegenteil vom Bevormunder? Es könnte der Ermutiger sein, also jemand, der nicht den anderen „über den Mund fährt“, ihnen nicht wie der Bevormunder sagt, was sie wie zu tun oder zu unterlassen haben, sondern sie ermutigt, zu ihrer eigenen Meinung zu stehen, ihren eigenen Lebensstil zu leben ohne Rücksicht darauf, was andere darüber denken. Der Bevormunder entmutigt, raubt dem anderen seine Sicherheit, sein Selbstvertrauen und stürzt ihn in den Keller der Selbstzweifel. Der Ermutiger tut das Gegenteil: Er bestärkt den Entmutigten, gibt ihm Kraft, sich gegen andere zu stemmen, die ihm vorschreiben wollen, wie er zu leben habe. Er schafft Selbstvertrauen und gibt Sicherheit, verleiht dem anderen gewissermaßen Flügel, die ihn über die Misslichkeiten des Lebens hinwegtragen. Wer ermutigt, könnte als Kraftspender, als Bestärkender eigener Selbständigkeit im Denken und Handeln gelten.

· Der Selbst- und Nächstenliebende : Der Selbstverliebte liebt nur sich selbst, wobei die Betonung auf dem Wort „nur“ liegt, denn es kann nicht sein, dass der Selbsthasser das Gegenteil hiervon ist, weil zwar das Gegenteil von Liebe der Hass ist, aber dann wäre eine Nächstenliebe nicht möglich, weil diese eigentlich die Annahme der eigenen Person voraussetzt. Während der Narzisst als ein Prototyp des Selbstverliebten einen Ausschluss der Nächstenliebe bewirkt, ist die echte Selbstliebe die Grundlage der Annahme des anderen. Während der Narzissmus in die Isolation führt, bedingt die echte Selbstliebe eine Öffnung gegenüber dem Nächsten, bewirkt sie die soziale Komponente der Nächstenliebe, die den anderen so akzeptiert wie er ist, ohne dass die Zuwendung von Vorgaben abhängig gemacht wird. Diese bedingungslose Annahme bewirkt aber – und das ist ein großes Missverständnis der echten Nächstenliebe – dass alles gut zu heißen, was der andere tut. Im Gegenteil: Weil jemand das Wohl des Nächsten im Blick hat, wird er stets wachsam bleiben und den anderen zwar in seinem Sosein akzeptieren, aber dabei nicht seinen eigenen Standpunkt aufgeben. Können wir einen Verbrecher, einen Despoten, einen Menschenverächter lieben? Ja, aber nicht in der Weise, alles zu billigen, was er tut. Die Nächstenliebe bewirkt nicht die kritiklos Verschmelzung mit dem anderen, sondern bewirkt eine zwar wohlwollende, aber kritische Distanz haltende Einstellung gegenüber dem, was wir gemein hin als das Böse nennen. Jesus hatte bei seiner Versuchung in der Wüste durch Satan keine Aggression gegenüber ihm entwickelt, sondern nur eine Zurückweisung („weiche von mir Satan“) getätigt, um die notwendige Distanz zu bewirken. Diese kritische Distanz bewirkt ein echte Be urteilung des anderen, aber nicht eine Ver urteilung. Wer so denkt, stellt sich nicht selbst auf ein Podest, von dem aus er den anderen als sich selbst als Richter sehend abwertend verurteilt, ausgrenzt, diffamiert und zu einem Unmenschen erklärt. Er macht niemals den anderen zu einem Objekt, entmenschlicht ihn nicht, sondern wird ihn auch in seiner schlimmsten Ausprägung immer noch als individuelles Subjekt achten, auch wenn er dessen Verhalten nicht billigen kann. Er hat also einen eigenen Moralkodex, den er nicht vergisst, stülpt aber diesen dem anderen nicht über, erschlägt ihn nicht mit seiner eigenen moralischen Keule. Er sieht sich dem moralischen Kodex als einer universellen Gesetzmäßigkeit verpflichtet, dem er gewissermaßen gehorcht, dem er seine eigenen Befindlichkeiten unterordnet. Er wird also auch dem Feind, wenn dieser in Not geraten ist, helfend zur Seite stehen und ihn nicht darin umkommen lassen und sich nicht über das Elend des anderen freuen. Auch wenn er Undank erntet, auch wenn der andere ihm Böses angetan hat, wird er nicht Gleiches mit Gleichem vergelten. Dies bedeutet immer eine Kraftanstrengung, sie widerstrebt unseren Neigungen, unseren emotionalen Verfassungen nach erlittenem Unrecht, das auf Rache sinnt, widerstrebt aber dem Gebot der Nächstenliebe, wie sie von Jesus gelehrt wurde.

· Der Gerechte : Die Selbstgerechtigkeit ist ein Laster, das aus dem Fehler resultiert, nur seinen eigenen Standpunkt als den richtigen einzuschätzen. Wer nach Gerechtigkeit strebt, wird sie nicht als sein Eigentum ansehen und sie nur für sich selbst als gültig einstufen. Die Gerechtigkeit ist in seinen Augen immer eine unpersönliche, nicht dem eigenen Nutzen unterstellte moralische Kategorie, die sich nicht verbiegen oder den eigenen Bedürfnissen unterordnen lässt. Dadurch entsteht eine notwendige kritische Selbstdistanz, die es erlaubt, nicht nur das Verhalten des anderen, sondern auch das eigene Verhalten einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Während der Selbstgerechte sich selbst vergottet, unangreifbar macht, weiß der Gerechte, dass er sich nicht über die Prinzipien der Moral stellen darf. Er sieht sich und sein Verhalten stets unter die Maxime der Gerechtigkeit gestellt. Das Recht ist also unpersönlich, weil es ohne Ansehen der Person wirkt. Wird er nach Macht streben? Nein, weil er weiß, dass der Machthaber allzu schnell glaubt, über die Prinzipien der Gerechtigkeit zu stehen. „Der Gerechte muss viel leiden“, heißt ein bekanntes Sprichwort. Das liegt daran, dass der nach Gerechtigkeit Strebende stets in der Gefahr steht, von andern verkannt, verlacht, ausgegrenzt , beleidigt, verurteilt und sogar getötet zu werden. Er ist gleichsam ein Stachel im Fleische der Selbstgerechten, den diese am liebsten so schnell wie möglich entfernen wollen.

· Der weise Zurückhaltende : Bei der Wortneuschöpfung des „Dummdreisten“ wurde die mangelnde Intelligenz in einer unheilvollen Verbindung mit der Dreistigkeit gesehen, sich als so wichtig zu nehmen, dass sie die eigenen geistigen Beschränkungen nicht erkennt. Der Zurückhaltende weiß um die Grenzen seiner geistigen Möglichkeiten und hält sich deshalb stets zurück. Der „Dummdreiste“ nach vorne stürmende Besserwisser, dem es an der notwendigen Einsicht fehlt, dem es an Einfühlungsvermögen mangelt, ist das Gegenteil des weisen Zurückhaltenden. Denn dieser hat einmal die Weisheit zu wissen, dass er eben nicht alles besser weiß (Besserwisser) und zum anderen hat er auch das Einfühlungsvermögen, das ihm gebietet, zurückhaltend zu sein, sich selbst in seiner möglichen Übergriffigkeit zu bremsen. Die Wurzel weisen Zurückhaltung liegen in der Weisheit zu erkennen, nicht alles besser wissen zu können und in der sozialen Fähigkeit der Empathie, also sich in andere hineinversetzen zu können, um zu begreifen, wie dieser sich fühlt, was er denkt und welche Bedürfnisse er hat, die respektiert werden. Dies führt zu einer Bescheidenheit im Auftreten, das von manchen als Feigheit fehlinterpretiert werden kann.

· Der Wahrheitsliebende : Während der Lügner es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, ist der Wahrheitsliebende jemand, der die Wahrheit hoch schätzt als ein teures Gut, das es zu bewahren gilt. Die Wahrheit macht euch frei, hatte einmal Jesus gesagt und an diesem Anspruch wird jeder gemessen werden, wenn er sich vor Gott rechtfertigen muss, wenn er am Ende seines Lebens Rechenschaft abgeben muss („jüngstes Gericht“). Die Wahrheit zu erkennen, ist der erste Schritt hin im Hinblick auf die Erfüllung dieses Anspruches. Dies stellt immer ein schweres Unterfangen dar, weil die Wahrheit nicht immer leicht zu erkennen ist. Wir können auf das uns in die Wiege gelegte Gewissen vertrauen, wenn wir uns auf die Suche nach der Wahrheit machen. Diese innere Stimme, die uns zu einem Urteil über richtig und falsch verhilft, könnte uns dabei helfen, die Wahrheit zu erkennen. Der zweite Schritt ist das Handeln nach der Wahrheit, denn die Erkenntnis reicht nicht aus, sondern sie verhilft nur dazu, die Weichen in die richtige Richtung unseres Tuns zu stellen.

· Der Ehrliche : Während der Betrüger durch Vertrauensmissbrauch und Täuschung zum Betrüger wird, sind es beim Ehrlichen die Wertschätzung eines Vertrauensverhältnisses zu Mitmenschen und die Aufrichtigkeit im Hinblick auf den Umgang mit ihnen. Der Ehrliche verabscheut die Lüge, weil diese die Saat für das Zerwürfnis sozialer Beziehungen legt. Der Ehrliche wird z. B. in der Beziehung zu einem Ehepartner nie auf den Gedanken kommen, durch einen Ehebruch die Beziehung zu gefährden. Er wird aber ehrlich sein in seinem Bekenntnis, ob er den anderen wirklich noch liebt oder nicht, weil er sich der Wahrheit verpflichtet sieht. Wahrheit tut auch weh, ist schmerzhaft, aber eine Lüge in der Beziehung führt früher oder später zu einem Desaster. Der Ehrliche wird auch nicht nur in intimen Beziehungen versuchen sich nicht zu verstellen, sondern allgemein im gesellschaftlichen Kontext aufrichtig in seinen Verlautbarungen bleiben, seien sie mündlicher oder schriftlicher Art. Das „Schummeln“ bei der Steuererklärung kommt deshalb für ihn nicht infrage. Auch im Geschäftsleben wird sich jeder auf das verlassen können, was er einmal zugesagt hat. Der „ehrliche Kaufmann“ ist das Gegenteil des gerissenen Geschäftsmannes, dessen Trachten darin besteht, den andern zu übervorteilen, wo es nur geht. Verträge wären eigentlich nicht notwendig, weil es für ihn keine Hintertür gibt, um sich doch nicht an zugesagte Vereinbarungen nicht zu halten. Wenn es nur Ehrliche gäbe, bräuchte es keine Gerichte, keine Steuerberater, niemanden, der eingreifen muss, weil sich Menschen unehrlich, also betrügerisch verhalten haben.

· Der Bescheidene : Während der Unverschämte stets mit einer unangemessenen Anspruchshaltung daherkommt, nach der er glaubt, alles für sich beanspruchen zu können, ist der Bescheidende zurückhaltend im Hinblick auf seine Ansprüche, die er an andere stellt. Er nimmt sich nicht das größte Stück vom Kuchen und gibt sich auch mit dem kleinen Stück zufrieden, begiert also nichts mehr als das, was er für sich zum Leben braucht. Das Anhäufen von Reichtümern ist ihm fremd, weil es ihm widerstrebt, sich mehr zu nehmen, als er braucht. Es gibt für ihn kein Missverhältnis zwischen dem, was er leistet und dem, was er dafür an Lohn beansprucht. Die Angemessenheit dieses Verhältnisses gebietet für ihn die Zurückhaltung im Hinblick auf eine nicht gerechtfertigte Anspruchshaltung. „Bescheidenheit ist eine Zier“ ist für ihn nicht nur eine leere Floskel, sondern Lebensprinzip. Strebt er noch hohen Ämtern, nach einer gehobenen Stellung in der Gesellschaft? Das liegt nicht in seinem Begehren, sondern wenn es dazu kommt, dass er tatsächlich in Spitzenpositionen gelangt, dann ist das „einfach so passiert“, also eine Zugabe, aber niemals eine primäre Motivation. Selbst wenn er in eine Leitungsfunktion gelangt, wird er diese nicht ausnutzen, um sich zusätzliche Vorteile zu verschaffen, sondern sich dem Gemeinwohl verpflichtet sehen, seine Fähigkeiten für die Allgemeinheit einzusetzen. Wird er als Abgeordneter für erhöhte Diäten stimmen? Wird er sich als Vorstandsmitglied Sonderzahlungen genehmigen? Das alles liegt ihm fern, weil er dies für unangemessen hielte. Auch wenn der Bescheidene sich am unteren Ende der Gesellschaftspyramide befindet, wird er nicht ständig versuchen, für sich aus dem Sozialsystem das Maximum herauszuholen, weil er weiß, dass alles was er beansprucht, von anderen erst einmal erwirtschaftet werden muss.

· Der Tiefstapler : Er ist das Pendent zum Angeber. Während der Angeber glaubt, sich immer mit dem was er ist und kann in den Vordergrund schieben zu müssen, ist der Tiefstapler der Künstler des Untertreibens. Ihn treibt nicht an, dass er die Bewunderung der anderen einheimst, sondern er ist vorsichtig mit seiner „Selbstauslobung“, weil er nicht sicher weiß, ob er diese dann auch erfüllen kann. Ist er ein angenehmer Typ? Auf jeden Fall ist er leichter zu ertragen als ein Angeber, der oft mit seiner Prahlerei nervt. Er könnte mehr, als er zugibt – das könnte auch eine Taktik sein, um im richtigen Moment zuzuschlagen. Den Moment der Überraschung nutzend könnte er dann alle in Erstaunen versetzen, wenn er mehr kann, als er zugeben mag.

· Der Tolerante: Der Fanatiker ist der Gegenpart zum Toleranten. Während der Fanantiker glaubt im Besitz der Wahrheit zu sein, ist der Tolerante sich dieser Wahrheit nicht sicher. Dieser Unsicherheit Tribut zollend ist er zurückhaltend in der eigenen Interessenvertretung – hier ist er dem Bescheidenen ähnlich – und auch im Verfechten auf der Bühne des gesellschaftlichen Lebens im Kampf um die Durchsetzung eigener geglaubter Wahrheiten. Für ihn ist die einseitige Durchsetzung eigener Überzeugungen zu Lasten anderer ein absolutes Unding. Für ihn ist es auch ebenso unmöglich, bei der Wahl der Mittel in der Weise radikal zu sein, dass er sie im Hinblick auf das bewirkte Ziel für immer gerechtfertigt hält. Für ihn heiligt das Ziel eben nicht die Mittel. Wenn er bei der Wahl der Mittel zum Erreichen eines Zieles andere schädigen würde, sähe er dies als eine Kontraindikation an, diese Mittel anzuwenden. Das Geltenlassen der Meinung anderer steht stets im Vordergrund seiner Weltsicht, die unterschiedliche Sichtweisen zulässt, weil er weiß, dass jeder von seinem eigenen Standpunkt aus zu unterschiedlichen Auffassungen gelangen kann. Der Tolerante steht zu seinen Überzeugungen, lässt aber die der anderen gelten, was eben der Fanantiker nicht tut.

· Der Verteidiger: Man stelle sich eine Diskussionsrunde in einer Gruppe vor, bei der einer der Gruppenteilnehmer „in die Zange genommen“ wird. Einer fängt meistens an, und erhebt eine Anklage gegen ihn, wonach es nicht lange dauert, bis ein anderer „in dieselbe Kerbe haut“ und dem Ankläger beipflichtet. Sodann fühlen sich weitere Gruppenmitglieder ermutigt, im gleichen Tonfall weitere Anklagen zu formulieren, bis eine regelrechte Hetzjagd beginnt, die den Ärmsten zur Strecke bringt. Auf einmal stellt sich ein Gruppenmitglied auf die Seite des Gehetzten und findet Gründe, warum dieser dieses oder jenes getan hat und stellt sich auf seine Seite. Der Verteidiger ist also der Gegenpart zum Hetzer. Er stellt sich gegen die Gruppenmeinung und verteidigt den Angegriffenen. Solche Hetzjagden auf Andersdenkende ruft, wenn der Gehetzte Glück hat, den Verteidiger auf den Plan. Es bedarf Mut, sich gegen eine aufgebrachte Meute und sich auf die Seite des Geächteten zu stellen, denn wie schnell kann er selbst zum Gejagten werden. Der Verteidiger ist also derjenige, der sich für einen in die Enge Getriebenen einsetzt und diesen unterstützt, sich gegen die aufgebrachte Menge zu wehren. Dies kann nicht nur in übersichtlichen Gruppen, sondern im Internet, in der Politik, in Betrieben, vor dem Gericht – hier gibt es sogar im Strafrecht den für den Angeklagten bestellten Rechtsanwalt, der diese Rolle übernimmt – oder in anderen sozialen Gebilden geschehen. Robin Hood gilt als Symbolfigur des Verteidigers in totalitären Herrschaftssystemen, der sich auf die Seite der Schwachen stellt und für deren Rechte kämpft und sie gegen übergriffige Machthaber verteidigt. Wohl dem, der einen solchen Verteidiger hat. In unserer aggressiven Gesellschaft bedarf es dieser mutigen Einzelkämpfer, die sich auf die Seite der Ausgegrenzten, der Ausgebeuteten, der Entrechteten stellen.

· Der Kümmerer: Während der Ignorant kein Interesse an anderen hat, die Not und das Elend ignoriert, nicht zur Kenntnis nimmt, gibt es zu diesem einen Gegenpart, der nicht die Augen verschließt, sondern wie ein Hütehund gewissermaßen Ausschau hält nach Ungerechtigkeiten, nach ungerechtfertigten Hetzjagden auf andere und sich um diejenigen kümmert, die in Bedrängnis geraten sind. Der Kümmerer macht sich den Kummer des anderen zu seinem eigenen. Er engagiert sich für ihn und unterstützt ihn bei der Bewältigung von Problemen, die er allein nicht lösen kann. Der Kümmerer ruht und rastet nicht, bis etwas wieder in Ordnung gebracht wurde, was in Unordnung geraten ist. Ihn lässt eben nichts kalt, sondern er gerät in Aufregung, wenn in der Welt etwas schief läuft. Dabei lässt er es nicht bei einer simplen Empörung bewenden, sondern er engagiert sich und geht in den „Aktionsmodus“, er tut etwas, um Missstände zu beseitigen, um Menschen in Notsituationen zu helfen. Dabei ist er in seiner Wahrnehmung wie mit einem feinen Radargerät ausgestattet, das ihm meldet, wenn eine Ungerechtigkeit, ein Missgeschick eines Mitmenschen oder die Not auch eines Tieres vorhanden sind. Er ist dann „wie elektrisiert“ und engagiert sich und greift ein, um zu helfen, die Notsituation zu beseitigen. Gibt es genügend Kümmerer? Leider nein, es gibt sie vielleicht immer weniger, weil in unserer Gesellschaft diese oft nicht gesehen und beachtet und ihre Leistung nicht angemessen honoriert wird.

· Der Großzügige : Während der Geizige alles zu verschlingen trachtet und von dem, was er bekommen hat, nichts hergeben will, ist der Großzügige das Gegenteil, denn er lebt wie eine nie verendende Wasserquelle, an der sich alle satt trinken können. Vom Großzügigen weiß man nicht, woher er eigentlich das hat, was er freiwillig hergibt, er macht daraus keine Affäre, für ihn ist das Geben wirklich seliger als das Nehmen. Er freut sich daran, andere zu beschenken, ihnen eine Freude zu machen, anderen einen Geldbetrag zu geben, die in einer Notlage sind, er ist mit dem Trinkgeld nicht knauserig, hält nichts zurück, was ihm gehört, sondern möchte es immer mit anderen teilen. Für ihn ist die geteilte Freude wirklich die doppelte Freude. Er kennt sicher auch Undankbarkeit, die ihn dazu verleiten könnte, den Schalter umzulegen, um auf den Haben-Modus umzustellen. Aber davon lässt er sich auf Dauer nicht beeindrucken. Die Großzügigkeit ist zu einer festen Charaktereigenschaft geworden. Tut er dies alles ohne Hintergedanken? Welches ist sein Gewinn? Diese Denkart ist ihm eigentlich fremd, weil dieses „Bilanzdenken“ für ihn im gewissen Sinne eine Sakrileg darstellt: Wenn etwa auf der Sollseite seiner Bilanz steht, muss nicht unbedingt ein Äquivalent auf der Habenseite stehen. Es ist das Denken der Ökonomen, die immer aufrechnen nach dem Motto: Wie du mir, so ich dir – im guten wie im bösen Sinne. Der Großzügige ist im Seins-Modus, wie dies Erich Fromm (Haben oder Sein) sehen würde, indem nicht eine Gewinn- und Verlustrechnung aufgemacht wird. Das „Großzüigig-Sein“ ist eine eben eine Seinsweise, die davon lebt, nicht im ökonomischen Sinne beurteilt zu werden. Niemand, der wirklich gegenüber anderen großzügig ist, wird auf die Idee kommen, dieses Verhalten in irgendeiner Weise aufzurechnen, zu erwarten, dass irgendwann etwas zurückkommt. Dies würde dem Prinzip der Großzügigkeit widersprechen, die ohne Hintergedanken auskommt.

· Der Optimist : Während der Miesmacher eine graue Brille trägt und deshalb die Welt durch diesen Grau-Filter sieht, hat der Optimist eine hell-gelbe Brille auf, die die Farben stärker leuchten lässt. Der Optimist liebt die Menschen und die Welt und kann nicht anders, als in schier ausweglos erscheinenden Situationen Optimismus zu verbreiten. Der apersonale Optimist sieht die Welt als solche positiv, sieht nicht primär die Dornen, sondern die Früchte eines Brombeerbusches. Er erkennt, dass das Glas Wasser noch wenigstens halb gefüllt ist und nicht schon halb leer. Sein Augenmerk ist also darauf gelenkt, die positiven Aspekte der Welt zuerst zu erkennen und nicht die negativen. Der personale Optimis t geht im Kontakt mit Menschen erst einmal davon aus, dass jeder positive Seiten hat – auch der Verbrecher, der Lump, der Schuft, der Halsabschneider. Er denkt, dass Menschen, die „missraten“ sind, nicht ohne Grund so geworden sind: schlechte Erfahrungen mit anderen Menschen, schwere Schicksalsschläge wie Krankheiten, Unfälle, Missgeschicke des täglichen Lebens oder einfach nur Pech. Der Optimist gibt nicht auf, wird nicht ungeduldig auch im Hinblick auf das Gelingen eigener Vorhaben, sondern glaubt immer daran, dass etwas, was er begonnen hat, auch gelingen kann.

· Der Faire : Während der Intrigant als ein Meister der Ränkeschmiede andere skrupellos reinlegt, ist der Faire stets so eingestellt, dass er sich an Absprachen hält, keine Doppelbödigkeit einbaut, sondern alles so sagt, wie er es auch meint. Die Fairness ist die an durchsichtige und an klare Regeln gekoppelte Umgangsweise, die keine „Fouls“ kennt. Während der Intrigant mit Amüsement zuschaut, wenn es ihm gelungen ist, andere aufeinander zu hetzen („wenn sich zwei streiten, freut sich der dritte“), wird der Faire dieses gerade zu vermeiden suchen. Er wird stets um einen gerechten Umgang miteinander kämpfen und jede Zwietracht versuchen zu vermeiden. Er kennt nicht das „falsche Spiel“ des Intriganten, sondern, wenn es zum Kampf kommt, kämpft er „mit offenem Visier“ und lässt es nicht zu, dass mit „faulen Tricks“ gearbeitet wird.

· Der Dankbare : Ist das Leben ein Geschenk? Die Dankbarkeit ist der Schlüssel, um das Leben und alles was wir erhalten als Geschenk anzusehen. Sicher gibt es vieles, was wir durch eigene Anstrengung erhalten, aber vieles, was wir bekommen, ist einfach geschenkt: Die Liebe der Mutter, die Fürsorge um das leibliche Wohl durch Zuwendungen anderer, die Gaben in Form von Fähigkeiten, die wir zwar erlernen, aber in seiner Grundform als Voraussetzung für das Erlernen einfach geschenkt bekommen. Im sozialen Kontext ist die Dankbarkeit die Tugend des Nichtvergessens; nicht zu vergessen, was jemand einem anderen Gutes getan hat. Wer dankbar ist, vergisst dies nicht und wird nicht – wie der Undankbare – die erlebte Großzügigkeit eines anderen mit Undank quittieren. Er wird fair bleiben und bei einem Fehlverhalten des anderen, seine guten Taten nicht vergessen. Er wird nicht die „Hand beißen, die ihn gefüttert hat“, sondern sich dessen stets erinnern, auch wenn es in der Beziehung nicht so gut läuft. Dankbarkeit ist die Grundvoraussetzung von Vertrauen. Vertrauen kann nur entstehen, wenn trotz der Wirrnisse und Widrigkeiten des Lebens und trotz der Enttäuschungen, eine zugesagte und versprochene Treue eingehhalten wird.

· Der Treuherzige : Der Verräter ist die Untreue in Person. Die Treue, die von Herzen kommt, ist die Absicht desjenigen, der dem Partner, dem Freund, dem Gefährten, auch dem Geschäftspartner oder dem Arbeitskollegen „nicht in den Rücken fällt“. Er kämpft wie der Faire für einen anständigen Umgang miteinander und wird niemals wegen eines eigenen Vorteils willen die Vertrauensperson an seine Feind verraten. Es liegt ihm fern, andere zu denunzieren, schlecht über sie zu reden, um sich dadurch in ein gute Licht zu setzen. Er wird stattdessen dem Freund stets treu an der Seite stehen, auch und vor allem in schwierigen Zeiten. Es ist für ihn eine „Herzensangelegenheit“ dem anderen treu zu bleiben, ihn nicht zu betrügen oder zu hintergehen. Auf den Treuherzigen ist deshalb auch stets Verlass, weil er nicht kneift, wenn es schwierig wird. Der treue Kamerad holt den in Gefahr geratenen Gefährten aus seiner misslichen Lage und riskiert dabei sein eigenes Leben. Der Treuherzigkeit ist die Basis schlechthin für gute und langfristige Beziehungen zu anderen Menschen und auch Tieren und stellt sozusagen der Kitt der Gesellschaft dar.

· Der Wachsame : Während die Schlafmütze alles vergisst, seien es wichtige Termine, Absprachen mit Freunden oder Mitbringsel zu vereinbarten Treffen, ist der Wachsame gründlich und stets auf der Höhe des Geschehens. Er ist weder vergesslich noch unaufmerksam, sondern ist stets gut vorbereitet bei vereinbarten Treffen, hat immer alles dabei, was gebraucht wird, ist zuverlässig in jeder Hinsicht. Er ist pünktlich an dem vereinbarten Ort, weil er wichtige Termine stets in seinem Kalender notiert hat. Er gibt sich auch im Hinblick auf das, was besprochen wird, als aufmerksamer Zuhörer und kann sich auch an Details des Gespräches erinnern. Die Anstrengung merkt man ihm nicht an, die dafür erforderlich ist, weil diese Wachsamkeit schon längst zu seinem Habitus gehört. Er ist ein angenehmer Zeitgenosse, weil durch seine Wachsamkeit ein zuverlässiger Partner ist. .

· Der Ordentliche : Der Schlamper ist das krasse Gegenteil zum Ordentlichen. Für den Ordentlichen gilt der Spruch: Ordnung ist das halbe Leben. Und das halbe Leben ist wirklich viel. Der Ordentliche kennzeichnet sich durch seine Strukturiertheit aus, d. h. er schafft es, sowohl die Dinge des Alltages so zu sortieren, dass er auf Anhieb weiß, wo was ist, als auch die Gedanken zu sortieren, was sich in seiner Planung zukünftiger Vorhaben günstig auswirket. Hinzu kommt die Übersichtlichkeit als ein weiteres wichtiges Merkmal, denn die erlaubt es ihm „auf einen Blick“ sehr schnell das zu finden, was er sucht. Er ist wie ein Kommandant auf einer Brücke, der weiß, in welche Richtung ein Schiff fahren soll, der den Kurs hält, weil er alles im Blick hat. Gemäß dem hermetischen Gesetz „wie innen so außen“ entspricht die äußere Ordnung auch der inneren Ordnung. Chaos ist bei dem Ordentlichen nicht denkbar. Er ordnet also nicht nur im Äußeren alles, sondern er hat auch eine innere Ordnung die es ihm erlaubt, sein Leben zu planen, seine Ziele zu verfolgen. Dies bezieht sich auf seine Gefühlswelt, die nicht von einem wilden Durcheinander geprägt ist. Er ist deshalb ein angenehmer Zeitgenosse, weil ihm chaotische Gefühlswelten, die sich im Kontakt mit anderen in einer gewissen Unberechenbarkeit bemerkbar macht, fremd sind. Er ist dadurch auch zuverlässig und gewissermaßen kalkulierbar.

· Der Einzelkämpfer : Während der Mitläufer seine Überlebenschance dadurch zu sichern versucht, dass er „mit dem Strom schwimmt“, sich der Mehrheit anpasst, ist der Einzelkämpfer jemand, der auf sich allein gestellt seine Ziele in seinem Leben verfolgt, ohne dabei auf die Mehrheitsmeinung zu achten. Während der Mitläufer immer dazu gehören will und Wert auf Anerkennung legt, benötigt der Einzelkämpfer nicht diese Zugehörigkeit zu einer Gruppe von Menschen, einer Gemeinschaft oder der Gesellschaft schlechthin, sondern er versucht, sich alleine in dieser Welt zu behaupten und legt dabei keinen Wert darauf, dass ihm „die Welt zu Füßen liegt“. Wenn er die Wahl hat, entweder sich selbst und seinen Grundsätzen treue zu bleiben oder diese zu leugnen, um sich der Mitgliedschaft einer Gruppe von Menschen zu sichern, dann wird er lieber auf die Zugehörigkeit verzichten. Sich selbst zu verleugnen ist etwas, was der Einzelkämpfer verabscheut. Er hasst jede Art der Uniformierung, den Gleichschritt, die Rituale, die die Angehörigkeit zu einer Gemeinschaft signalisieren. Er bleibt lieber allein und kämpft für das, was er für richtig hält – ohne auf die Wirkung von dem zu achten, was er tut. Er ist ein Individualist und liebt die Freiheit des Denkens, Fühlens und Handelns. Jede Art der Gleichschaltung durch Massenmedien, Parteiprogramme, Glaubensdogmen religiöser Gemeinschaften sind ihm suspekt, weil er sich gegen jede Art der Indoktrination wendet und Wert auf ein selbstbestimmtes Leben legt. Was macht ihn angenehm? Seine Qualität liegt in seiner Eigenart, seiner Unverfälschtheit, seiner Originalität, die sich gegen jede Art der Assimilation wendet und ihn zu einem unverwechselbaren Unikum macht.

· Der Mutige : Der Einzelkämpfer ist gleichzeitig nicht nur ein Individualist par excellence, sondern ein mutiger Mensch. Die Courage, gegen den Strom zu schwimmen, Neues auszuprobieren, sich dem Gespött der anderen auszusetzen, weil sie kein Verständnis für seine Ideen haben, erfordert Mut. Er beugt sich nicht der Gruppennorm, nicht der Anweisung einer Autorität, fügt sich schlecht in ein System ein oder gehorcht nicht dem Zeitgeist. Das erfordert Mut, allein notfalls gegen eine Mehrheit anzukämpfen. Er ist dabei risikofreudig und lässt sich nicht darauf ein, für eine vermeintliche Sicherheit durch andere seine Identität rauben zu lassen. Er kämpft allein gegen den Drachen, vor dem die anderen weglaufen. Der Mutige ist der wahre Held, weil er sich den Gefahren stellt, anstatt wegzulaufen. Mitunter wird er belohnt für seinen Mut, was aber nicht das primäre Ziel seiner Vorhaben ist, den ein richtiger Held ist auch gleichzeitig ein Idealist, der für seine Prinzipien kämpft und weder diese noch sich selbst versteckt. Er benötigt hierzu nicht die externe Bekräftigung durch die Gemeinschaft oder die Autoritäten. Nicht für Ehrenabzeichen riskiert der Mutige sein Leben, sondern für seine Ideale, denen er sich verpflichtet sieht. Insofern ist er auch mit der Transzendenz verbunden, mit dem Göttlichen, mit dem Himmel über ihm, der vielleicht öfter die Hand schützend über ihn hält und ihm Schutzengel zur Seite stellt. Dem Mutigen umgibt deshalb mitunter das Licht aus einer jenseitigen Welt, die seine Aura erhellt und sie strahlen lässt.

· Der Prinzipientreue : Der Gesinnungslump ist das negative Pendent zum Prinzipientreuen. Während der Gesinnungslump seine Einstellungen, Meinungen und Handlugen nach der Mehrheitsmeinung ausrichtet und so immer auf einer scheinbar sicheren Welle daherschwimmt, bleibt der Prinzipientreue bei dem was er einmal gesagt, geschrieben und getan hat. Er hat Grundsätze, denen er sich verpflichtet sieht. Ihm ist jede Art des Opportunismus fremd, weil er nicht käuflich ist, weder im direkten noch im übertragenen Sinne. Er bleibt bei seinen Überzeugungen und lässt keine Zweifel aufkommen, dass er hierzu steht. Dem Druck der Autoritäten hält er stand, riskiert Ausgrenzung bis hin zur Existenzvernichtung. Warum tut er dies? Dieses Rätsel ist lösbar, weil der Prinzipientreue nicht nur durch seine Grundsätze geerdet ist, also einen festen Standpunkt vertritt, sondern sich auch mit dem Himmel in Verbindung sieht. Die „himmlische“ Verbindung trägt ihn durch die Anfeindungen, weil er nicht wirklich um sein Leben fürchtet, das sowieso im physischen Sinne endlich ist. Er sieht sich in der Vertikalen gesehen auch mit dem Göttlichen in Verbindung stehend, so wie dies z. B. Luther formuliert hatte, als er vor einem Tribunal seine Lehre widerrufen sollte: Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir Amen.

· Der Konfliktvermeider: Während der Streitsüchtige geradezu darauf aus, in eine Auseinandersetzung zu gehen, um dabei möglichst als Sieger hervorzugehen, geht es dem Konfliktvermeider darum, den Konflikt möglichst gar nicht entstehen zu lassen. Er überlegt sich von vornherein, ob sich es überhaupt lohnt, in einen Konflikt hineinzugehen, um sich „auf Biegen und Brechen“ gegen einen Kontrahenten behaupten zu wollen. Er geht dem Konflikt dadurch aus dem Wege, in dem er die Abschätzung trifft: Lohnt es sich überhaupt, den Konflikt auszutragen oder ist es nicht besser, diesen Konflikt gar nicht als Konflikt anzusehen, ihn durch „Aus-dem-Weg-gehen“ oder Nachgeben zu umgehen. Nicht zu verwechseln ist er mit dem Schlichter. Ihm geht es darum, als neutrale Person zu verhindern, dass zu Lasten einer Person ein Streit durch einen Sieg einer überlegenen Partei beendet wird. Der Kompromiss, der Ausgleich zwischen zwei extremen Positionen ist sein Ziel. Der Schlichter will keine Sieger – zumindest nicht nur auf einer Seite –, sondern will versuchen, dass eine „Win-win-Situation“ entsteht, d. h. dass beide – trotz Abstriche hinsichtlich der eigenen Standpunkte und Ziele – sich als Sieger zumindest fühlen („ich habe zwar nicht in allem gewonnen, aber ich habe zumindest einen Teilsieg erzielt“).

· Der Vergebende: Nach einem Streit, der nicht erfolgreich war, nach einem Fehler eines anderen, der zum eigenen Nachteil führte, kann es vorkommen, dass Menschen das nicht vergessen können und dies dem andern nachtragen. Sie sinnen heimlich immer auf Rache, auf eine Möglichkeit, dem anderen es „heimzuzahlen“. Der Nachtragende ist das Pendent zum Vergebenden. Wer vergibt, der sagt damit: Ich sehe die Sache als erledigt an. Wir fahren wieder zurück auf die Ausgangsposition. Mit dem Vergeben einer Schuld, wird eine Schädigung durch einen anderen Menschen als erledigt erklärt. Vorausgehen sollte aufseiten des „Schuldners“ das Eingestehen der eigenen Schuld, die Bitte um Vergebung und die Wiedergutmachung. Es ist auch möglich, dass der Vergebende auf die Wiedergutmachung verzichtet – als einen Akt der Großzügigkeit. Wer vergibt, löscht eine Schuld und bereinigt somit eine Beziehung. Nach christlicher Lehre, die auf Jesus zurückgeht, wird im „Vater unser“ um die Vergebung der eigenen Schuld durch Gott gebeten und gleichzeitig zugesichert, die Schuld auch dem anderen zu vergeben. Die Vergebung sollte aber immer echt gemeint sein, sonst droht irgendwann die Rache des Geschädigten durch das U-Boot der Vergeltung aufgrund eines verdrängten Grolls.

· Der Tiefgründige: Der Oberflächliche lebt gewissermaßen in der Horizontalen, denn er sieht keinen tieferen Sinn im Leben. Der Tiefgründige will aber dem Leben auf den Grund gehen, will nicht auf der Oberfläche eines scheinbar gemütlichen Lebens dahinschwimmen. Er sieht sich in der Vertikalen und hofft, durch das Graben in den Tiefen des Bewusstseins, in den Tiefen der Welt den Grund für seine Existenz zu finden. Warum leben wir überhaupt? Das ist die Frage, die versucht im wahrsten Sinne des Wortes zu ergründen. Wenn er nicht fündig wird, kann er zum Grübler werden, der ständig sich in einer Gedankenwelt verliert und glaubt, doch noch fündig zu werden oder im schlimmsten Fall zum Zyniker mutieren, der die Welt nur als ein absurdes Theater ansieht, die trotz größter mühevoller Suche nach dem Sinn sich als sinnlos herausstellt. Der Tiefgründer ist ein guter Gesprächspartner, wenn es um ernste Themen geht, weil er stets versucht, einer Sache auf den Grund zu gehen. Für ihn ist nichts schrecklicher als sinnfreie Gespräche bei einem gemütlichen Beisammensein, die er für pure Zeitverschwendung hält. Er ist ein geborener Philosoph, der die Weisheit liebt und glaubt weise zu werden, wenn er nur lange genug über eine Sache nachdenkt.

· Der Skeptiker: Der Naivling nervt, weil er jedem alles glaubt. Sein Pendent, der Skeptiker, ist davon angetrieben, dass er eben nicht alles glaubt, was ihm von anderen erzählt wird. In seiner negativen Übertreibung neigt der Skeptiker zum Argwohn, also dazu, hinter allem etwas Schlechtes zu ahnen. Der gesunde Skeptizismus ist heilsam, weil er vor der Übervorteilung durch Betrüger warnt, weil er davor schützt, den als allgemeingültig erklärten Wahrheiten und damit falschen Welterklärern auf den Leim zu gehen. Das gesunde Misstrauen hilft uns vor Enttäuschungen zu schützen, bewahrt uns davor, in die vielen Fallen der bösen Welt hineinzutappen. Denn dass die Welt, so wie sie uns etwa durch Massenmedien vermittelt wird, wirklich so ist, wie es uns suggeriert wird, stößt bei dem Skeptiker auf berechtige Zweifel. Der Zweifel hilft, selbst noch einmal nachzudenken und zu recherchieren, ob das, was behauptet wird, wirklich stimmt und nicht andere Interessen dahinter stehen, die nicht offen kommuniziert werden. Der Skeptiker war z.B. misstrauisch, als in der Corona-Zeit die „Impfung“ als Allheilmittel angepriesen wurde – und das hat ihm vielleicht dazu verholfen, sich nicht einfach aus Gutgläubigkeit eine gefährliche Mischung in den Körper jagen zu lassen.

· Der Herzliche: Wer kein Herz hat, dem fehlt es an Einfühlungsvermögen, was z. B. Psychopathen nachgesagt wird. Der Herzliche ist das Gegenteil, denn er weiß, dass das Herz nicht nur eine Pumpe ist, sondern ein mächtiges Zentrum mit einer eigenen Gesetzmäßigkeit, eigenem Nervensystem und einer großen Strahlungskraft, die eine Aura der Herzlichkeit bildet. Wer mit herzlichen Menschen zu tun hat, wird dies intuitiv spüren, wird sich gewissermaßen eingefangen sehen in diese unsichtbare, aber spürbare Aura, die von diesem Menschen ausgeht. Wer z. B. einen Sucharit Bhakdi sieht und sprechen hört, wird von seiner Herzlichkeit überzeugt sein und glauben, dass das was er sagt, seiner innersten Überzeugung entspringt. Der Herzliche strahlt das aus, was in seinem Innersten verborgen ist. Der Säugling spürt diese Herzlichkeit bereits intuitiv und legt seinen Kopf auf die Herzseite seiner Mutter und wird mit ihr eins. Die Herzlichkeit schließt ein, nicht aus, sie gibt Geborgenheit und grenzt nicht ab, sie vermittelt Ruhe und nicht Hetze, sie vermittelt Freude und nicht Traurigkeit. Der Herzliche sieht sich selbst als eine Person an, die eigentlich niemand wirklich böse sein kann. Er kann verzeihen, vergeben, vergessen, was andere ihm angetan haben und hat eine große Geduld, eine Engelsgeduld. Dem Herzlichen können wir Vertrauen schenken, weil er niemals einem anderen etwas zu Leide tun will, weil er von Grund auf gut ist, ohne dass er dies nach außen hin betonen muss. Er überzeugt allein durch seine Existenz.

· Der Rücksichtsvolle: Wer ohne Rücksicht vorgeht, gilt als rücksichtslos, weil er nicht die negativen Folgen seines Handelns antizipiert oder diese ihm schlechtweg egal sind. Der Rücksichtsvolle hat die Folgen seines Tuns immer im Blick und wägt ob, wie und in welchem Ausmaß sich sein Verhalten auf andere auswirkt. Er wird dabei nicht so weit gehen, sein Handeln zu einer erdrückenden, den anderen in sein Autonomiebedürfnis beschränkenden Aktion verkommen zu lassen. Er geht also vorsichtig zu Werke und versucht gedanklich die Auswirkungen seines Verhaltens auf die Mitmenschen zu antizipieren. Die mögliche Vorwegnahme der Folgen seiner Taten erlauben dem Rücksichtsvollen die Einschätzung, ob er zur Handlung schreiten soll oder nicht, ob er jemand helfen sollte oder ob es besser wäre, nichts zu tun. Er macht sich dabei klar, dass eine Hilfe auch die Kehrseite der Bevormundung beinhalten kann, wenn sie zu penetrant daherkommt und die Autonomiebedürfnisse des anderen negiert. Dabei lässt er sich von moralischen Grundvorstellungen leiten, die darauf aufbauen, in der Welt so zu agieren, dass – als Mindestvoraussetzung – kein Schaden angerichtet wird, im besten Falle der Nutzen für den anderen, sein Wohlergehen vermehrt wird.

· Der Humorvolle: Humor ist wenn man trotzdem lacht. Echter Humor ist sehr vom reinen Klamauk zu unterscheiden oder gar von der Schadensfreude, die z. B. in den Sendungen „Verstehen sie Spaß“ zelebriert wurde. Humor ist, wenn ein zu Tode verurteilter Mensch vor seiner Hinrichtung die letzte Zigarette mit der Begründung ablehnt, dass er gehört habe, dass man dadurch Lungenkrebs bekommen könne. Der Humorvolle strahlt eine gewisse Gelassenheit aus, nimmt nicht das Leben auf die leichte Schulter, sondern versucht, in jeder Lebenssituation eine heitere Note zu finden, die alles erträglicher machen könnte. Er ist kein Spaßvogel, der nur andere zum Lachen bringen will, weil er einen guten Witz erzählt hat, er ist eher der Clown, der weiß, dass seine Späße ihn zwar als Trottel dastehen lässt, aber den guten Zweck erfüllt, den Menschen im Zirkus wenigstens für eine Weile das Gefühl zu geben, sich im Paradies zu befinden, wo es kein Leid gibt. Der Humorvolle ist ein Lebenskünstler, weil er zwar weiß, dass das Leben eine ernste Sache ist, aber auch die Leichtigkeit des Seins ihre Berechtigung hat. Humor ist vielleicht ein göttliches Geschenk, das uns darüber hinweg trösten soll, dass wir trotz der oft empfundenen Gottesferne doch nicht allein sind und mit ihm in Verbindung stehen, wenn wir versuchen, dem oft absurden Leben eine heitere Note abzugewinnen.

· Mischtypen: Wie bei den Nervensägen gibt es auch bei den Nervenberuhigern eine Mixtur verschiedener Typen. Ein gemeinsames Merkmal könnte sein, dass alle irgendwie Humor haben, weil der Humor die Basis darstellt sowohl z. B. für Herzlichkeit als auch für die Tiefgründigkeit. Der Skeptiker ist auch oft gleichzeitig der Prinzipientreue, weil er von der Beurteilung der Welt von gewissen Grundsätzen ausgeht. Der Gerechte ist auch der Wahrheitsliebende, weil die Wahrheit zu erkennen eine wichtige Grundlage ist, um gerecht zu sein. Der Bescheidende ist oft auch gleichzeitig der Tiefstapler, weil beide Charaktere die gleiche Wurzel haben, nämlich sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen. Der Verteidiger und der Kümmerer haben mit dem Selbst- und Nächstenliebenden gemeinsame Wurzeln in dem tiefen Glauben daran, dass es wichtig ist, sich für andere einzusetzen und zu helfen, wo andere in Not sind.

Die Nervenberuhiger sind vielleicht in der Minderzahl oder zumindest scheint dies so zu sein, weil die Nevensägen viel penetranter daherkommen. Wer sich Mühe gibt, wird diese aber auch finden und jeder wird vielleicht bei sich selbst Wesenszüge erkennen, die diesem angenehmen Zeitgenossen gleichen. Ohne sie wäre die Welt wirklich unerträglich und vielleicht schon die Hölle. Sie geben uns die Gewissheit, dass wir über unsere irdische Welt hinaus auch eine jenseitige Heimat haben, in der es hoffentlich nur Nervenberuhiger gibt.


© beim Verfasser



[1] Der Einfachheit halber sind die folgenden Typen im Maskulinum geschrieben. Die Ausführungen gelten entsprechend für beide Geschlechter und „Diverse“.

von Günther Birkenstock 9. März 2026
Das Leben ist eine Art Kunst, die eine Ehrlichkeit erfordert, vor allem gegen sich selbst. Aber was ist, wenn diese Ehrlichkeit abhandenkommt? Man spricht dann von Lüge – und bezogen auf das Leben selbst von Lebenslüge. Wie kann man diese Lebenslügen erkennen? • Auf das falsche Pferd gesetzt : Beim Pferderennen kommt es auf das richtige Pferd an und bei Pferdewetten ist das Entscheidende, dass man auf das richtige Pferd wettet, um zu gewinnen. So geht es auch im Leben: Jeder setzt spätestens mit dem Erwachsensein auf verschiedene Pferde, von denen er annimmt, dass sie ihm zum Erfolg führen werden, dass mit ihnen Siege zu erzielen sind. Was ist aber nun, wenn der Traum nicht aufgeht, wenn also die diversen Pferde verloren haben? Wie geht ein Mensch damit um, wenn er merkt, dass er hier und dort auf das falsche Pferd gesetzt hat? Diese Rennpferde, auf die wir gerne setzen, können Personen, Institutionen oder einfach Ideen, Weltanschauungen sein, denen wir uns verschrieben haben. Die Enttäuschung, die sich einstellt, wenn die Erkenntnis reift, dass uns bestimmte Personen getäuscht und damit in die Irre geführt haben, kommt manchmal erst am Ende eines Lebens. Sie kommt nicht plötzlich, sondern kündigt sich oft nur als vages dumpfes Gefühl an, dass etwas nicht stimmt. Diese Person kann ein Freund, ein Lebens- oder Ehepartner, ein Arbeitskollege oder eine sonstige wichtige Person sein. Die Erwartung, dass ein in die Person gesetztes Vertrauen nicht erfüllt wurde, dass das Vertrauen vielleicht sogar missbraucht wurde, kann dazu führen, dass die Beziehung infrage gestellt wird. Nun kommt der entscheidende Punkt: Wenn diese Erkenntnis aber nicht im Inneren für wahr gehalten wird, wenn Gründe gesucht werden, das Verhalten des anderen zu entschuldigen, obwohl es hierfür keine objektiven Gründe gibt, erst dann entsteht eine Lebenslüge. Sie soll dazu dienen, diese Enttäuschung irgendwie zu kaschieren, um den eigenen Seelenfrieden zu retten, um die eigene „heile Welt“ vor dem Untergang zu bewahren. Wer sein Leben in einer religiösen Gemeinschaft vollbracht hat, wer sich einer Religion angehörig fühlt und seine Aktivitäten an deren Glaubensdogmen ausgerichtet hat, kann in ähnlicher Weise einen Schiffbruch erleiden, wenn sich die Erkenntnis immer mehr durchsetzt, dass vieles, was er geglaubt hat, ein Irrglaube war. Wenn diese Institution, der er vertraut hat, sich als eine herausstellt, die mit ihrer Doppelmoral zutiefst spalterisch wirkt, indem der Widerspruch zwischen der eigenen Dogmatik und der praktizierten Unmenschlichkeit offensichtlich wird, dann entsteht eine Lebenslüge, wenn daraus nicht Konsequenzen gezogen werden. Die Lebenslüge besteht dann in der mangelnden Bereitschaft, entweder der Spaltung entgegenzuwirken oder im Falle des Misserfolgs dieses Versuchs die Aufhebung der Zugehörigkeit zu vollziehen. Manchmal neigen wir dazu, ein „Pferd zu Tode zu reiten“ anstatt vorher von diesem Pferd zu steigen. Der Mitläufer ist der Prototyp desjenigen, der in einer Institution stets mit dem Strom schwimmt, wobei er die inneren Sensoren abschaltet, die ihn warnen könnten vor der systemischen Vereinnahmung, die ihn dann zum willigen „Systemler“ macht. Vordergründig hat er „auf das richtige Pferd“ gesetzt, indem er hierbei die Vorteile des Mitmachens einheimst: Erfolg, Anerkennung, Geld oder vielleicht auch Macht. Aber letztendlich hat er damit seine „Seele verkauft“, seiner Seele schweren Schaden zugefügt, indem er nicht der inneren Stimme gefolgt ist, die ihn gewarnt hatte, aber auf die er nicht hören wollte. Er ist nicht dem Ruf seines Gewissens gefolgt, hat nicht die Aufgaben, die er sich vor seiner Inkarnation vorgenommen hat, erfüllt. • Wahrheit - Fehlanzeige: Die Wahrheit ist die nicht zu leugnende Gewissheit, dass die eigenen Einstellungen, Überzeugungen und Einsichten sich in Übereinstimmung befinden mit der nicht zu leugnenden Wirklichkeit. Die Lüge ist dann konsequenterweise die Leugnung dieser Nicht-Übereinstimmung. Die Wahrheit macht uns frei, hatte einmal Jesus behauptet (Johannes 8,32), womit er gemeint hat, dass diese Wahrheit uns von den falschen Bindungen befreit. o Ego-Bindungen : Es sind die Bindungen an unser eigenes Ego, das immer Komfort möchte, das Wohlbehagen mag, das sich einstellt auf eine eigene Wohlfühlzone, die nicht tangiert werden soll durch unangenehme Einflüsse von außen oder durch widersprechende Einsichten. Das Ego wird deshalb alles abwehren, was dies gefährden könnte. Im Unbewussten sind es die vor allem von Anna Freud (Tochter von Sigmund Freud) erforschten Abwehrmechanismen, die außerhalb des bewussten Zugriffs dazu dienen, unliebsame Triebregungen zu eliminieren, sie in die Grau- und Dunkelzone der Psyche abzuschieben (zu verdrängen). Die Therapie besteht in der Bewusstmachung dieser Inhalte, um sie wieder in die Seele zu integrieren. Im weitesten Sinne könnte dieses Konzept der Abwehrmechanismen als Metapher dazu dienen, die Wahrheitsleugnung zu erklären, die sich nicht eben nicht nur auf unliebsame Triebregungen bezieht, sondern auf die aufkommenden Einsichten oder einfließenden Inspirationen, die helfen können, die Wahrheit zu erkennen. Sie werden mehr oder weniger unbewusst geleugnet, mit Gegenargumenten „mundtot“ gemacht, um die scheinbare seelische Bilanz nicht zu gefährden. Die Lebenslüge besteht in dem Fürwahrhalten falscher Überzeugungen (Ideologien), die uns in einem Spinnennetz von Halbwahrheiten oder sogar Lügen gefangen halten. o Materielle Bindungen : Die materielle Bindung betrifft alles, was uns in der materiellen Welt begegnet: Erfolg im Beruf, Ansehen und Anerkennung durch andere, Sicherheit durch einen erreichten Wohlstand, Geborgenheit in der Familie, tragende Beziehungen zu Freunden, zu wichtig gehaltenen Personen und Institutionen. Sie suggeriert uns ein Gefühl des Erfüllt-Seins, des sich Wichtig-Seins, des Gebraucht-Seins. Aber trotzdem bleibt bei vielen ein Gefühl der Leere zurück, weil jedem klar sein muss: Spätestens mit dem Tod enden alle diese Errungenschaften, werden sie mit einem Mal ausgelöscht. Selbst der reichste und mächtigste Mensch muss kapitulieren, wenn das physische Leben endet. Was bleibt uns dann noch? Die Wahrheit ist die: Ohne der Gewissheit einer jenseitigen Weiterexistenz, ohne einen transzendenten Bezugspunkt, ohne eine nicht-materielle Bindung an die umfassendere Wirklichkeit, die traditionell Gott zugeschrieben wird, bleiben unsere Bemühungen völlig vergebens. Die Lebenslüge besteht in der Leugnung dieser Notwendigkeit, sie besteht in der Suggestion, dass unsere materiellen Bindungen unsere Erfüllung darstellen – obwohl es klar sein sollte: Sie stellen nur Illusionen dar. Im Buddhismus wurde dies so erkannt, was auch gleichzeitig die Wurzel des Leids darstellt: Die Wünsche, die Sehnsüchte, die uns immer wieder antreiben, können letztendlich nur Leid verursachen, weil sie in einer vergänglichen Welt nicht wirklich erfüllt werden können. Die Lebenslüge besteht in dem Festhalten an den materiellen Dingen der Welt, von denen wir glauben, dass sie ewig bestand hätten, was aber nicht der Fall ist. • Leugnung des Deplatziert-seins : Am falschen Platz zu sein ist eine Erkenntnis für die Entdeckung der Lebenslüge, aber gleichzeitig auch der Ausweg. Wer das Gefühl hat, dass er in unserer Welt eigentlich deplatziert ist, dass er nirgendwo dazugehört, dass er nie so richtig mit anderen „warm werden kann“, weil er stets das Gefühl des Fremdseins hat, wird der Lebenslüge bald auf die Schliche kommen. Sie besteht nämlich darin zu glauben, dass man bestimmt dieser oder jener Gemeinschaft dazugehört, dass man glaubt, mit anderen die gleichen Ansichten zu teilen, wodurch ein Wir-Gefühl entsteht. Der Fußball-Fan identifiziert sich mit „seinem“ Verein, der Bürger mit „seinem“ Vaterland, der Arbeitnehmer mit „seiner“ Firma, der Parteigenosse mit „seiner“ Partei und der Globetrotter, der die weite Welt bereist, fühlt sich mit der weiten Welt verbunden, weil sie ihm zur zweiten Heimat geworden ist. Die Lebenslüge besteht in der Leugnung des Verdachts, dass daran etwas nicht stimmen kann, dass hier eine Illusion der Verbundenheit entstanden ist, die leider oft einer kritischen Prüfung nicht standhalten kann. Spätestens, wenn jemand in einer Notsituation ist, wird er feststellen, dass diese Gemeinschaften nicht wirklich tragend sind, dass doch fast jeder „sich selbst der Nächste" ist, dass die verkündeten Solidaritätsbekundungen nur leere Floskeln sind. Die Lebenslüge, dass wir „alle in einem Boot“ sitzen, fliegt dann auf und stellt sich als das dar, was sie von Anfang war: eine Lüge. Die Lebenslüge besteht in der Aufrechterhaltung des Glaubens, irgendwo dazu zu gehören, in dieser Welt zu Hause zu sein, obwohl klar ist: Wir haben hier keine bleibende Statt (Hebräer 13,14), sind also nur Gäste, das sollte die wahre Erkenntnis sein. Alles andere ist eine Illusion. • Versagen : Die Lüge ist die perfekte Ausrede für das eigene Versagen. Wer sich selbst etwas vormacht, indem er sich suggeriert, dass er im Leben viel erreicht habe, dass er doch ein eigentlich ein „anständiger Kerl“ war und niemand etwas zuleide getan habe, leugnet die Wahrheit, dass er eben leider nicht immer erfolgreich war, dass er doch andere geschadet hatte, dass seine Existenz aus einer „höheren Warte“ gesehen kaum für einen anderen eine große Bedeutung hatte. Das Versagen zuzugeben, ist deshalb schwer, weil die eigene Bedeutungslosigkeit offenbar würde. Das Versagen führte zu einer schweren Depression, weshalb die eigene Wichtigkeit bedeutsam hervorgehoben werden muss. Das Untergehen in dem Meer der Bedeutungslosigkeit ist das Bemühen vieler Menschen entgegengestellt, die versuchen, aus der grauen Masse der Menschen herauszuschauen, und sei es nur für kurze Augenblicke. Die „Jubiläumsjahre“, bei denen ein „runder Geburtstag“ gefeiert wird, vermitteln eine größere Bedeutung, als sie einem vielleicht tatsächlich zukommt. Das Versagen gehört aber zum Leben dazu, das Scheitern von großen Vorhaben, das Zerplatzen von Träumen, wie die Welt verbessert werden könnte, das Aufgeben von eigenen Idealen, die an der Realität zerschellen, sind auch Bestandteile des Lebens. Die Lebenslügen derer, die anscheinend so bedeutend waren und so erfolgreich, fliegen auch irgendwann auf, wenn sie enttarnt werden als bloße Selbstinszenierungen, die nur dem eigenen Ego schmeicheln sollten. • Ausweg : Der Ausweg aus der Falle Lebenslüge besteht in drei Punkten: o Ehrlichkeit : Die Ehrlichkeit besteht darin, sich keiner Illusion hinzugeben, sich schonungslos vor den Spiegel der Selbstkritik zu stellen. Diese Selbstkritik ist eine Selbstbeurteilung – folgt man Berichten von Menschen, die von Nahtoderfahrungen berichten, so geschieht dies ausnahmslos im Sterbeprozess – die aus der höheren Warte des „wahren Selbst“ (Seele) geschieht. Das Ich entspricht nicht diesem „höheren Selbst“, wie es in der Esoterik genannt wird. Es ist der in der jenseitigen (geistigen) Welt beheimatete wahre Wesenskern des Menschen, der in der materiellen Welt Erfahrungen machen möchte, um weiter wachsen zu können. Zu diesem Wachstum gehören eben nicht nur Erfolge, sondern auch Niederlagen, nicht nur erfreuliche Ereignisse, sondern auch „Katastrophen“, nicht nur geglückte Beziehungen, sondern auch gescheiterte Liebschaften und Freundschaften. Die Ehrlichkeit entreißt uns die Maske der Selbsttäuschung, um uns so zu sehen, wie wir wirklich sind. o Nachsicht : Die perfekten Menschen sind deshalb unheimlich, weil sie durch ihre scheinbare Vollkommenheit uns klein und unscheinbar erscheinen lassen. Die Nachsicht bedeutet in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit der Sanftheit gegenüber der eigenen Person, nicht zu verstehen als eine Nachlässigkeit mit der eigenen Fehlerhaftigkeit, sondern in der Beurteilung unserer Schwächen. Die Strenge in der Sache darf nicht in der grenzenlosen Selbstdemütigung enden. Der Mensch ist als „Mangelwesen“ nicht vor eigenen Fehlern gefeit. Sie zu erkennen, ist tatsächlich auch der erste Schritt zur Besserung. Wir erkennen im Lichte der Nachsicht auch unsere Vorläufigkeit, unsere Schwäche gegenüber der Vollkommenheit des Schöpfers. Der Hochmut Luzifers führte ihn zum Fall. Der satanische Abfall besteht im Kern in der Selbstüberschätzung, in dem Versuch, sich selbst zu Gott zu machen, was auch im Kern der Gegenstand der Versuchung der Menschen im Paradies war (ihr werdet sein wie Gott, 1. Mose, 3,5). Die Nachsicht beschert uns die Einsicht, dass die Unterscheidung zwischen Schöpfer und Geschöpf per definitionem notwendig ist, um uns vor der Hybris der Selbstüberhöhung zu schützen. o Bedeutung der „Bedeutungslosigkeiten“ : Wir neigen dazu, auch deshalb der Lebenslüge aufzusitzen, weil wir die Bedeutung der Dinge, die wir für wichtig halten, zu hoch hängen. Der Alltag beschert uns manchmal scheinbar bedeutungslose Begegnungen mit anderen Menschen oder Kontakten zu Tieren, die unseren Weg kreuzen, ohne dass wir den Wert dieser „Zufallsbekanntschaften“ zu würdigen wissen. Sie stehen vielleicht in einem größeren Zusammenhang gesehen in einem höheren Wert als wir erahnen können, weil uns die wahren Bedeutungen nicht bewusst sind. Die Wirkungen unserer „kleinen“ Hilfen im Alltag, die Freundlichkeiten gegenüber anderen oder die scheinbar belanglosen Bemerkungen gegenüber einem in Not geratenen Menschen, bis hin zu handfesten, auch materiellen Hilfen für Notleidende, verpuffen nicht wirkungslos. Sie sind Ausdruck einer wohlwollenden Haltung gegenüber allen Kreaturen, denen wir auf unserem Lebensweg begegnen. Wir geben damit dem eine Bedeutung, jedem ein eigenes Lebensrecht, wodurch wir uns einbringen in die Matrix eines Weltgeschehens, das nur scheinbar zufällig verläuft. Die inneren Gesetzmäßigkeiten, die dahinter stehen, deuten auf die transzendente Führung hin, die wir noch nicht vollständig verstehen und nur erahnen können. Sie geben allem eine Bedeutung und damit auch einen Sinn. Lebenslügen müssen nicht sein. Sie zu vermeiden stellt eine hohe Herausforderung dar, der wir uns aber stellen müssen, um nicht wirklich am Ende unseres Lebens sagen zu müssen: wir haben versagt. Wir können darauf bauen, dass wir bei unseren Bemühungen, die Lebenslügen aufzudecken oder vielleicht sogar zu vermeiden, nicht allein gelassen sind und auf göttlichen Beistand setzen können. © beim Verfasser
von Günther Birkenstock 20. Februar 2026
Vor kurzem hatten meine jüngste Tochter und ich über überempfindliche Menschen gelästert, wobei wir auf die Idee kamen, dass solche Typen sich am besten einen Stempel mit der Aufschrift „bitte nicht kritisieren“ auf die Stirn oder an einer anderen Stelle der Haut drucken müssten. Es ginge vielleicht auch kürzer, in dem auf dem Stempel nur entweder zwei Buchstaben für „lu“ (lebensuntüchtig) oder vier Buchstaben „znzg“ („zu nix zu gebrauchen“) stünde. Könnte es wirklich solche Typen geben, die derart unfähig, unwillig, unangepasst und undiszipliniert sind, dass sie nur anderen zur Last fallen? • Selbstwertgefühl unten: Das Selbstwertgefühl, gespeist normalerweise aus den erfolgreichen Aktionen eines Menschen, kann derart im Keller sein, dass es immer mehr verschwindet. Es gibt zwei unterschiedliche Reaktionsweisen, um diesem Verschwinden zu begegnen: ein ins eigene Schneckenhaus verkriechen oder eine Überkompensation mit übertriebener Selbstdarstellung. o Schneckenhaustyp: Diese Variante einer Reaktion auf ein niedriges Selbstwertgefühl resultiert aus dem Wunsch, möglichst in Ruhe gelassen zu werden, um im Groll über die böse Welt oder der ungerechten Behandlung zu schmollen. Die Schuld liegt immer für den Gekränkten bei den anderen, eine Selbstbeteiligung an der eigenen Misere wird (unbewusst) ausgeblendet. Wenn er denn einmal befragt wird über die Gründe seines Kummers, drängt sich bei einem noch unkritischen Betrachter der Verdacht auf, dass der Ärmste wirklich einen berechtigten Grund hat, auf andere schlecht zu sprechen zu sein. Später könnte sich das Bild doch ändern und sich sogar ins Gegenteil verkehren, wenn er versucht, die vermeintlichen Täter zu befragen. Denn es stellt sich die Sache oft dann ganz anders dar, nämlich dass das vermeintliche Opfer eher der Täter und irgendwann die Geduld der anderen erschöpft war. o Überkompensation: Diese Variante ist auf eine andere Weise unangenehm, weil nämlich ein großspuriges Auftreten, gepaart mit selbstverherrlichendem Wortgeklingel, abstoßend wirkt. Die Überbetonung der eigenen Fähigkeiten wirkt aufgesetzt und unnatürlich, sodass der Verdacht aufkommt, dass daran etwas nicht stimmen kann. Und richtig: Wer bei diesem Typus einmal nachforscht, wird bald feststellen, dass diese Masche der Aufschneiderei überall zu beobachten ist und unvoreingenommene Betrachter durchaus darauf hereinfallen können, bis sie dann darauf kommen, dass der Angeber nur ein „kleiner Wicht“ ist, der sich größer macht als er in Wirklichkeit ist. • Chaos als Lebensstrategie : Die Ordnung ist das halbe Leben, so sagt ein altes Sprichwort. Nicht so für den „Znzg-Typ“, denn der hält die eigene Unordnung für seine eigene künstlerische Freiheit, er meint, dass Ordnung nur etwas für Spießer sei. Sein Chaos breitet sich auf seine gesamten Lebensbereiche aus: Der Haushalt ist unaufgeräumt, seine wichtigen Papiere liegen verstreut und sind i.d.R. nicht auffindbar oder nur nach langem Suchen zu entdecken, der Tag ist unstrukturiert, seine Zukunftsvorstellungen völlig undurchsichtig und eher vom Zufallsprinzip geprägt als von einem planerischen Gestalten. Die Unaufgeräumtheit im äußeren spiegelt nur das innere Chaos wieder, denn das Seelenleben scheint einem ungeordneten Durcheinander zu gleichen. Diese Unordnung spürt jeder, der mit ihm zu tun hat: Sprunghaftigkeit der Emotionen und Ideen, die Motive sind starken Schwankungen ausgesetzt, die Absichten nur schwer erkennbar (weil auch oft nicht vorhanden) und die Gedanken ähneln einem „freien Assoziieren“ bei einem der Psychoanalyse verhafteten Therapeuten. • Zuverlässigkeit ist Mangelware : Klar, wer so mit sich selbst beschäftigt ist, dem fehlt die für die Außenorientierung notwendige Konstanz im Verhalten, sodass die eigenen Unzulänglichkeiten sich auch im Alltag bemerkbar machen. Termine werden vergessen, Absprachen nicht eingehalten, Unterlagen werden verlegt, die wichtig gewesen wären, andere durch unangemessene Reaktionen vor den Kopf gestoßen, die sich über diese Mängel beschweren. „Wenn man sich auf dich verlässt, ist man verlassen“, ist der häufig zu hörende Vorwurf, dem sich der „Znzg-Typ“ aussetzt. • Keine Selbstdisziplin : Den Alltag gestalten, in dem die Wohnung sauber gehalten, die Kleidung gewaschen, dem Tag eine Struktur gegeben wird, ist etwas, was oft völlig fehlt. Wenn tatsächlich ein Beruf gelernt und dann auch ausgeübt wird, fehlt es oft an der notwendigen Selbstbeherrschung. Die Affekte und Motive zum Verhalten, die eher dem „Lustprinzip“ (Sigmund Freund) gehorchen, dominieren und die Selbstbegrenzung hinsichtlich eines unangemessenen Verhaltens ist Mangelware. Steuerung, Planung, Zielgerichtetheit sind oft nicht zu erkennen und es fehlt an Wachsamkeit gegenüber den möglichen eigenen Fehlleistungen. • Schuld sind die anderen : Wer merkt, dass er sich mit seiner chaotischen Lebensführung keine Freunde macht, neigt dann dazu, die Schuld an dem Rückzug den anderen zu Last zu legen, weil diese für ihn kein Verständnis hätten. Weil er ein geringes Selbstwertgefühl hat, ist eine Selbstanklage nicht gewünscht, weil dies die negative Grundstimmung verstärkt. Die Klage wird gegen die nächsten Verwandten, Arbeitskollegen oder Bekannten erhoben, die an seinem Elend schuldig sein sollen. Wenn er denn noch Zuhörer hat, wird er diesen von den Eltern erzählen, die ihn nie verstanden haben, von den Freunden, die ihn betrogen hätten und von den Kollegen, die nur Intrigen gegen ihn gesponnen hätten. Außerdem sei auch die Welt so schlecht geworden, so sinniert er dann vor sich hin, dass sie es auch nicht mehr verdient hätte, dass er sich in dieser in irgendeiner Weise einbringt. • Rücksicht nicht vorhanden : Weil die anderen aus seiner Sicht an seinem Elend schuld sind, denkt er gar nicht daran, dass er wiederum mit seinem Verhalten andere täuschen, verletzen und damit enttäuschen kann. Die Egozentrik ist so groß, dass er nicht über seinen Tellerrand hinausschaut, dass diejenigen, die sich um ihn noch Sorgen machen, vielleicht über sein Schicksal traurig sein könnten und auch darunter leiden, dass sein Leben so chaotisch verläuft. Die Rücksichtnahme ist deshalb ein Fremdwort, weil sie gar nicht als ein „notwendiges Übel“ ins Kalkül gezogen wird. Er eckt überall an, ohne dass er das so richtig selbst bemerkt, verletzt andere, ohne darüber nachzudenken, dass ihm der Fehler unterlaufen ist und er dafür um Entschuldigung bitten müsste. • Rückzug und Isolation : Der Rückzug beginnt oft schleichend, der damit erklärt wird, dass die ach so böse Welt an allem schuld sei. Er habe doch immer alles nur gut gemeint, beklagt er sich bei anderen, aber man habe ihn nie wirklich verstanden. Der soziale Rückzug aus den Beziehungen zu anderen dient dem Schutz des schwachen Ich, das keine Misserfolge mehr verträgt. Die Integration in der Arbeitswelt scheitert, die sozialen Beziehungen gehen zu Bruch, die familiären Bindungen, die vielleicht noch am längsten gehalten haben, versagen irgendwann auch. Es bleibt nach dem Rückzug nur die Isolation von der Welt und eine quasi paranoide Einstellung zur Welt, der immer nur Schlechtes zugetraut wird. • Teufelskreis : Kein Wunder, dass der „Znzg-Typ“ sich in einem Teufelskreis befindet, den er immer wieder aufs Neue entfacht: Weil er derart unzuverlässig ist, wird er immer mehr zum Außenseiter, zum Zeitgenossen, um den viele lieber einen Bogen machen. Das bewirkt eine weitere „Entspeisung“ seines Selbstwertgefühls, das darunter leidet, weil die Erfolge ausbleiben. Weil er aufgrund seines geringen Selbstwertgefühls verunsichert ist, unterlaufen ihm auch häufiger Fehler und Missgeschicke. Mehr oder weniger absichtliche „Torpedos“ in die soziale Umgebung, die dann da und dort noch vorhandene soziale Netzwerke zerstören, bewirken eine Beschleunigung der Isolation. Diese Entwicklung führt ihn zu dem Schluss, sich immer wieder zu sagen, dass er nichts tauge, dass alle Bemühungen sinnlos seien, dass Ordnung zu halten auch nichts bringt und eine Planung der Zukunft völlig überflüssig ist. Der Tod könnte für einige tatsächlich eine Art „Erlösung“ darstellen. Vielleicht sind einige der Selbsttötungen oft eine Folge einer solchen Fehlentwicklung. Der „Znzg-Typ“ ist vielleicht häufiger anzutreffen, als viele denken. Er ist ein Ärgernis für alle, die unsere Welt, trotz der vielen echten Notlagen und Ungerechtigkeiten, doch noch nicht aufgegeben haben und wollen, dass sie nicht im Chaos versinkt. Schlimm ist es, wenn solche Typen es tatsächlich schaffen, in Führungspositionen zu gelangen, weil sie dann wie ein schleichendes Gift wirken und die Untergebenen sich entweder seinem Stil anpassen oder er sich noch unfähigere Mitarbeiter sucht, die es nicht wagen würden, ihn von seinem Thron zu stoßen. Hinweis zum Genderquatsch: Der „Znzg“-Typ ist selbstverständlich nicht nur männlich, sondern auch weiblich oder meinetwegen auch Divers. © beim Verfasser
von Günther Birkenstock 14. Februar 2026
Es ist mal wieder Faschingszeit Am 11.11. 11 Uhr 11 Es ist dann nicht einmal ganz 12 Versammeln sich die ersten Narren Die nicht mehr wollen länger warten Endlich wieder loszulegen Kurz noch wartend auf den Kirchensegen Um dann zu starten in die 5. Jahreszeit Wir wissen dann schon, es ist wieder so weit Es ist mal wieder Faschingszeit Die Kostüme von der letzten Session Warten in den Garderoben schon Doch mancher sieht dann ein – oh welch ein Schreck Ich hab doch zugelegt so manchen Speck Pass nicht mehr rein in die Narren-Jacke Oder die Bluse fängt an den Nähten schon an zu knacken Dann heißt es tüchtig erst einmal zu fasten Bevor die Kostüme aus den Nähten platzen Ja, ja, sagt da der Narr, ich bin bereit Denn es ist mal wieder Faschingszeit Ist man durch den Winter dann gekommen Und hat nicht wieder zugenommen Hat die Feiertage überstanden Und ist dann im neuen Jahr gelandet Dann kommt das Lampenfieber auf Jeder denkt: Bin ich auch gut drauf Was bring ich nur als Büttenredner Wem schieb ich zu, den schwarzen Peter Wen soll ich verschonen oder wen hau ich in die Pfanne rein Oder lasse ich es vielleicht alles lieber sein Ach, heißt´s dann, ich geb nicht auf Es ist nun einmal so Brauch Ich steige wieder in die Bütt Und feiere mit den anderen mit Lass einfach die Bedenken sein Denn es ist mal wieder Faschingszeit Nun will ich beginnen zu sinnieren Und will doch wagen einiges zu kritisieren Was an der 5. Jahreszeit find´ ich nicht gut Auch wenn man dazu braucht ein bisschen Mut Nicht mit dem breiten Strom zu schwimmen Hoff ich, dass mancher wagt mir zuzustimmen Dass nicht nur in der 5. Jahreszeit läuft so manches schief Und es Zeiten gab, wo´s einfach besser lief Das muss auch einmal erwähnt hier werden Dass viele könnten sich sehr beschweren Manchmal glaub ich, dass wir leben ständig in der Narrenzeit Und nicht nur wenn es ist mal wieder Faschingszeit Was viele anscheinend vergessen haben Ist dass die Fastenzeit beginnt nach diesen Tagen Die beginnt wenn der Aschermittwoch ist vorbei Und die Gläubigen fasten bis zur Osterzeit Naja wird dann so mancher sagen Ich will mich ja nicht groß beklagen Will die Fasterei lieber mal vertagen Und vielleicht doch erst meinen Doktor fragen Von der Fastenzeit wollen viele dann nichts mehr wissen Wollen weiterhin das gute Leben nur genießen Da sage ich: Wenn ihr Feiern könnt an diesen Tagen Wollt immer nur fressen und saufen ohne zu klagen Dann seit auch konsequent und haltet ein die Fastenzeit Nachdem dann war die Faschingszeit Die Faschingszeit ist auch da zu kritisieren, die Mächtigen einmal vorzuführen ihnen zu sagen, dass sie liegen doch oft daneben mit ihrer Politik – da sollten sie sich doch lieber schämen sich selber stopfen sich die Politiker die Taschen voll und holen es sich dann wieder vom gemeinen Volk Ermahnen das Volk, es sollte mehr arbeiten Anstatt zu protestieren und zu streiken Sollten schuften bis sie holt der Tod Erst dann verdienten sie den Lohn fürs Brot Statt bei sich selbst zu sparen und die Ausgaben zu kürzen Wollen sie mit noch mehr Steuern die Menschen in den Abgrund stürzen denken sich ständig neue Steuern aus um davon zu leben in Saus und Braus Es gibt siebenunddreißig Steuerarten Für Hunde, Bier, Sekt und andere Sparten Für allesmögliche langt der Fiskus hin Überall hat er seine Finger drin Nun sollen wir auch fürs Atmen noch bezahlen Wenn wir vergessen CO2 zu sparen Hört endlich auf, uns noch mehr auszupressen Liebe Politiker, wir werden das nicht vergessen Wenn wir demnächst vor der Urne stehen Werdet ihr es dann schon sehen Wem wir dann die Stimme geben Gewiss nicht denen, die uns noch mehr quälen Das sagen wir euch, in dieser Zeit Wenn es ist mal wieder Faschingszeit Wenn Politiker die Steuergelder leichtsinnig verzocken Und sich nicht mal schämen und bleiben auf ihren Posten hocken Wenn jedes Jahr werden Millionen Gelder verplempert Für Klimarettung, Waffen und unnütze teure Politikergehälter Wenn die Steuergeldverschwender bleiben unbelangt Aber bei den Diäten der Abgeordneten wird tüchtig hingelangt Wenn der Friseur des Kanzlers vom Steuerzahler wird bezahlt Und mit Schuldenmachen wird geprahlt Wenn es als Sondervermögen wird kaschiert Und damit gelogen wird ungeniert Dann geht etwas schief in unserem Land Das hat der Dümmste bereits erkannt Darum sollen die, die ehrliche Arbeit in unserem Lande leisten Verdienen doch am allermeisten Wer alte Leute jeden Tag hier pflegt Und sich um ihr Wohlergehen schert Wer sich Sorgen macht um andere und gibt ihnen neuen Mut Das finde ich so richtig gut Der hat verdient ein Spitzengehalt Das sage ich, dass es hier in diesem Saale schallt Und nicht nur in dieser Zeit Wenn dann ist mal wieder Faschingszeit Ich würde es einmal sehr begrüßen Wenn Politiker glauben uns den Jahreswechsel zu versüßen Mit salbungsvollen Reden uns zu umgarnen Und vor Verrohung der Sitten wollen uns noch warnen Dass diesen Politikern drehte man einfach den Ton mal ab Und legte einen anderen Text aufs Band Dass die Wahrheit würde ihnen in den Mund gelegt Obwohl sie nur die Lippen haben zu dem Text bewegt könnten sie dagegen nichts mehr machen Und wir könnten noch darüber lachen Das würde ich mir wünschen zumindest in der Zeit Wenn dann ist mal wieder Faschingszeit Die Autofahrer sind doch sehr geplagt Manchmal werden sie von Gewissensbissen schier benagt Was soll ich denn noch tanken Um Diesel, Super sich die Märchen ranken Mal ist der eine Kraftstoff nicht gut genug Dann sagt ein anderer das ist doch alles nur Unfug Man sollte lieber mit dem Elektroauto fahren Dann könnte man viel CO2 noch sparen Denn der Feinstaub verkürzt dir doch das Leben Ja sag ich, da muss ich erst mal einen heben Und mir schütten den ganzen Staub hinunter Mit einem kühlen Bier, das macht mich munter Und denke mir mein Teil zu meist Nicht nur wenn dann ist mal wieder Faschingszeit Die Weltverbesserer gehen mir auf den Keks Sie machen uns Vorschriften, bis nichts mehr andres geht Sie denken und sinnieren in ihren Stuben Wie kann ich denn melken die bösen Buben Wenn sie mal wieder über die Stränge schlagen Wo kann ich sie mit Bußgeldern dann bestrafen Oder anderweitig malträtieren Und dabei noch kräftig abkassieren Diese Wegelagerer sind mir ein Gräuel Sie sollt man jagen, bis sie fliehen vor Geheul Dass sie uns lassen endlich doch in Ruh Und geben doch vielleicht noch zu Dass sie das alles nur tun, nicht nur um uns zu erziehen Nein, sie wollen uns nur die letzten Kröten aus den Taschen ziehen Um sich dann ein schönes Leben damit zu machen Doch hoff ich, dass sie am Ende haben nichts zu lachen Wenn ihnen die Rechnung wird dann präsentiert Dass sie haben nur andere malträtiert Und dann sollen sie in den finstersten Höllen schmoren Wenn sie dann gestorben sind an einem grauen Morgen Das wünsche ich Ihnen zu dieser Zeit Wenn dann ist mal wieder Faschingszeit Man hört doch beinah schon jede Woche Dass das Klima ist schon fast am kochen Dass die Temperaturen steigen immer weiter in die Höh Oh weh, wenn ich an das Ende seh Auch wenn draußen liegt der Schnee sehr hoch Und wir frieren müssen im Gesicht und auch am Po Auch wenn Menschen mehr von Kälte als von Hitze sterben Müssen sich die Klimahysteriker darum nicht scheren Eine schwedische Schulschwänzerin geht durchs Land Greta Thunberg wird sie doch genannt Sie macht die Jugendlichen schier verrückt Mit Schildern „Fridays for Future“ wird dann ausgerückt Und die Erwachsenen werden stets beschimpft Als Umweltsünder werden sie dann verunglimpft Selbst die Oma, die einst war bei Enkeln eine sehr beliebte Frau Wurde nach einem Lied der Kinder des WDR zur Umweltsau Sie kleben sich an Straßen fest und versauen mit ihrem Geschmiere Manche Wände und wertvolle Gemälde Wenn dann der Rettungswagen bleibt im Stau dann stecken Denken die Klimakleber, sollen die Kranken doch verrecken Hauptsache, wir retten unser Klima Das finden wir toll und prima Sie klagen an, dass jungen Menschen wird geraubt ihre Zukunft Ich glaube das geht doch gegen jegliche Vernunft Diese Kids wollen doch noch ihre Smartphons haben Und sich am guten Essen weiter laben Lassen sich weiterhin von ihren Eltern herumkutschieren Und wollen mit ihnen in den Urlaub fliegen Wo bleibt denn hier die Konsequenz Ich glaub, den Protesten fehlt jegliche Essenz Es ist, da machen sie es doch den andern gleich Nur reine ungenierte Heuchelei So machen die Klimahysteriker uns Angst und bang Und dass schon fast ein paar Jahre lang Wir würden dann einmal absaufen Weil wir zu viel Öl verbrauchen Sollten in unseren Stuben lieber frieren Wer mehr Wärme will, der sollte sich genieren Wir sollten beim Auto sparen und nur zu Fuß noch gehen Wenn wir uns nicht ändern, würden wir schon sehen Dass bald das Ende der Menschheit kommt herbei Ach, sag ich dann, das ist mir einerlei Lasst doch endlich uns in Ruh Und hört uns doch einfach mal zu Ihr geht uns auf den Keks mit euerm Geschwafel Und diesem Weltuntergangsgebrabbel Lasst uns doch einfach mal in Ruhe leben Und uns freuen am schönen Leben Lasst die Weltuntergangsmalerei Und die Katastrophenmeldungen einfach sein Das sage ich euch in dieser Zeit Wenn dann ist mal wieder Faschingszeit Die Faschingszeit ist wohlbemerkt Eine Zeit, in der der Narr sich um nichts mehr schert Er glaubt, dass er über alle Maßen Einen Freischein hat zu wildem Spaßen Was dann geht auf anderer Leute Kosten Er treibt sich herum zu meist üblen Possen Wenn die Witze werden schmutzig Und die Narren finden das sehr putzig Wenn in Gesängen wird gelobt das Saufen Und dass man sollte sich in Bier ersaufen Wenn der Wein als edles Tröpfchen wird besungen Und wenn Lieder werden fromm gesungen Dass es in der Heimat ist doch am schönsten Und die eigene Stadt gehört wohl zu den besten Wenn Freizügigkeit im Liebesleben wird propagiert Und man zum Fremdgehen wird stets animiert Wenn man besingt, dass alle in den Himmel kommen Auch wenn wir uns haben schlecht benommen Wenn in Witzen auf die Schwiegermutter wird geschimpft Und auch der Mann als Trottel wird verunglimpft Dann kannst du wirklich sicher sein Es ist mal wieder Faschingszeit Ob in Mainz, Köln oder anderen rheinischen Regionen Sie sind die Hochburgen der kollektiven Regressionen Verfallen die Menschen In frühkindliche Absurditäten Mitsamt den hohen Tollitäten Ob Prinzen, Bauern oder Jungfrauen, das ist egal Schwenken sie die Arme und rufen helau oder alaaf Im Elferrat sitzen meist wohlgenährte ältere Herrn Die in den Saal „Wolle mer se eireinlosse“ hineinplärren Dann klingt zum Einzug der Narrhallamarsch Und der letzte erhebt sich von seinem Allerwertesten (Arsch) Sieh nur wie sie mit Stielaugen gucken auf die Bühne Wenn die Tanzmariechen geben sich dort große Mühe Unten in den vollgestopften Sälen Versuchen sich die letzten Gäste noch hindurchzuquälen Derweil fangen schon die ersten an zu Schunkeln Und die Augen sind bereits vom Alkohol am funkeln Dann steigt der erste Narr winkend in die Bütt Und meistens hat er einen Zettel mit Damit die Pointe richtig sitzt Wenn er macht den ersten Witz Denn Witze machen, das ist Pflicht Komisch ist´s, wenn einer lacht und der andere lacht mit Egal, auch wenn die Witze werden immer flacher Hauptsache man hat genügend Lacher Wenn die Faschingszeit wird ausgenutzt Und die anderen mit schlechten Witzen werden heruntergeputzt Wenn über denjenigen, vor dem man sonst hat viel Acht Wird nur gelästert und gelacht Wenn jeder glaubt, er könnt sich auf andere Leute Kosten amüsieren Und sich wegen seiner Rüpelhaftigkeit müsst nicht schämen Wenn er den Mächtigen redet nach dem Munde Und steckt mit ihnen in einem Bunde Um sich zu amüsieren mit Witzen über Schwache Und auf deren Kosten geht das Gelache Dann kann ich nur sagen, lasst´s lieber sein Mit eurer verlogenen Faschingsfeierei habt lieber mal Mut etwas zu riskieren Und wagt es auch sonst gegen die Mächtigen zu protestieren Dann dürft ihr euch auch amüsieren, wenn es ist mal wieder so weit Wenn dann ist mal wieder Faschingszeit Ich will nun nicht allen die Zeit vergällen An der viele Menschen finden doch Gefallen Doch sollte der kritische Blick uns zeigen Dass man Extreme sollte meiden Wenn der Frohsinn wird zum Diktat erhoben Dann kann ich das hier nicht mehr loben Dann gehe ich lieber in mein Kämmerlein Und schmunzle still in mich hinein Ich denke dann, es ist bald vorbei ihr Leut´ es war mal wieder Faschingszeit - Helau
von Günther Birkenstock 27. Januar 2026
Günther Birkenstock Markt 12 33142 Büren Der originäre Mensch Den originären Menschen treffen wir manchmal an, aber er wird recht selten sein, denn er ist ein „Sonderling“, einer, der aufgrund seiner Eigenschaften eher ein abgesondertes Leben spielen dürfte. Er ist in seiner Besonderheit deshalb hervorzuheben, weil er sich von dem Menschentyp des Alltags abhebt. Hier sind die aus meiner Sicht wichtigsten Aspekte: • Originär versus nachgemacht : Wer selbst sich etwas ausdenkt, formuliert, komponiert, dichtet, erfindet, malt, bastelt oder tüftelt, schafft etwas, was vorher noch nicht da war, etwas, was gewissermaßen eine Novität darstellt. Originär ist die ursprüngliche Form der Kreativität, die sich in einer für eine Person bezeichnenden Art in den selbst geschaffenen Werken ausdrückt . Die Ausdrucksformen können verschieden sein, aber es geht immer auf einen zurück, der die Idee das erste Mal ins Leben gerufen hat. Neben dem Aspekt der Ursprünglichkeit gibt es noch zwei weitere: Bei dem zweiten Aspekt geht es um die Eigenständigkeit , um die Autonomie des Schöpfungsaktes, also darum, dass bisher niemand anderes dieselbe Idee hatte. Beim dritten Aspekt, nämlich der Echtheit geht es um die Frage, ob bei dem Vergleich mit anderen Ideen und der damit verbundenen Werken die Unverwechselbarkeit Bestand hat, ob die Authentizität bestehen bleibt . Wie eigenständig sind Ideen und Werke? Inwieweit unterscheiden sie sich von den Imitaten? Bei wissenschaftlichen Arbeiten geht es zwar nicht nur darum „das Rad neu zu erfinden“, sondern aufbauend auf den bisher entwickelten Theorien ein über dieses Niveau hinaus ragendes Neues zu entdecken. Der Nachahmer prahlt gerne mit vielen Zitaten aus Werken anderer Wissenschaftler, ohne dass er dabei etwas Neues erfindet, wobei gerade bei Promotionsarbeiten die Gefahr bergen, dass der „geistige Diebstahl“ nicht ausreichend genug kenntlich gemacht wird. Plagiate sind lediglich der Versuch, etwas als etwas Originäres darzustellen, was aber bei näherer Prüfung keinen Bestand hat. Auch in der Musik gibt es eine solche Gefahr, wenn etwa Melodien nur von anderen reproduziert werden, ohne dass hierbei auf die Wiederholung der Notenfolge geachtet wird. Allgemein gibt es Anhaltspunkte dafür, dass eine Melodie „geklaut“ sein kann, wenn eine Aufeinanderfolge von 7 identischen Noten vorliegt. • Originär versus ordinär : Die nächste Abstufung zum „Gewöhnlichen“ finden wir vor, wenn das Nachgemachte und Unechte auch noch in der Qualität im Vergleich zum Original nicht diesem standhalten kann. Wir sprechen vom ordinären Menschen in abschätziger Form, wenn dieser auch noch in seiner gesamten Ausdrucksform der Situation unangepasst und der Angelegenheit, um die es geht, nicht gerecht werden kann. Im juristischen Sinne wird ein Verhalten dann als ordinär bezeichnet, wenn es keine rechtlichen Konsequenzen hat, also wenn das Verhalten keine Rechtsnormen verletzt . Im weitesten Sinne wäre dann ein ordinäres Verhalten irrelevant, unerheblich hinsichtlich seiner Bedeutung. Der originäre Mensch hingegen wird sich nicht nur hinsichtlich der Qualität des Ausgedrückten, des Hergestellten, des Dargebotenen von ordinären Menschen unterscheiden, sondern auch in seiner gesamten Haltung, seiner inneren Gesinnung. Sein Verhalten hat Relevanz hinsichtlich seiner Wegweisung für andere, seiner Bedeutung im Hinblick auf Nützlichkeit und Verwertbarkeit. Eine Erfindung, ein guter (origineller) Witz, eine schöne Melodie, eine philosophische Abhandlung, ein Kunstwerk oder ein Lösungsvorschlag für einen Konflikt, sie alle schaffen eine über die eigene Person hinausragende Bedeutung. • Originalität hat Seltenheitswert : Alles war irgendwann schon mal da: Das Rad – es braucht nicht neu erfunden werden. Vieles, was uns als originell erscheint, ist eigentlich ein Imitat, eine aus anderen Ideen abgeleitete Form des schon einmal Dagewesenen. Deshalb sind wirkliche originelle Werke höchst selten. Die meisten Werke, Erfindungen oder Ideen stammen im Grunde aus dem weiten Fundus eines kollektiven Wissens, das sich im Laufe der Zeit gebildet hat. Manchmal bedarf es einer Neuschöpfung aufgrund neuer gesellschaftlicher Entwicklungen, neuer Problemlagen, neuer Herausforderungen. Dann erst zeigt sich, ob jemand eine Person ist, die allgemein als Genie bezeichnet werden kann. Das Genie schafft „aus dem Nichts“ etwas Neues und kreiert eine Besonderheit, eine Novität, die eine Lösung für Probleme darstellt, die eine Weichenstellung für zukünftige Entwicklungen bringt. Diese Einzigartigkeit ist das entscheidende Kriterium für die Originalität. • Mangel an Originalität : Der Mangel an Originalität ist überall zu beobachten. Besonders dort, wo man sie am häufigsten benötigt wird, ist sie Mangelware. Das liegt wohl entscheidend daran, dass der originäre Mensch nicht gleichzeitig auch der durchsetzungsfähige Mensch ist. Letzterer dominiert in den Führungsetagen der Wirtschaftsunternehmungen und in der Politik. Unser Auslesesystem fördert leider nicht die Originalität, sondern eher das Gegenteil. Das Gewöhnliche ist leider oft das Mehrheitsfähige, das von allen auch befürwortet wird. Originäre Menschen stoßen mit ihren „sonderbaren“ Ideen andere vor den Kopf, verursachen zunächst mal Verwirrung und letztendlich Widerstand. Ihnen fehlt es oft dann auch Durchsetzungskraft. Deshalb werden Erfinder mit originellen Ideen zeitlebens ausgelacht und sogar bekämpft, weil sie die Ordnung stören, weil sie auch denjenigen scheinbar schaden, die lieber den bequemen Weg des Gewöhnlichen gehen wollen. Kopernikus gilt als Begründer des heliozentrischen Weltbildes, wonach die Sonne und nicht die Erde im Mittelpunkt steht, wurde aber zeitlebens von der etablierten Wissenschaft und der Kirche bekämpft . Nikola Tesla war ein Erfinder im Bereich der Elektrotechnik, des Wechselstroms und der kabellosen Übertragung von Energie war den etablierten Wissenschaftlern nicht genehm . Überall, wo Menschen bisherige Denkgewohnheiten infrage stellten, wo sie mit neuen Ideen versuchen, alte Strukturen von religiösen, philosophischen oder politischen Überzeugungen aufzubrechen, stoßen sie auf Widerstand. Platon hatte bereits vor Jahrhunderten mit seinem Höhlengleichnis den „Nagel auf den Kopf“ getroffen: Menschen neigen dazu, in festgefahrenen Vorstellungen von der Wirklichkeit zu verharren und bekämpfen die Abweichler oft mit unbarmherziger Härte. Heute werden die Wahrheitsverkünder nicht wie in dem genannten Höhlengleichnis, gleich umgebracht, aber oftmals sozial isoliert oder wirtschaftlich ruiniert. • Warum hat es der originäre Mensch so schwer? Die Menschen sollten doch eigentlich froh sein, dass es unter ihnen doch noch Personen gibt, die „über den Tellerrand hinaussehen“ und versuchen, neue Sichtweisen zu präsentieren, um das Weltbild zu erweitern oder Lösungen für Probleme zu präsentieren. Warum haben es aber originäre Menschen so schwer? o Angst vor Veränderung: Allgemein haben Menschen Angst vor Veränderung. Sie befürchten, dass sie aus ihren eingefahrenen Gewohnheiten herausgerissen werden, dass ihnen vorgehalten wird, bisher mit ihren Ansichten falsch gelegen zu haben. Jeder denkt von sich selbst doch, dass er alles bisher richtig gemacht hat, dass seine Vorstellungen von der Welt wahrhaftig sind oder zumindest der Wahrheit sehr nahe liegen. Wenn nun jemand behauptet, dass er mit seinem Annahmen falsch liegt, wird damit das Fundament des eigenen Glaubens angegriffen. Dieser Angriff wird dann als Bedrohung empfunden und dann nicht nur die vorgetragenen Ansichten, sondern auch sein Bote bekämpft. o Wirtschaftliche Interessen : Vielfach geht es auch schlicht ums Geld. Wenn jemand eine neue Erfindung macht, dann besteht die Gefahr, dass die alten Erfindungen obsolet werden. An diesen hängen aber oft wirtschaftliche Interessen, auf denen die darauf entwickelten Techniken beruhen. Wer politische Ideen neu formuliert, stößt auf erheblichen Widerstand, weil damit oftmals wirtschaftliche Privilegien infrage gestellt werden. So hatte z. B. Gerhard Schröder mit seiner „Agenda 2010“ etablierte soziale Versorgungssysteme infrage gestellt, was zu erheblichem Widerstand führte . o Machtstrukturen : Diejenigen, die an der Macht sind, haben oftmals kein Interesse an originellen Ideen, weil diese auch ihre Vorrangstellung infrage stellen können. Mit der erreichten Macht in einem politischen System sind Privilegien verbunden, die nicht gerne aufgegeben werden. Deshalb reagieren die Machthaber mit Widerstand und verteidigen ihre Positionen. Die „Etablierten“ kämpfen dann gegen die „Erneuerer“ und damit entsteht oft eine nicht überwindbare Barriere gegen notwendige Reformen. Die „Altparteien“ (alle Parteien außer AfD) kämpfen deshalb oft gegen die AfD, weil sie befürchten, dass ihr Einfluss in vielen Bereichen der Gesellschaft schwindet. Mitglieder dieser Parteien fürchten um ihre Abgeordneten-Mandate und beteiligen sich gerne an dem „Kampf gegen rechts“. Auch Medien beteiligen sich daran, weil sie befürchten, dass auch ihr Einfluss schwindet und damit ihre Absatzmärkte. o Moralischer Verfall : Die Moralität einer Gesellschaft misst sich an ihrem Umgang mit Minderheiten und Andersdenkenden. Nun sind nicht alle Mitlieder dieser Gruppierungen Originelle, aber unter ihnen wird man ehre solche finden als in der etablierten Gesellschaft. Die moralische Hürde, Andersdenke auszugrenzen, ist dann besonders hoch, wenn die Bekämpfung mit eigenen Risiken verbunden ist. Je totalitärer eine Gesellschaft aufgebaut ist, desto geringer ist das Risiko der Diskriminierung. Mehr noch: Die Belohnungssysteme (sozialer Aufstieg, ökonomische Sicherheit) begünstigen noch diesen Prozess des „Niedermachens“ originärer Menschen, die sich dem System nicht anpassen wollen. Dies war in „Corona-Zeiten“ gut zu bemerken, als „Querdenker“, die nicht mitmachen wollten, gnadenlos verfolgt wurden. o Bequemlichkeit der Masse : Die „breite Masse“ hat am liebsten nichts mit den originellen Menschen nichts zu tun, denn diese stören ihre Komfortzone, in der sie sich eingerichtet haben. Viele haben sich „arrangiert“ mit dem gesellschaftlichen System, in dem sie schweigen zu Ungerechtigkeiten gegenüber Andersdenkenden und lieber mitmachen, als selbst in das Fadenkreuz der Funktionäre des etablierten Systems zu geraten. Der Mitläufer ist der wahre Feind des originären Menschen, weil er als Mitglied der angepassten Mehrheit mit seiner Feigheit die Ungerechtigkeiten begünstigt. Der originäre Mensch ist der eigentliche Mensch und nicht der gleichsam roboterhafte, marionettenhafte „Systemling“. Er zeigt uns auf, was es heißt, wahrer Mensch zu sein. Er ist auch damit Gott am nächsten, weil Gott als das Original schlechthin bezeichnet werden kann. Gott müsste eigentlich diejenigen am meisten schätzen, die es wagen, ihm dadurch nahe zu kommen, dass sie sich gegen die Versuchung der Gleichmacherei stellen, die es wagen, neue Wege zu gehen, die beschwerlicher sind als die ausgetretenen Pfade derjenigen, die den bequemen Weg wählen. Jesus hat bereits eindeutig darauf hingewiesen, dass die breite Straße ins Verderben führt (Matthäus 7, 13 ) und der tugendhafte Weg ein beschwerliches Leben bringt, weil es heißt, sich gegen die Lügen der Welt zu stellen. Der originäre Mensch ist somit Gott am nächsten, weil er aus seiner inneren Wahrheit heraus handelt und sich nicht um die Meinung der Mehrheit der Masse schert, die ihn einkerkern will. © beim Verfasser
von Günther Birkenstock 18. August 2025
Wird es in Deutschland eine Wende zum Besseren geben? Deutschland steht am Scheideweg, wobei sich die Frage stellt, ob es möglich ist, eine Änderung der gegenwärtigen Situation hinzubekommen, sodass eine Neuausrichtung ermöglicht wird. Dogmatische Zementierung: Wir erleben in Deutschland eine Art Zementierung, eine anscheinend nicht auflösbare oder zumindest kaum veränderbare politische und gesellschaftliche Landschaft, bei der die Fronten verhärtet erscheinen und jedem Versuch eines Wandels mit vehementer Abwehr begegnet wird. Woran liegt das? · Politische Kaste – alle gegen eine: Die Politiker, die in Deutschland dominieren, lassen keinen Zweifel daran, dass sie jede Öffnung der „Altparteien“ (Alle Parteien ohne AfD) gegenüber der AfD nicht zulassen wollen. Es geht ihnen nicht um Deutschland, um die Rettung der Demokratie, sondern um Machterhalt. Der Machterhalt dient der Sicherung der eigenen Pfründe, der Vorrechte auf die begehrten Positionen im Regierungsapparat und den untergeordneten administrativen Strukturen. Diese Vorrechte dienen der Sicherung der eigenen Existenz und der Befugnisse, das Schicksal von Millionen von Menschen bestimmen zu können. Bundeskanzler Merz hat, trotz anderslautender Beteuerungen vor der Wahl, nicht die verheißende Wende geschafft, sondern bleibt dem linksgrünen Gedankengut treu und versäumt eine wirkliches Aufräumen mit der Vorstellung, dass der Staat alles richten soll, dass er durch sein fiskalisches Gebaren Milliarden von Steuergeldern einnimmt, um sie dann wie ein Weihnachtsmann an diejenigen zu verteilen, die dem Staat treu dienen, die genau das tun, was er von ihnen verlangt. Nicht der mündige Bürger, der in Eigenverantwortung sein Leben gestaltet, ist das Leitbild, sondern der brave Biedermann, das dumme Schaf, das den Leithammeln folgt, ohne darüber nachzudenken, ob diese Nachfolge auch sinnvoll ist. Jeder Versuch der Kritik an diesem Politikstil wird vehement unterdrückt. Jeder Abweichler wird gnadenlos verfolgt durch willfährige staatliche Organe, die sich als Verteidiger der mächtigen Parteifunktionäre und Regierungsmitglieder erweisen, statt sich als neutrale Wächter der Rechtsordnung zu zeigen. Die Verfassungsschutzämter, die die Verfassung schützen sollen, erweisen sich zunehmend als Bespitzelungs- und Diffamierungsorgane, die jeden verfolgen, der nicht der herrschenden Klasse von Politikern gehorchen will. Insbesondere die AfD wird unter Generalverdacht gestellt und sowohl das Bundesverfassungsschutzamt als auch die Landesverfassungsschutzämter, wie z. B. das von Brandenburg [1] , sehen sich eher dem Gehorsam gegenüber den übergeordneten Ministerien verpflichtet, als sich um ihre eigentliche Aufgabe zu kümmern, nämlich die „freiheitlich-demokratische Grundordnung“ vor inneren oder äußeren Feinden zu schützen. Die Einstufung der AfD als „Verdachtsfall“ oder als „gesichert rechtsextrem“ sind Feststellungen, die weitgehend durch die bestehenden klischeehaften Vorurteile gegenüber dieser Partei diktiert werden. Die AfD und ihrer Mitglieder sowie Anhänger werden gewissermaßen als „Vogelfreie“ erklärt, auf die jeder herumhacken kann, ohne befürchten zu müssen, hierfür belangt zu werden [2] . Diejenigen der Altparteien, die als Protagonisten dieser Strategie agieren, tun dies zwar offiziell, um „unsere Demokratie“ zu schützen, insgeheim geht es ihnen aber dabei darum, ihre eigenen Vorteile zu sichern, um durch Ausgrenzung, Diffamierung und Dämonisierung einen politischen Gegner zu zerstören. Im Bundestag werden die Parlamentarier dieser Partei durch Geschäftsordnungsmaßnahmen an der ordentlichen Ausübung ihrer Tätigkeit gehindert. Deshalb sah sich die AfD gezwungen, sich mit einer Klage an das Bundesverfassungsgericht zu wenden, weil der Ältestenrat des Bundestages ihr nicht gemäß der Erfordernis aufgrund der gewachsenen Mitgliederzahl der Fraktion den größeren Saal zuweisen wollte, den die SPD trotz kleiner gewordenen Fraktionsgröße nicht bereit war aufzugeben [3] . Die gängige Praxis, der AfD auch eine Vizepräsidentschaft für den Bundestag nicht zuzubilligen oder aufgrund des Abstimmungsverhaltens der „Altparteien“ zu verhindern, dass sie den Vorsitz für einen der Ausschüsse erhält, entspricht dem gängigen Muster des Verhaltens der „demokratischen Parteien“ des Bundestages. Klagen der AfD hierzu wurden vom Bundesverfassungsgericht abgelehnt [4] . Die Strategie der linken Parteien (SPD, Grüne, Linke), durch die Besetzung eines Richteramtes beim Bundesverfassungsgericht mit Frau Prof. Dr. Brosius-Gersdorf, die sich für ein Verbot der AfD ausgesprochen hat [5] , einen geschickten Coup zu landen, ist vorläufig gescheitert, weil diese ihre Kandidatur zurückgezogen hat [6] . Die Ausgrenzung der AfD und auch der Wähler führt zu einer „Einbetonierung“ und Abschottung durch Politiker und Mainstreammedien, die sich in der Verurteilung der Partei und ihrer Anhänger einig sind. Wer sich also zur AfD bekennt (da ist die Meinungsfreiheit gegeben), muss eben mit Nachteilen im Beruf und privaten Leben rechnen. · Ausgrenzung anders denkender Menschen durch Strafverfolgung: Die Ausgrenzung anders denkender Menschen, wenn sie sich kritisch gegen die Regierungsmeinung stellten, begann mit der Ära Merkel und wurde nahtlos unter Scholz fortgesetzt. Sie findet auch unter der Führung von Kanzler Merz weiterhin statt. Wer es wagt, Politiker zu kritisieren, begibt sich in die Gefahr ausgegrenzt zu werden, diffamiert und mit den „rechtsstaatlichen Mitteln“ der Exekutive (Hausdurchsuchungen, Strafbefehle) mundtot gemacht zu werden. Der in der Ära Merkel im Jahr 2021 (während der Corona-Krise!) 2021 [7] geänderte „Gummipargraph“ 188 StGB [8] (Gegen Personen des öffentlichen Lebens gerichtete Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung) dient hierzu als wirksames Mittel, selbst harmlose Bürger zu belangen [9] . Dass diese Änderung mit den Verschärfungen gerade in der Zeit wirksam wurde, als sich die Kritik an den Corona-Maßnahmen häuften, dürfte nicht verwundern. Ein obrigkeitsorientierter Staat wendet sich damit gegen die eigenen Bürger. Er wird dann zu einem totalitären Staat, wenn die Gewaltenteilung ausgehebelt wird. Dies konnte in der Zeit der Corona-Krise beobachtet werden, weil die Justiz Hand in Hand mit der Exekutive die Corona-Maßnahmen „absegnete“ und die Parlamentarier die in dieser Zeit getroffenen Verschärfungen im Infektionsschutzgesetz aufgrund des „Fraktionszwanges“ mitgetragen haben. Der einzelne Bürger wird zur Zielscheibe der Strafverfolgungsbehörden, wenn er es wagt, sich gegen diesen Obrigkeitsstaat zur Wehr zu setzen. Ein eklatanter Fall der Strafverfolgung ist der von Michael Ballweg, der für 9 Monate in Untersuchungshaft blieb und wegen angeblichem Betrug und unterstellter Steuerhinterziehung angeklagt, aber von dem Straftatbestand des Betruges frei gesprochen wurde und nur eine Verurteilung wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 20 EUR (!) kassiert hatte [10] . Michael Ballweg, das Symbol für den Widerstand gegen die Corona-Politik und Gründer der „Querdenken“-Bewegung, wurde 9 Monate inhaftiert, weil er es gewagt hatte, gegen die obrigkeitsstaatlichen Maßnahmen zu protestieren. Er ist einer von vielen, die auf ähnliche Weise abgestraft wurden. · Ukraine-Krieg – einseitige Positionierung: Die dogmatische Ausrichtung in der Beurteilung des Krieges in der Ukraine ist geprägt durch die einseitige Berichterstattung der öffentlichen Medien (ÖRR, Regierungssprecher) und der Leitmedien, die dazu führt, Putin allein für den Krieg verantwortlich zu machen. Regelmäßig wird die Vorgeschichte des Krieges weggelassen, wonach die NATO-Osterweiterung und die Unterdrückung der russischen Bevölkerung in den östlichen Landesteilen mit zu diesem Krieg geführt haben. Hierdurch entstand der Eindruck, dass Putin allein aus imperialistischen Gründen (Erweiterung des Territorium Russlands) 2022 in die Ukraine eingefallen ist. Wer etwas anderes behauptet, wie z. B. Patrick Baab, der vor Ort war und den Krieg hautnah miterlebt hat (Buch: Auf beiden Seiten der Front: Meine Reisen in die Ukraine [11] ) oder Gabriele Krone-Schmalz (Buch: Russland verstehen? Der Kampf um die Ukraine und die Arroganz des Westens [12] ), wird von den Medien ausgeschlossen, die regierungstreu berichten. Es müssen die Fragen doch erlaubt sein: Ist es im deutschen Interesse, die Ukraine einseitig durch Waffenlieferungen mit öffentlichen Geldern der Steuerzahler zu unterstützen, ohne sich vorher die Zustimmung des Volkes einzuholen? Ist es vertretbar, dass Deutschlands Beziehungen zu Russland und damit auch die Handelsbeziehungen mit der Möglichkeit des Bezugs von wichtigen Rohstoffen (Gas, Öl) durch die einseitige Parteinahme leiden? Ist es legitim die wirtschaftlichen Beziehungen durch politische Vorgaben so einseitig zu gestalten, dass dadurch die energieintensiven Wirtschaftsbetriebe leiden? Warum fliehen so viele Ukrainer nach Russland, obwohl dieses Land der ausgemachte Gegner ist? Warum sehen die westlichen Staaten tatenlos zu, wenn Männer in der Ukraine „zwangsrekrutiert“ werden, um dann in einem sinnlosen Krieg zu sterben oder verwundet zu werden? [13] Warum wäre die Kapitulation der Ukraine tatsächlich von vornherein so ausgeschlossen? Warum geht Deutschland überhaupt dieser Krieg etwas an, obwohl die Ukraine kein EU-Land oder Mitglied der NATO ist? Es hat hier eine starke Polarisierung stattgefunden: Diejenigen, die die Maßnahmen der Regierung unterstützen, werden von der Mainstream-Presse hofiert, die es wagen, sie zu kritisieren, kommen nur in den alternativen Medien vor. · Migrationskrise – nicht anrühren : Die durch die Einwanderung ausgelösten Probleme dürfen nicht angerührt werden, so lautet die Regierungsdoktrin. Wer es wagt, diese zu thematisieren, gilt gleich als ausländerfeindlich, will alle Ausländer aus Deutschland vertreiben, gilt als „Rechtspopulist“ oder gar als „Nazi“. Die Migration wurde mal von Horst Seehofer als „Mutter aller Probleme“ [14] genannt, aber inzwischen gilt sie gemäß dem linksgrünen Meinungsdiktat als nicht-verhandelbar. Der Einsatz von Politikern, aber auch der „Asylindustrie“ [15] , für den Erhalt der unbegrenzten Einwanderung dient nicht der einheimischen Bevölkerung. Die finanziellen Belastungen [16] werden totgeschwiegen und die zunehmende kriminelle Belastung kleingeredet. SPD, Grüne und Linke gelten als die Fürsprecher der bisherigen Politik „der offenen Grenzen“, die Unionsparteien halten halbherzig dagegen. Hinzu kommt, dass eine Reihe von „Gutmenschen“ immer noch meinen, dass die Migration nur oder hauptsächlich eine kulturelle Bereicherung darstellt. Diejenigen, die mit den Folgen dieser Politik konfrontiert werden, bleiben auf sich allein gestellt und werden von Vertretern der Behörden, die sich mit der Aufnahme und Integration zu beschäftigen haben, als ausländerfeindlich diskreditiert. Sogar die Kirchen gewähren immer noch ein rechtlich umstrittenes Kirchenasyl, was an Heuchelei kaum noch zu überbieten ist, da die negativen Folgen für das Zusammenleben und die Folgekosten dieser Maßnahmen der Allgemeinheit aufgebürdet werden. Der Einsatz für die Asylanten, die kein Bleiberecht in Deutschland haben und deshalb abgeschoben werden sollen, ist eigentlich nicht rechtmäßig, denn die Verhinderung einer Abschiebung kann nach § 257 StGB (Begünstigung) strafbar sein [17] . Es sind auch noch andere Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten denkbar, die von Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte bis zu Landfriedensbruch reichen [18] . Die Migration als Problem führt zu einer Spaltung in Befürworter und Gegner, die zumeist so ausgefochten wird, dass die regierungsnahen Vertreter zumindest in den öffentlich-rechtlichen Medien dominieren. · Klimawandel – heilige Kuh nicht schlachten : Der Klimawandel und die Unterordnung unter dem Diktat, dass alles getan werden muss, um ihn zu stoppen, gilt bei den Altparteien als gesetzt. Die CDU ist auch auf dem „grünen Trip“ angekommen und behält ihn bei. Vor allem in den Ländern NRW, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg, wo es Koalitionen mit den Grünen gibt, wird an dem eingeschlagenen Kurs festgehalten. Die Ideologie, dass Deutschland das Weltklima retten könne, führt dazu, dass Gelder für Klimaprojekte ins Ausland transferiert werden, die dann in Deutschland fehlen. Im Jahr 2024 wurden hierfür 11,8 Mrd. EUR ausgegeben [19] . Berühmt-berüchtigt wurde die Finanzierung von Radwegen in Peru, die auch Kritik daran ausgelöst hat [20] . Tatsache ist, dass der Anteil Deutschlands an dem Ausstoß von dem angeblich schädlichen Kohlendioxid mit nur 2 % des weltweiten Verbrauchs verschwindend gering ist [21] , sodass es lächerlich klingt, noch einmal zusätzliche Anstrengungen zu unternehmen, um den Ausstoß angeblich klimaschädlicher Gase zu verringern, zumal fernab der allgemeinen Panikmache – der Ausstoß steige ständig – tatsächlich die Emissionen seit Jahren rückläufig sind (seit 1990 um 48,2 %) [22] . Der Prokopf-Verbrauch von Kohlendioxid lag in Deutschland im Jahr 2023 bei 7,16 Tonnen, sodass Deutschland im internationalen Vergleich an 13. Stelle steht, wobei es weit hinter den Hauptverbrauchern wie Katar (42,6 Tonnen), Saudi-Arabien (19,98 Tonnen) oder USA (14,45 Tonnen) zurückfällt [23] . Dabei wird geflissentlich die Frage gar nicht mehr gestellt, ob – wenn die CO2-Hypothese stimmen sollte – denn eine globale Erwärmung Vorteile hätte. Schon jetzt kann man sehen, das die Begrünung der Erde zugenommen hat (Global Greening), was dazu führt, dass in Landstrichen (Kälteregionen), wo bisher vielleicht kein oder nur wenig Ackerbau betrieben werden kann, dann ein Anbau möglich ist. Die positiven Aspekte müssen selbstverständlich – gemäß dem Denkdiktat, dass der Klimawandel schädlich ist - sofort klein geredet werden [24] . Ein weiterer Aspekt, der sich positiv auswirken kann, wäre die Reduzierung der Kosten zur Beheizung der Gebäude, in denen Menschen leben, denn je mehr die Außentemperaturen steigen, desto weniger muss künstlich Wärme hinzugefügt werden. Außerdem werden Schäden, die durch Extremfrost entstehen können, verringert. Wasserleitungen frieren weniger ein, Gebäude erleiden weniger Schäden durch Eisschäden (eindringendes Wasser, das in Ritzen eindringt, dann gefriert und durch die Anomalie des Wassers - Eis nimmt mehr Volumen ein als Flüssigkeit – zu Spannungen führt) und auf den Straßen entstehen weniger Glätteunfälle. Ein weiterer positiver Aspekt betrifft die Schifffahrt, denn durch längere eisfreie Zeiten könnten sowohl die Ost-Westpassage (um Kanada herum Richtung Russland) und die West-Ost-Passage (um Russland herum von Europa aus gesehen) durch Reduktion des Arktis-Meereises länger genutzt werden. Aber die positiven Aspekte werden gar nicht erörtert und dem Mainstream gefolgt, dass der Klimawandel immer schädlich ist, obwohl erdgeschichtlich gesehen die Warmzeiten (römisches Optimum und mittelalterliche Warmzeit [25] ) für die Menschheit zu Blütezeiten geführt haben, während Eiszeiten (z. B. „kleine Eiszeit“ von 17.-19. Jahrhundert) eher schädlich waren. Stützen des Systems : Wer sind diejenigen, die das gegenwärtige System stützen? · Angepasste Mitläufer : Sie gehören zu dem „Systemlern“ [26] , also jenen, die für und von dem System leben. Das gegenwärtig dominierende links-grüne System wird von Journalisten, Vertretern der Kirchen, insbesondere der evangelischen Kirche, den Gewerkschaften, den „NGO´s [27] “, den christlichen Hilfsorganisationen (Diakonie, Caritas) und Gewerkschaften gestützt. Gerade der Öffentlich-rechtliche Rundfunk (ÖRR) gilt als populärer Vertreter, weil er weitgehend in der Einflussnahme der „Altparteien“ steht und deshalb parteiliche Einflussnahme ausübt. Die Mehrheit der dort beschäftigten Journalisten, Moderatoren und Berichterstattern gehören zum links-grünen Meinungsspektrum. Die „Gutmenschen“, die sich regelmäßig für Flüchtlinge einsetzen und gegen die AfD demonstrieren, gehören ebenso zu diesen „Systemlern“. Auch die Kirchenvertreter (Funktionäre, Laien), insbesondere diejenigen, die hierbei reibungslos dem Mainstream folgen, gehören zu den Mitläufern. Die Parteifunktionäre, die Parteisoldaten, die sich erhoffen, irgendwann den Sprung ins Parlament durch angepasstes Mitmachen zu schaffen, tun ihr Übriges, um das System am Laufen zu halten, wobei fast jedes Mittel recht zu sein scheint [28] . Hinzu kommen so genannte „Prominente“ (z. B. Grönemeyer, Uschi Glas, Kerkeling) des Show-Geschäftes, die sich dem links-grünen Mainstream anpassen, um weiter Engagements zu erhalten [29] . · Kollaborateure : Im Krieg gab es diejenigen, die sich mit dem aggressiven Feind verbündet hatten, um sich dadurch vor Verfolgung zu schützen. Ähnlich ist es auch im zivilen Leben. Es gibt die Zusammenarbeit, die über das angepasste Mitlaufen hinausreicht. Es wird regelrecht zugearbeitet von Seiten der Kollaborateure, die sich davon Vorteile versprechen. Die Nähe zwischen Politikern und Journalisten beim ÖRR spricht für eine solche Kooperation, die sogar in private Sphären hineinreicht wie das bei der Beziehung zwischen Julia Klöckner (Präsidentin des Bundestages) und Jörg Pilawa (TV-Moderator) der Fall ist [30] . Ist dagegen etwas einzuwenden? Ja, da hier sich private und öffentliche Interessen verwischen, denn wer zu einem Politiker gute, freundschaftliche oder sogar Liebesbeziehungen unterhält, wird sich scheuen kritisch zu berichten, da er ansonsten eine reibungslose Karriere beim ÖRR aufs Spiel setzt? Der gute Journalist macht sich eben mit niemand gemein, sondern behält einen kritischen Abstand, wie dies bereits die TV-Legende Hanns Joachim Friedrichs (1927 – 1995) gesagt hatte [31] . Der Wechsel vom Journalistenberuf in ein Regierungsamt verläuft beim angepassten Kollaborateur „reibungslos“ [32] . · Denunzianten : Die Mitglieder dieser Spezies sind deshalb „erfolgreich“, weil sie sich durch den Verrat des Mitbürgers an die Obrigkeit bei dieser beliebt machen und mit Vorteilen im beruflichen und privaten Bereich rechnen können. Inzwischen widmen sich „NGO´s“ dieser Aufgabe, die vom Staat hierfür auch finanziell belohnt werden. Die Denunzianten gab es zwar schon immer, aber aktuell scheinen sie sich wie Fliegen zu vermehren [33] . Wer nicht mitspielen will, wird „verpfiffen“, das ist ihr Lebensmotto. · Naive „Mustermanns“ : Sie sind diejenigen, die sich dem jeweils herrschenden System anpassen, um am proklarieren zu können: Ich habe immer den Herrschenden gedient, nun will ich meine Belohnung haben. Werden sie belohnt? Herr oder Frau Mustermann führen ein „mustergültiges“ Leben, das ohne „Reibereien“ verläuft [34] . Sie halten alles für wahr, was ihnen von staatlichen oder halbstaatlichen Medien verkündet wird und bleiben dabei in einer naiven Grundhaltung, dass ihnen dabei nichts vorgemacht wird und sie auch nicht manipuliert werden. Scherzhaft könnte man sagen: Bevor sie zu einer Revolution gingen, würden sie vorher beim Ordnungsamt der Kommune um Erlaubnis bitten. · Schweigende „Masse“ : Wer in einer der vorgenannten Kategorien nicht hineinpasst, gehört zu denjenigen, die sich schon längst von der Vorstellung getrennt haben, dass sie etwas ändern können. Sie schweigen, wenn sie gefragt werden, halten sich aus allem heraus, wenn Konflikte auftreten und haben sich ins „Private“ zurückgezogen. Fazit : Die „dogmatische Zementierung“ führt zu einer Stabilität, die von denjenigen unterstützt wird, die von dem gegenwärtigen System genährt werden und denen sie deshalb dienen. Wird sich etwas in Deutschland zum Besseren wenden? Wohl kaum, die Fronten sind zu sehr verhärtet. Die Profiteure der gegenwärtigen Politik sind in der Überzahl und in den Machtpositionen von Regierung, Parteien, den Verwaltungen und der Justiz zu stark vertreten. Ich habe mich inzwischen damit abgefunden zu glauben, dass ich die Welt verbessern kann [35] . Ich halte es mit Jesus Christus, der die Welt überwunden und sie aufgrund ihrer Vergänglichkeit nicht für die finale Welt gehalten hat, die nicht unsere eigentliche Heimat ist. © beim Verfasser [1] https://mik.brandenburg.de/mik/de/service/presse/pressemitteilungen/detail-pm-und-meldungen/~14-08-2025-einstufungsvernerk-lv-afd [2] https://www.guentherbirkenstock.de/afd-bashing [3] https://afdbundestag.de/afd-fraktion-klagt-vor-bundesverfassungsgericht-gegen-zuteilung-des-fraktionssitzungssaals/ [4] https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/bundesverfassungsgericht-urteil-afd-ausschuss-vorsitz-bundestag-100.html [5] https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/brosius-gersdorf-verfassungsgericht-100.html [6] https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/brosius-gersdorf-rueckzug-102.html [7] https://www.buzer.de/gesetz/6165/al144303-0.htm [8] https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__188.html [9] Eine Rentnerin wurde 2024 zu einer Geldstrafe von 7.950 EUR verurteilt, weil sie in einem Facebook Eintrag geschrieben hatte: „Wir brauchen Fachkräfte und keine Asylanten, die sich hier nur ein schönes Leben machen wollen, ohne unsere Werte und Kultur zu respektieren. Schickt die, die hier sind, mal zum Arbeiten. Wir sind nicht auf Faulenzer und Schmarotzer angewiesen und schon gar nicht auf Messerkünstler und Vergewaltiger“. https://apollo-news.net/rentnerin-zu-7-950-euro-strafe-verurteilt-staatsanwalt-forderte-strafverschrfung-wegen-massiver-politikkritik/ [10] https://www.tagesschau.de/inland/regional/badenwuerttemberg/ballweg-urteil-102.html [11] https://www.amazon.de/Auf-beiden-Seiten-Front-Ukraine/dp/3946778410 [12] https://www.amazon.de/Russland-verstehen-Ukraine-Arroganz-Westens/dp/3864893348 [13] https://www.stern.de/politik/ausland/ukraine--zwangsrekrutierung--ein-menschenfaenger-packt-aus-35290880.html [14] https://www.dw.com/de/seehofer-nennt-migration-mutter-aller-probleme/a-45377457 [15] Bereits 2018 von dem Journalisten Udo Ulfkotte (1960 – 2017) verwendeter Begriff: https://www.amazon.de/Die-Asyl-Industrie-Journalisten-Sozialverb%C3%A4nde-Fl%C3%BCchtlingswelle/dp/3864456266 [16] Kosten lagen 2023 bei 29,7 Mrd. laut Statista.com; https://de.statista.com/statistik/daten/studie/665598/umfrage/kosten-des-bundes-in-deutschland-durch-die-fluechtlingskrise/ [17] https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__257.html [18] https://www.bundestag.de/resource/blob/562794/WD-7-119-18-pdf.pdf [19] https://www.bmz.de/de/aktuelles/aktuelle-meldungen/internationale-klimafinanzierung-2024-269418 [20] https://www.rnd.de/wirtschaft/deutschland-zahlt-radwege-in-peru-warum-wird-die-finanzierung-verteidigt-CKETSBEE25CT5NM5LQDKV62KBU.html [21] https://www.klimafakten.de/klimawissen/fakt-ist/fakt-ist-deutschland-gehoert-zu-den-top-ten-der-weltgroessten-co2-verursacher [22] https://www.umweltbundesamt.de/daten/klima/treibhausgas-emissionen-in-deutschland#emissionsentwicklung [23] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/167877/umfrage/co-emissionen-nach-laendern-je-einwohner/ [24] https://correctiv.org/faktencheck/2022/09/15/co2-kann-zwar-das-pflanzenwachstum-foerdern-ist-aber-auch-haupttreiber-des-klimawandels/ [25] https://nihk.de/forschung/aktuelle-projekte/zwischen-roemerzeitlichem-klimaoptimum-und-dem-jahr-ohne-sommer-1816 [26] https://www.guentherbirkenstock.de/nervensaegen [27] Non-Governmental-Organization, https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/politiklexikon/17913/non-governmental-organization-ngo/ [28] Caroline Bosbach wird vorgeworfen, sie hätte Geldbeträge und kostenlose Bewirtung denjenigen versprochen, die sie bei der Wahl in die Mittelstands- und Wirtschaftsunion unterstützen würden; https://www.spiegel.de/politik/deutschland/caroline-bosbach-cdu-zaehlt-bundestagsabgeordnete-an-a-b5620428-f8f1-49dd-8c2a-f0a175ae77b8 [29] https://www.derwesten.de/politik/bundestagswahl-promis-parteien-roland-kaiser-dieter-bohlen-id301368248.html ; https://www.n-tv.de/leute/Promis-machen-Wahlwerbung-fuer-Gruene-article22787860.html [30] https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/beide-lernten-sich-uber-freunde-kennen-julia-klockner-und-jorg-pilawa-sind-ein-paar-14161271.html [31] Wörtlich sagte er: Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazu gehört.“ https://www.zitate7.de/autor/Hanns+Joachim+Friedrichs/ [32] Aktuelles Beispiel: Wolfram Weimar war früher Journalist, u. a. Chefredakteur der Zeitschrift „Die Welt“ und ist seit 2025 Staatsminister für Kultur und Medien; https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfram_Weimer [33] https://www.guentherbirkenstock.de/denunziation-eine-analyse [34] https://www.guentherbirkenstock.de/herr-frau-mustermann [35] https://www.guentherbirkenstock.de/koennen-oder-sollen-wir-die-welt-verbessern
von Günther Birkenstock 7. Juni 2025
Das Christentum als Religion könnte irgendwann verschwinden, weil es sich entweder selbst erledigt oder durch andere Religionen oder den Atheismus abgelöst wird. Ist dies zu erwarten? Gehen wir der Sache auf den Grund. · Systemimmanente Krise: Unser Bild vom Christentum ist stark geprägt von den christlichen Kirchen wie der katholische oder evangelische Kirche, die vom Steuerzahler unterhalten werden. Ihre Daseinsberechtigung basiert auf dem christlichen Glauben, auf seinen angeblichen Gründer, Jesus Christus, der für die Menschen am Kreuz gestorben sein soll, um uns von den Sünden zu erlösen. Die Kirchenvertreter, in der Hauptsache die hauptamtlichen Vertreter wie Pfarrer und Bischöfe, spüren, dass sie mit den alten Konzepten von Schuld, Sünde, Reue, Buße, Umkehr, Erlösung sowie der Vorstellung von dem Leben nach dem Tod als das Verweilen im Himmel oder Hölle bei den Menschen zunehmend auf Skepsis stoßen [1] . Diese Skepsis gründet gegen ein Konzept, das deshalb unglaubwürdig wirkt, weil es sehr viele Implikationen enthält, die nicht nur aus der Zeit gefallen zu sein scheinen, sondern einen sehr mit allzu menschlichen Eigenschaften ausgestatteten Gott postulieren [2] . Er soll rachsüchtig sein und muss durch ein Sühneopfer besänftigt werden, weil die Urmenschen (Adam und Eva) ein Gebot (vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse nicht zu essen) übertreten hatten. Dafür muss sein Sohn in die Welt als Mensch erscheinen und stellvertretend für die Menschen einen qualvollen Kreuzestod erleiden. Hierbei wirkt die zum Ausstoß aus dem Paradies begangene Ursünde als Erbschuld bis in die heutige Zeit hinein, die durch die Taufe ausgelöscht werden soll. Die Kirchen versprechen, dass durch die segensreichen, den Gläubigen zuteilwerdenden Sakramente eine Teilhabe an dem Erlösungswerk erfolgt, sodass dann die Seele des Menschen errettet werden könne. Diese Versprechen wirken aus der Zeit gefallen, völlig antiquiert und nicht mehr kompatibel mit Wissenschaft, Technik und dem Leben in einer säkularisierten Gesellschaft. Zwar gibt es sie noch, die „bibelfesten“ Christen, die glauben, dass ihr Seelenheil an der Erfüllung von Aufgaben christlichen Glaubens, an das Einhalten bestimmter an Rituale, an sich wiederholenden Gesängen und magischen Handlungen hängt. Aber es werden immer weniger, die noch regelmäßig beten, die sonntags zum Gottesdienst gehen, die ihre Sünden bei einem Pfarrer beichten in der Hoffnung, dass sie ihnen dadurch vergeben werden. Während die katholische Kirche versucht, dieser wachsenden Skepsis hauptsächlich durch Dogmatismus zu begegnen, indem sie ihren Glauben in festen Glaubenssätzen festlegt und geäußerte Zweifel an der Richtigkeit dieser Annahmen mit Ausgrenzung und vehementer Verteidigung der Dogmen begegnet, versucht die evangelische Kirche einen anderen Weg zu gehen. Ihre modernen Pfarrer sehen ihr Heil in der Anbiederung an den linksgrünen Zeitgeist (was auch leider vor den Toren der bislang als konservativ geltenden katholischen Kirche nicht Halt macht). Sie meinen, wenn sie nur das Vokabular dieser Denkweise mit pastoralen Untertönen versehen, dass dann doch die Gläubigen ihnen andächtig zuhören werden, wenn sie auf ihren Kanzeln stehen und diese Art des modernen Glaubens unter die Kirchengemeinde bringen. Die Kirchengebäude werden deshalb längst nicht mehr als „Gotteshäuser“ gesehen, sondern als multikulturelle Begegnungsstätten. Diesem Trend scheinen auch katholische Vertreter nacheifern zu wollen, indem Kirchen nicht mehr als sakrale Häuser angesehen werden, in denen Menschen beten oder gemeinsam Gottesdienste feiern. Zunehmend werden sie ebenfalls „entweiht“ und für profane Dinge benutzt wie kulturelle Veranstaltungen und Konzerte, Abhalten von Festen der verschiedensten Art oder sogar zur Durchführung von Schutzimpfungen, wie dies in Corona-Zeiten passiert ist. Dabei kommt es auch zu Entgleisungen, wie z. B. am 15.05.2025, als zur Jubiläumsfeier „1250 Jahre Westfalen“ halbnackte Darsteller mit kopflosen toten Hühnern, die in Windel gewickelt waren, zu dem Lied „Fleisch ist Fleisch“ (umgedichteter Text des Schlagers „Life ist Life“) vor einem illustren Publikum mit Bundespräsident Steinmeier, Ministerpräsident Hendrik Wüst und Erzbischof Udo Markus Bentz vortanzten [3] . Eine Petition wurde gestartet, um eine eindeutige Reaktion des Erzbischofs (Entschuldigung, Buß- und Sühneakt sowie Neuweihe des Doms), die bis dato ausblieb, herbeizuführen [4] . Diese Art der „Verweltlichung“ wird von den noch am ursprünglichen christlichen Glauben festhaltenden Gläubigen als Sakrileg empfunden. Diese fundamentalen Christen sehen ihren Glauben als eine auf Gottes Wort (Bibel) begründete Überzeugung an, die es gegen den Zeitgeist zu verteidigen gilt. Ihnen kann vorgehalten werden, dass sie dazu neigen, „unangenehme Bibelstellen“, in denen Gott, vor allem im Alten Testament, sehr autokratisch auftritt, am liebsten umgehen [5] . Olaf Latzel und ähnliche Theologen wirken wie Relikte einer vergangene Epoche, in der das kirchliche Leben noch fester Bestandteil des täglichen Lebens war [6] . Für sie gehört immer das Verbundensein mit Gott als nicht zu leugnender Bestandteil zum Christsein, das auch nach außen offen gezeigt wird (Beten in Kirchen und auch an anderen Orten wie aufgestellten Kreuzen, Wallfahrten zu heiligen Stätten, Teilnahme an Prozessionen, Heiligenverehrung, Anbringen des Kreuzes in öffentlichen Gebäuden). Von dieser fundamentalen Einstellung haben sich viele inzwischen weit entfernt und sind meist in einer opportunistischen Einstellung gelandet. Sie halten es für vorteilhaft, in einem christlich geprägten Land einer Kirche anzugehören, um schlichtweg einfach einer Gemeinde anzugehören, nicht ausgegrenzt zu werden, Vorteile im Beruf zu haben oder die wichtigsten Stationen eines Lebens (Geburt, Heirat, Sterben) durch einen Pfarrer „absegnen“ zu lassen. So gesehen fungieren Pfarrer heute fast nur noch als Zeremonienmeister bürgerlicher Ereignisse eines Lebens oder als Magier kultischer Handlungen (Segen verteilen, Weihwasser versprengen, Wandlung einer Hostie in den „Leib Christi“), die mit feierlichen Gesängen und Orgelspiel begleitet werden. Die klassische „Seelsorge“ gibt es fast nicht mehr. Sie mutiert inzwischen zu eher psychotherapeutischen Angeboten (Telefonseelsorge, Notfallseelsorge), zu denen eigentlich eher Psychologen oder Psychiater prädestiniert sind. In das zunehmende Vakuum der Bedeutungslosigkeit versuchen die Kirchenfunktionäre einzubrechen, indem sie sich immer mehr verweltlichen und meinen, sich zu gesellschaftlichen Themen (Flüchtlinge, Klima, Gleichberechtigung der Geschlechter, Vielzahl von Geschlechtern) äußern zu müssen oder sich zunehmend in die Tagespolitik (Ausgrenzung der AfD [7] ) einmischen, wobei sie auch nicht zimperlich sind im Ausgrenzen bestimmter Bevölkerungsgruppen (Ungeimpfte, AfD-Anhänger). Hierbei tritt eine systemkonforme Haltung zutage, die aus der Besorgnis resultiert, dass den Kirchen irgendwann ihre Privilegien (Kirchensteuer, Zuwendungen des Staates, Rechtsstatus als Körperschaft des öffentlichen Rechts) genommen werden. In dem Maße, in dem die Kirchen sich auf diese Art verweltlichen, haben sie auch ihre spirituelle Kraft verloren und scheinen nur noch auf die Selbstbehauptung in einer Konkurrenzgesellschaft fokussiert zu sein. Diese Art „Funktionärskirchentum“, das sich darin erschöpft, die eigenen Pfründe zu sichern, bewirkt ein starken Zerfall des Glaubens an den Erlöser, Jesus Christus, der fast schon zur Randnotiz verkommt und anscheinend immer unwichtiger wird. So gesehen sind die Hauptgründe für den Schritt zum Kirchenaustritt vieler Christen nicht so sehr finanzielle Gründe, sondern die mangelnde Glaubwürdigkeit der staatlichen Kirchen, die zu einer großen Skepsis gegenüber dieser Institution führt [8] . Hinzu kommen die Missbrauchsskandale, die vor allem die katholische Kirche belasten. Der damit verbundene Mitgliederschwund setzt sich weiter fort. Noch 1990, nach der Wiedervereinigung, waren 72 % der Bevölkerung in einer der beiden Kirchen. Inzwischen (2023) liegt ihr Anteil nur noch bei 46 % [9] . · Bedrohung von außen: Der christliche Glaube ist aber nicht nur intern gefährdet, sondern auch von außen in Bedrängnis geraten. Zu dieser äußeren Bedrohung zählt vor allem die wachsende Zahl der Muslime, die durch die Einwanderung verursacht wird. Seit der Wiedervereinigung Deutschlands hat sich die Anzahl der Muslime in Deutschland von 2,7 Mio. im Jahr 1995 auf 5,5 Mio. im Jahr 2020 mehr als verdoppelt [10] . Ihr Anteil liegt inzwischen bei 6,6 % an der Bevölkerung. Diejenigen, die als Muslime in Deutschland leben, nehmen ihren Glauben sehr ernst und halten sich zu 70 % an die Regeln und Bräuche (z. B. zu Getränken und Speisen), die der islamische Glaube vorschreiben. Auch wird zu 38 % regelmäßig gebetet (5mal am Tag) und auch das Fastengebot zu 56 % eingehalten [11] . Neben dem muslimischen Glauben spielt der zunehmende Atheismus eine Rolle im Hinblick auf die Frage der Gefährdung des Christentums. Nach einer Umfrage Ende 2024 bekannten sich 62,1 % der Befragten dazu, atheistisch zu sein (über 65-jährige 53 %). Dieses Ergebnis überrascht, denn immerhin gab es Ende 2024 noch 23,7 % Katholiken und 21,5 % evangelische Christen. Zu den „aktiven“ Katholiken (Gottesdienstbesucher) zählen 6,6 % der nominellen Kirchenangehörigen und 2,3 % der evangelischen Christen. Es zeigt sich gegenüber den Muslimen, die angeben zu 25 % zu denen zu gehören, die die Mosche besuchen, dass diese noch stärker den islamischen Glauben ausüben als die Christen [12] . Allgemein ist eine Abnahme der Religiosität in Deutschland zu beobachten, denn während noch 1982 noch 57 % angaben, religiös zu sein, waren es 2012 noch 47 %; gleichzeitig stieg der Anteil derer, die angaben, nicht religiös zu sein (von 43 % auf 55 %) [13] . Die Bedrohung geschieht also durch die Zunahme eines Atheismus und der anwachsenden Zahl von Personen muslimischen Glaubens durch Zuwanderung. · A- religiöse Spiritualität als Ausweg? Derjenige, der sich nicht als „praktizierender Christ“ bezeichnet, ist keineswegs ein Mensch, der sich nicht mit „essentiellen“ Fragen (was ist der Sinn des Lebens, gibt es einen Gott, können wir uns selbst erlösen oder sind wir auf externe Hilfe angewiesen?) beschäftigt. Er passt nur nicht in die vorgestanzten Schablonen eines stark von Traditionen geprägten institutionalisierten christlichen Glaubens. Welchen Weg geht ein solch Suchender? [14] o Individuell: Für einen solchen Menschen ist die Suche nach der Wahrheit ein individueller Weg, er lehnt jede Art von kollektiver Abwicklung des Glaubens in Form der Ausübung bestimmter religiöser Rituale oder gemeinsamer Glaubensbekenntnisse ab. Er macht sich allein auf den Weg, die Wahrheit zu finden, die er für gültig hält. o Keine blinde Gefolgschaft: Ein auf der spirituellen Reise befindlicher Mensch tut sich schwer mit blinder Gefolgschaft. Er akzeptiert keine geweihten Priester, keinen amtlichen Pfarrer als Führer, die sich anmaßen, ihm zu sagen, was er zu tun und was er zu glauben hat. Er sieht diese nicht als privilegierte Personen an, die eine gegenüber den Laien bevorzugte Stellung haben und er wird nicht das glauben, was ihm von diesen Autoritäten als „wahren Glauben“ verkauft wird [15] . o Keine blinde Jesus-Gläubigkeit: Die oft unhinterfragte Gläubigkeit von Christen an Jesus lehnt er ab. Er hält jede Art von „Vergöttlichung“ von Jesus für falsch und damit auch die verbundene Kritiklosigkeit an ihm für grundverkehrt. Ihn als Teil der göttlichen Trinität zu verehren führt aus seiner Sicht zu einer unkritischen Akzeptanz von allem, was Jesus getan und gesagt hat. Er lässt alle Gedanken grundsätzlich zu, auch wenn diese blasphemisch klingen, etwa die, ob Jesus vielleicht verrückt gewesen sei [16] . Heutzutage würde jemand, der behauptet, Gottes Sohn zu sein, nicht gekreuzigt, sondern er landete in der Psychiatrie wegen religiösem Wahn. Warum nennt er Gott seinen Vater? Würden wir nicht erwarten, dass Gott geschlechtsneutral ist? Oder hatte sich Jesus der Vorstellungswelt der Antike bedient, die patriarchalisch geprägt war und in der ein Herrscher selbstverständlich ein Mann war? Die Frau gehörte damals quasi zum Eigentum des Mannes, was auch in dem 10. Gebot deutlich wird, in dem es heißt, dass niemand des „Nächsten Frau , Knecht, Magd, Rind, Esel, noch alles, was dein Nächster hat“ (1. Mose, 20,17) begehren solle. Merkwürdig erscheint hierbei insbesondere die Aufforderung, sein Fleisch und sein Blut zu trinken, um das ewige Leben zu erhalten (Johannes 6,54 [17] ). Auch wenn dies als das bevorstehende Sterben (Opfertod) am Kreuz gerne interpretiert wird, ist und war dieser Ausspruch sehr verstörend für die Zuhörer und auch die Jünger [18] . Könnte dies nicht alles als ein Indiz für einen „verrückten“ Geisteszustand von Jesus gewertet werden? Kann es nicht sein, dass er als junger Mann in Indien gelebt hat, von dort fernöstliches Gedankengut (Hinduismus, Buddhismus) aufgenommen und dann in seine Lehre eingebaut hat? [19] Warum hatte er sich als jemand verstanden, der nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt wurde (Matthäus 15,24) [20] ? Was ist dann mit der übrigen Menschheit? So gesehen gibt es Zweifel, ob die „Göttlichkeit“ von Jesus, wie sie schon seit dem Konzil von Nicäa im Jahr 325 behauptet wird, überhaupt haltbar ist [21] . o Gott ist nicht sakrosankt: Auch Gott kann und darf kritisiert werden. Ist es z. B. nicht ein Zeichen einer „Doppelmoral“, wenn Gott in seinen 10 Geboten das Töten verbietet und andererseits selbst tötet (Sintflut)? Warum gebietet er den Israeli die Beschneidung bei männlichen Säuglingen (Entfernung der Vorhaut am Penis = Genitalverstümmelung), wenn er doch den Menschen nach seinem Bilde geschaffen hat? Warum erwählt er ein Volk (auserwähltes Volk: Juden) und schließt damit andere Völker aus? Gott gilt dann eben nicht als unfehlbar. Er wird dort kritisiert, wo sich Widersprüche auftun, die nicht mehr geleugnet werden können. Die Kritik darf nicht als Blasphemie sanktioniert werden. o Religion als „Übergang“: Religion könnte als ein Übergangsphänomen gesehen werden, das dann wegfallen kann, wenn wir zur wahren Erkenntnis gelangt sind. Diese Erkenntnis stellt die größte Herausforderung dar, da uns zeitlebens unüberbrückbare Grenzen aufgezeigt werden, die diese unmittelbare Schau der Wahrheit versperren. Die Wahrheit zu erkennen stellt aber die grundlegende Voraussetzung für den spirituellen Weg dar. Dabei wird der induktive Weg (unmittelbare Erfahrung, daraus bilden sich Theorien) zu bevorzugen sein, weil bei der Deduktion die Gefahr der Ideologisierung besteht. Das Dilemma, einerseits die Wahrheit erkennen zu müssen, andererseits durch die Grenzen unserer Erkenntnismöglichkeit daran gehindert zu sein, wird sich nicht auflösen lassen. Erst nach dem Tod erscheint es hoch wahrscheinlich, dass sich dieses Dilemma auflösen wird, was eine Reihe von Nahtoderfahrungen nahe legen. Christentum – ein Auslaufmodell? Ja, ich gehe davon aus, dass das Christentum, zumindest in seiner „lauen“ Form, aussterben wird. Die Amtskirchen sind die eigentlichen Totengräber eines an der Wahrheit orientierten Glaubens, weil sie kritische Fragen nicht zulassen. Sie haben sich als ungeeignet gezeigt, den Menschen wirklich eine Stütze zu sein, weil sie im Wesentlichen nur an der Selbsterhaltung interessiert und deshalb diesseitig orientiert sind [22] . © beim Verfasser [1] Mehr hierzu und zu der Vorstellung, wer eigentlich ein Christ ist: https://www.guentherbirkenstock.de/wer-ist-ein-christ9ab4faf7 [2] Mehr hierzu: https://www.guentherbirkenstock.de/kirchenaustritt-die-argumente-dafuer [3] https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2025/warum-christen-eine-petition-gegen-huehner-in-windeln-starten/ [4] https://citizengo.org/de/ot/15514-gegen-die-entweihung-des-paderborner-domes--f%C3%BCr-den-schutz-unserer-heiligen-st%C3%A4tten [5] https://www.guentherbirkenstock.de/olaf-latzel-und-das-fundamentalistische-christentum [6] Siehe hierzu den Artikel über Olaf Latzel und die fundamentalen Christen: https://www.guentherbirkenstock.de/olaf-latzel-und-das-fundamentalistische-christentum [7] https://www.guentherbirkenstock.de/afd-bashing . Leider beteiligen sich auch die Kirchen an dem „Draufschlagen“ gegenüber der AfD, wie z.B. Bischof Bätzing: https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2025-03/baetzing-vollversammlung-deutschland-bischoefe-afd-politik-wahl.html [8] 47,2 % der Austrittswilligen empfinden eine Unzufriedenheit mit der Institution Kirche, für 34,6 % ist die Kirchensteuer der Hauptgrund für einen Kirchenaustritt; https://www.kirchenaustritt.de/nachrichten/umfrageergebnis2023 [9] https://www.kirchenaustritt.de/statistik/religionszugehoerigkeit#google_vignette [10] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/72321/umfrage/entwicklung-der-anzahl-der-muslime-in-deutschland-seit-1945/ [11] https://www.deutsche-islam-konferenz.de/DE/DatenFakten/daten-fakten_node.html [12] https://fowid.de/meldung/religionszugehoerigkeiten-2024 [13] https://fowid.de/meldung/nicht-religioese-und-religioese-1982-2018 [14] Siehe auch: https://www.guentherbirkenstock.de/der-spirituelle-mensch [15] Es ist interessant, dass Jesus selbst eine große Skepsis gegenüber den Priestern hatte und diese als Heuchler ansah, die den Weg zur Gottessuche versperrten. Diese waren es auch, die seine Verurteilung durch Pilatus betrieben, weil sie ihn als unliebsamen Konkurrenten sahen. [16] https://www.ibka.org/de/artikel/ag03/jesus.html [17] https://www.bibleserver.com/de/verse/Johannes6,54 [18] https://www.jw.org/de/bibliothek/buecher/jesus/dienst-in-galilaea/fleisch-essen-blut-trinken [19] Holger Kersten behauptet, dass Jesus in Indien sowohl vor der Kreuzigung als auch danach in Indien gelebt hat. https://www.amazon.de/Jesus-lebte-Indien-geheimes-Kreuzigung/dp/3548354904 [20] https://www.bibleserver.com/de/verse/Matth%C3%A4us15,24 [21] Auf dem Konzil von Nicäa 325 wurde die Wesensgleichheit von Jesus mit dem Gott-Vater festgelegt: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/fuers-konzil-von-nicaea-ist-jesus-wesensgleich-mit-gottvater-110192815.html [22] https://www.guentherbirkenstock.de/diesseits-jenseits
von Günther Birkenstock 24. Mai 2025
Wer kennt nicht den „mustergültigen“ Menschen, der uns gerne als Vorbild vorgeführt wird, weil er aufgrund seiner Eigenschaften, Einstellungen und Verhaltensweisen als jemand angesehen wird, den nachzueifern es sich lohnen solle. Wie könnte ein solcher „Mustermann“ beschrieben werden? · Medien: Seine Hauptinformationsquelle ist das Fernsehen. Er sieht regelmäßig die Tagesschau und die Heute-Nachrichten und verfolgt das Weltgeschehen durch das Anschauen anderer TV-Magazine, die zur politischen Bildung ausgestrahlt werden. Gerne schaut er sich auch den sonntäglichen Presseclub an, weil er meint, dass hier Journalisten völlig neutral die aktuellen Geschehnisse in der Welt beleuchten. Er sieht auch gerne Satire-Sendungen, weil er meint, dass Jahn Böhmermann und Oliver Welke schon „die Richtigen“ aufs Korn nehmen und entsprechend kritisieren. Über deren Witze, die auf Kosten der Regime-Kritiker gehen, amüsiert er sich köstlich. Er liest die am Ort verbreitete Tageszeitung und besorgt sich entweder die „Bild“ oder, wenn er etwas auf sich hält, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ oder die „Süddeutsche Zeitung“. Er hat keinen Zweifel, dass der Öffentlich-rechtliche Rundfunk völlig neutral ist und ihm deshalb, was den Wahrheitsgehalt der Sendungen anlangt, völlig vertraut werden kann. Er misstraut den „alternativen Medien“, weil er meint, dass diese nur „Verschwörungstheorien“ verbreiten. Er ist zwar offiziell gegen eine Zensur, begrüßt aber andererseits, dass die Medien durch entsprechende Portale und Organisationen kontrolliert werden im Hinblick auf die Verbreitung von „Hass und Hetze“. Er bevorzugt die „Qualitätsmedien“, die keinen Zweifel aufkommen lassen, dass die Institutionen des Staates zu Recht ein hohes Ansehen haben. Es stört ihn auch nicht, wenn Vertreter dieser Medien völlig problemlos in ein Regierungsamt wechseln, ohne hierbei Gewissensbisse zu bekommen. · Politiker und Parteien: Er hält Politiker für würdige Vertreter des Volkes, die sich für die Interessen der Bevölkerung einsetzen und deshalb Gesetze beschließen, die den Menschen im Land zugutekommen. Er hält alle Verdächtigungen, dass die gewählten Abgeordneten eigentlich primär für ihre eigenen Interessen sorgen, für aus der Luft gegriffen. Sie gelten für ihn als absolut integer und er meint, dass sie sich bei Abstimmungen nur von ihrem Gewissen leiten lassen. Wenn er wählt, was er grundsätzlich tut, weil er dies für eine staatsbürgerliche Pflicht hält, dann sind es die so genannten „demokratischen Parteien“, die in der politischen Mitte angesiedelt sind wie z. B. die CDU, weil er als guter Christ glaubt, dass sich diese Partei für christliche Werte einsetzt oder die SPD, weil er meint, dass diese Partei sich für den Arbeiter oder den einfachen Angestellten stark macht. Wenn er sich als fortschrittlich ansieht und als sozial engagiert, wählt er vielleicht sogar die Grünen oder die Linke. Es kann sogar sein, dass er Parteimitglied einer der „Volksparteien“ ist. Aber auf keinen Fall würde er die AfD wählen, weil diese ja „rechtspopulistisch“ ist oder als „extrem rechtsradikal“ angesehen wird und die „freiheitlich-demokratische Grundordnung“ gefährdet. Er ist selbstverständlich dafür, dass sich die „demokratischen Parteien“, die sich für „unsere Demokratie“ einsetzen, scharf von der AfD abgrenzen und ist deshalb für das Aufrechterhalten der „Brandmauer“. Er wäre sogar dafür, dass diese Partei verboten wird, weil er meint, dass sie aus „Nazis“ und ausländerfeindlichen Personen besteht, die alle Migranten aus dem Land vertreiben wollten. Er hielt „Mutti“ (Merkel) für eine tolle Politikerin, weil sie so viel für unser Land getan hat. Er steht auch zu Friedrich Merz als neuen Bundeskanzler, den er für einen würdigen Nachfolger für die ehemalige CDU-Vorsitzende hält. Er hält die Bezeichnung „Lügenkanzler“ für überzogen oder sogar ungerechtfertigt, weil er es für notwendig hält, dass Politiker es im politischen Tagesgeschäft nicht mit der Wahrheit nicht so genau nehmen können. · Glaube und Kirchen: Er ist selbstverständlich ein gläubiger Mensch. Er glaubt an die Dreifaltigkeit Gottes (Vater, Sohn und Heiliger Geist), glaubt an die Erlösungstat von Jesus durch seinen Tod am Kreuz, durch die diejenigen gerettet sind und das ewige Leben erhalten, die Jesus anerkennen und ihn als ihren Herrn annehmen. Die guten Werke hält er für entbehrlich, weil allein durch die Erlösungstat durch den Tod am Kreuz er sich bereits gerettet sieht. Er geht regelmäßig zu den Gottesdiensten und ist sogar bereit, als Kirchenvorstandsmitglied ehrenamtlich mitzuwirken, ist vielleicht sogar Lektor und freut sich, wenn er der Gemeinde etwas aus der Bibel vorlesen und die heilige Kommunion verteilen darf. Die Bibel hält er für Gottes Wort, dem unbedingt Folge geleistet werden soll. Textpassagen, in denen Gott zum Töten auffordert oder in denen er sogar selbst Menschen massenweise umbringt (Sintflut, Sodom und Gomorra) überliest er geflissentlich. Er hält die heiligen Sakramente alle für von Jesus eingesetzt und nimmt sie auch regelmäßig in Anspruch. Er glaubt, dass diese ihm helfen, das ewige Leben im Himmel zu erlangen. Wenn er ein guter Katholik ist, freut er sich, den Papst im Fernsehen zu sehen und sein Traum ist es, einmal im Leben nach Rom zu reisen, um eine Audienz bei ihm zu bekommen. Er hält ihn für den „heiligen Vater“, der als würdiger Nachfolger des Apostel Petrus fungiert. Als evangelischer Christ hält er die Bischöfe für absolut notwendig und freut sich, wenn er an den jährlich stattfindenden Kirchentagen teilnehmen kann. Er zahlt gerne die Kirchensteuer, weil er glaubt, dass diese Gelder für karitative Aufgaben verwendet werden und nicht primär dazu dienen, den Klerus zu bezahlen. Er spendet auch regelmäßig an die Kirche und wirft etwas Geld in den „Klingelbeutel“, um zu demonstrieren, dass er ein freigiebiger Mensch ist. Er betet für die Welt und für diejenigen, die vom „rechten Pfad“ abgekommen sind. Er unterstützte die Kirche, die während der Corona-Zeit die „Ungeimpften“ als unsolidarisch handelnde Menschen aus dem kirchlichen Leben ausschloss. Er empfand es als einen solidarischen, christlichen Akt, sich gerade in einem Kirchengebäude gegen Corona impfen zu lassen. Er hält auch die harte Gangart gegen Anhänger der AfD für richtig, weil diese mit ihrer Ausländerfeindlichkeit gegen christliche Grundsätze verstoßen. Es stört ihn, wenn solche Menschen auch noch in der Kirche eine ehren- oder sogar hauptamtliche Aufgabe übernehmen und ist dafür, dass diese Personen ausgegrenzt werden. Es stört ihn nicht, dass Jesus in ganz anderer Weise mit Personen (z. B. Zöllner) umgegangen ist, die zu seiner Zeit ebenfalls aus der Gesellschaft ausgeschlossen wurden. · Gehorsamer Staatsbürger: Er hält sich für einen folgsamen Staatsbürger, der alles tut, was der Staat von ihm verlangt. Er hat selbstverständlich alle Corona-Impfungen erhalten und hält die getroffenen Maßnahmen (Lockdown, Freiheitseinschränkungen wie Demonstrations- und Kontaktverbote, das Masken tragen, der Ausschluss von „Ungeimpften“ aus dem gesellschaftlichen Leben) für absolut gerechtfertigt. Als guter Christ hielt er es für selbstverständlich, dass er die Corona-Impfung als einen Akt der Nächstenliebe entgegengenommen hat. Er sieht es nicht als ein Sakrileg an, dass diese Impfungen in den Kirchengebäuden stattgefunden haben. Er hält alle Berichte über Nebenwirkungen der Impfungen für „Verschwörungstheorien“. Er hielt alle Demonstrationen gegen die staatlichen Maßnahmen für ungerechtfertigt und die verhängten Bußgelder und Strafen gegen Maßnahmengegner für absolut notwendig. Er geht aber dann zu Demonstrationen, wenn gegen die „Richtigen“ (gegen rechts) zu Protesten aufgefordert wird und als Frau im „gesetzten Alter“ ist sie als „Oma gegen rechts“ mit dabei, gegen die AfD zu demonstrieren. Er zahlt alle seine öffentlichen Abgaben wie Steuern und den Rundfunkbeitrag gerne, weil er glaubt, dass diese ihm letztendlich wieder zugutekommen. Er ist auch gerne als wachsamer Staatsbürger bereit, Menschen bei staatlichen oder quasi-staatlichen Stellen zu melden, die „Hass und Hetze“ vertreiben. Gerne machte er bereits in Corona-Zeiten davon Gebrauch, um den Nachbarn beim Ordnungsamt zu melden, der mal wieder zu viel Personen trotz Kontaktverbot bei sich zu Besuch hatte. Er war als ein Verfechter der von der Regierung geförderten Aufnahme von Flüchtlingen aus aller Welt und war gerne bereit, an den Bahnhöfen mit Fähnchen im Rahmen der Aktion „Refugees welcome“ den Neuankömmlingen zuzuwinken. Er ist dafür, dass die Menschen aus dem Mittelmeer gerettet und zu uns gebracht und dass hierfür Steuergelder zur Verfügung gestellt werden. Er ist gegen die Abschiebung von abgelehnten Asylbewerbern und ist auch für das Kirchenasyl. · Beruf und Freizeit: Beruflich selbständig zu sein ist für ihn zu riskant. Er wird deshalb am ehesten in einer staatlichen Behörde als Beamter oder Angestellter des öffentlichen Dienstes beschäftigt sein. Ihm macht es nichts aus, nach festgelegten Regeln zu arbeiten, die ihm von anderen vorgegeben werden, an die er sich auch akribisch hält. Sein Lieblingssatz ist: „Das ist mal so Vorschrift“. Ehrenamtlich ist er in einer angesehenen Partei Mitglied und sogar auch dort engagiert in einem Vorstand tätig. Er ist auch im Sportverein oder Schützenverein und wird, wenn er es schafft, auch gerne einmal Schützenkönig. Gerne engagiert er sich für Flüchtlinge und ist in entsprechenden Organisationen tätig. Er hat eine Familie mit zwei Kindern, die beide aufs Gymnasium gehen. · Gesundheit und Pharmazie: Er glaubt, dass alle Ärzte daran interessiert sind, die Menschen gesund zu machen. Alle Empfehlungen der Ärzte hält er für richtig, ohne diese irgendwie infrage zu stellen. Da er auch an die Wirkung der Medikamente glaubt, ist er ständiger Gast beim Hausarzt, der ihn mit den nötigen pharmazeutischen Produkten versorgt. Er freut sich, wenn sein Medikamentenschrank stets gut gefüllt ist. Alle von den Ärzten empfohlenen Impfungen hat er erhalten und lässt auch seine Kinder bei den Kinderärzten „durchimpfen“. · Klimawandel: Er hält den Klimawandel für die größte Bedrohung der Menschheit und ist auch gerne bereit, die vom Staat beschlossenen Gesetze zu akzeptieren, weil sie dem Zweck dienen, etwas für die Bekämpfung dieser Gefahr zu bewirken. Wenn dadurch das Benzin teurer und das Heizen immer kostspieliger wird, nimmt er dies als guten Beitrag für die Rettung des Klimas gerne in Kauf. Er begrüßt Windräder, auch wenn diese gesundheitsschädlichen Infraschall erzeugen oder Vögel und Insekten töten. Auch stört ihn nicht ihr Anblick, wenn sie wie Pilze aus dem Boden schießen und ganze Bergkuppen bedecken. Er fastet als Christ für das Klima und fährt sogar zur Arbeit mit dem Fahrrad oder benutzt die öffentlichen Verkehrsmittel, um das Klima zu schonen. · Ukraine- Krieg : Er sieht Putin als alleinigen Schuldigen an diesem Krieg, weil dieser aus imperialistischen Gründen die Ukraine angegriffen hat. Er sieht keinen Zusammenhang zwischen der NATO-Osterweiterung und diesem Krieg. Er glaubt, dass in diesem Krieg die westlichen Werte verteidigt werden und ist hierfür zu jedem Opfer bereit, notfalls müssen dann eben die Steuern erhöht werden, damit die Deutschen noch mehr Waffen an die Ukraine liefern können. Alle Sanktionen gegen Russland sind aus seiner Sicht völlig gerechtfertigt. Sie müssen noch notfalls verstärkt werden. Auf keinen Fall sollte billiges Gas durch die Ostsee-Pipelines wieder nach Deutschland geliefert werden. Dass Ukrainer bei der Zerstörung der Gasleitungen in der Ostsee mitgewirkt haben, stört ihn nicht, denn deren Anliegen war ja ein ehrenhaftes. Er ist auch dafür, dass die Deutschen wieder „kriegstüchtig“ werden, damit sie gegen den Feind (Russland) vorgehen können; deshalb sollte auch die Wehrpflicht wieder eingeführt werden. · Tod: Er glaubt, dass wenn er stirbt, er eine Weile „in Frieden ruht“, wie dies der Pfarrer auch beteuert und am „jüngsten Tag“ von Jesus auferweckt wird und in den Himmel kommt. Er hält nichts von der Reinkarnationstheorie, weil er diese für heidnisch hält. Deshalb kommt für ihn auch keine Urnenbestattung infrage, sondern eine mit dem gesamten Leib, der in einem Sarg in eine geweihte Erde abgelassen wird. Auf seiner Beerdigung wird er als vorbildlicher Mensch vom früheren Arbeitgeber, der Partei und dem Schützenverein geehrt, dessen Vertreter für ihn „Ich hatte einen Kameraden“ bläst. In seiner Todesanzeige wird er als vorbildliches Mitglied der Gesellschaft geehrt und er hat eine lange Kondolenz-Liste. Er hält seinen Taufschein und die regelmäßige Inanspruchnahme der Sakramente als Eintrittskarten für das Reich Gottes bereit. Den Herrn Mustermann gibt es selbstverständlich auch als Musterfrau oder sogar als Diverser. Er wird als Mustervorlage überall gezeigt und als Vorbild dargestellt. Er ist auch am liebsten unter Gleichgesinnten, die genauso denken wie er und die sich gerne gegenseitig in ihren Ansichten bekräftigen. Er ist sich sicher: „(Nur) wir kommen alle, alle, alle in den Himmel.“ © beim Verfasser
von Günther Birkenstock 15. April 2025
Den Sinn des Lebens zu finden ist eine Kernaufgabe des Menschen. Ist diese Suche aber für jeden erstrebenswert? Oder gibt es Personen, die an dieser Frage überhaupt kein Interesse haben? Wie könnte ein Mensch beschrieben werden, der sich auf die Suche nach dem Sinn des Lebens gemacht hat? · Leben in der Vertikalen: Wir leben in einer Welt, die uns mehr oder weniger rätselhaft erscheint – je nachdem ob jemand sich auf die Suche nach den Rätseln des Lebens begibt oder nicht. Leben in der Horizontalen ist ein Dasein ohne Anspruch auf eine solche Suche. Es ist das reine Existieren, das sich auf die Sicherung des eigenen Überlebens beschränkt. Tiefsinnigkeit  bodenständiger Pragmatismus utopische Grübelei  Oberflächlichkeit Wer sich auf die Suche nach dem Sinn des Lebens begibt, wird sich von dieser Perspektive (Oberflächlichkeit) lösen müssen, um in die vertikale Betrachtungsweise zu gelangen, um sich in die Höhe zu begeben (Metaposition) oder in die Tiefe, um die „Abgründe“ des Lebens zu erfahren. Das „Leben in der Vertikalen“ unterscheidet sich von dem „Leben in der Horizontalen“, weil die Oberflächlichkeit verlassen und die Tiefgründigkeit gesucht wird. In Anlehnung an das Wertequadrat von Schulz von Thun [1] könnte die parallele Wertigkeit zur Tiefsinnigkeit in dem „bodenständigen Pragmatismus“ und auf der unteren Ebene („Unwerte“) die „utopische Grübelei“ zu einer Oberflächlichkeit gesehen werden. Die eigentlichen Gegensätzlichkeit liegt dabei immer in der Diagonalen des Wertequadrates (z. B. zwischen utopischer Grübelei und dem bodenständigen Pragmatismus). Wenn jemand also in der Vertikalen leben will, muss er sowohl in die Höhe streben als auch die Tiefe kennen lernen (es gibt nur diese topographischen Begriffe, die diese Dimensionalität wiedergeben können): o Tiefe : Die Tiefe kennenzulernen kann auf unterschiedliche Weise geschehen, je nachdem, ob man sich im Äußeren oder im Inneren auf die Suche geht. Die Erforschung in den Tiefen unserer Seele war ein Hauptaufgabengebiet der klassischen Psychoanalyse, die auf den Neurologen Sigmund Freud (1856 -1939) zurückgeht. Sie bestand darin, die unbewussten Teile der Psyche durch Traumdeutung oder in der freien Assoziation in Tiefenentspannung zu suchen. Dabei kamen die verdrängten Teile des „psychischen Apparates“ [2] zum Vorschein, also diejenigen Strebungen, Wünsche, Gefühle und Gedanken, die, weil sie nicht erwünscht waren, „in den Keller“ verschoben wurden. Alles, was wir im realen Leben nicht verwirklicht haben, kann dabei zum Vorschein kommen, was mit Ängsten, Wut oder Trauer verbunden sein kann. Die Psychoanalyse ist aber im Prinzip a-moralisch, d. h., dass sie das Verhalten, das nicht erwünscht ist, nicht als schlecht bezeichnet, sondern sie die als negativ bezeichneten Seelenanteile wieder mit der Gesamtseele verbinden und sie damit heilen will. Heißt dies aber, dass es dann keine verwerflichen, unmoralischen und damit bösen Seelenanteile gibt? In dem Roman von Robert Louis Stevens über „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ ist das, was wir das Bösen nennen, in dem abgetrennten Teil des Dr. Hekyll verborgen, das in der Person der Mr. Heyde verkörpert wird. Nach den verunglückten Selbstversuchen (mittels einer Droge eine Trennung herbeizuführen) des Arztes verselbständigt sich der unmoralisch handelnde Mr. Hyde, wird zu einer selbständig agierenden Person, die ungezügelt nur ihren eigenen Bedürfnissen folgt, wobei sie jede moralische Hemmung über Bord wirft [3] . Die Spaltung geschieht psychiatrisch gesehen in Form einer „multiplen Persönlichkeit“ (dissoziative Persönlichkeitsstörung [4] ), wobei Teile der Seele sich abgespalten haben und ein vom Oberhaupt [5] der Psyche selbständiges Leben führen (von dem das Oberhaupt im extremsten Fall nicht einmal etwa weiß). Ist diese böse innere Seite also etwas real Existierendes? Hier beginnt das Feld der metaphysischen Betrachtungsweise, denn das Böse in Form von selbständig agierenden Personen (jenseits unserer physischen Welt) zu sehen ist in wissenschaftlichen Zeiten verpönt. Die selbständig agierenden Wesenheiten, die „in der Tiefe“ lauern, wurden aber schon immer in allen Religionen bejaht und als Teil der jenseitigen Welt gesehen, die versuchen, in unsere diesseitige Welt einzugreifen [6] . Dieses Eingreifen soll in der „milden“ Form der „Umsessenheit“ [7] geschehen, wenn also diese Wesen durch „Einflüsterungen“ („es ist doch nicht schlimm“, „es machen doch alle so“, „Hauptsache, du wirst nicht erwischt“) uns zu beeinflussen versuchen. In der schweren Form der „Besessenheit“ wird die Selbstbestimmung gänzlich aufgegeben und das Feld dem bösen Geist (oder sogar mehreren Geistern) überlassen. Der Pakt stellt die mehr oder weniger bewusste Übereinkunft („Teufelspakt“) mit bösen Wesenheiten dar [8] . Wer also in die Tiefe steigen will, kann aus religiöser Sicht an Satan, Teufel, Luzifer oder anderen Wesenheiten nicht vorbeikommen. Von Jesus wird auch von der Begegnung mit diesen negative Wesen berichtet, sowohl zu seiner Lebenszeit (in Form von Besessenheit durch Dämonen, bei denen er eine Befreiung vornahm, Begegnung mit Satan in der Wüste) als auch in der Zeit zwischen Sterben am Kreuz und der Auferstehung („Abgestiegen in das Reich des Todes“- laut apostolischem Glaubensbekenntnis). Nach christlicher Lehre soll er die bis dahin (bis zum „Sühnetod“ am Kreuz) von Satan gefangen gehaltenen Seelen aus dessen Reich befreit haben, was aber nicht die Evangelien, sondern eher die apokryphen Schriften hergeben [9] . Die Verbindung zwischen den „unmoralischen“ Anteilen unserer Seele und einer metaphysischen Welt besteht darin, dass die im Jenseits agierenden Wesenheiten versuchen, auf uns Einfluss zu nehmen, um uns vom „rechten Weg“ abzubringen. Es ist wenig überraschend, dass gerade Politiker, die nach Macht streben, diesen Versuchungen nicht widerstehen können. Interessant ist hierbei, dass auf der physikalischen Ebene sich die Bösartigkeit bis hin zur Physiognomie eines Gesichts oder einer Mimik ausdrückt, sodass hierin schon das Wirken der bösartigen Wesenheiten erkennbar ist [10] . Der Tiefsinnige wird niemals die Tiefe leugnen und ihr mit Mut begegnen in der Hoffnung, dass er hierbei von höheren Mächten beschützt wird. o Höhe : Wenn wir die Höhe kennenlernen wollen, dann könnte auch wie bei der Tiefe zwischen unserer Innenwelt und der Außenwelt unterschieden werden. Die Höhe des Seelischen kann beschrieben werden sowohl als qualitativ höher angesehene Fähigkeiten (z. B. Einfühlungsvermögen) als auch moralisch höher eingestuftes Verhalten (Helfen, Retten). Diejenigen, die nach Vollkommenheit streben (ein wesentliches Merkmal des Strebens nach Erforschung des Sinns des Lebens [11] ) werden nicht umhinkommen, ihre Bestrebungen in diese Art der Höherbewertung unserer seelischen Regungen, unserer Gesinnung und unseres Verhaltens zu streben. Philipp Lersch spricht von „transitiven Gefühlsregungen“, die sich einstellen, wenn wir nach den „höheren“ Regionen unseres Seelenlebens streben: Gefühlsregungen des Miteinanderseins (Sympathie, Achtung, Verehrung), des Füreinanderseins (Mitgefühl, mitmenschliche Liebe), der schaffenden Teilhabe (Schaffensfreude), der verpflichtenden Teilhabe (Liebe zu etwas wie z. B. Kunst, Heimat, Welt) und der enthebenden Teilhabe (religiöse Ergriffenheit, metaphysische Gefühle wie z. B. Ehrfurcht vor Gott) [12] . Je höher wir uns entwickeln, desto feiner wird auch das Gewissen, desto „hellhöriger“ werden wir hinsichtlich der Fehlentwicklungen in unserer Welt. Wir werden feinfühliger gegenüber anderen Menschen und werden Verletzungen anderer vermeiden, wo dies möglich ist. Jesus hat dies vorgemacht. Selbst in der Konfrontation mit dem Bösen, als er von Satan in Versuchung geführt wurde, reagierte er nur mit den Worten, dass der Versucher von ihm weichen oder weggehen solle (Matthäus 4,10 [13] ). Die Milde in der Reaktionsweise besteht in der Weise, dass die direkte Konfrontation mit dem Bösen durch die Zurückweisung des angebotenen „Settings“ geschieht [14] . Der Tiefsinnige wird die Höhen sowohl innerhalb seiner Seele suchen als auch jenseits unserer Wirklichkeit. · „Anderland“ : Als das ZDF noch nicht so „links-grün“ verseucht war, gab es in den 80iger Jahren eine Reihe von Kindersendungen mit dem Titel „Anderland“, in der die „innere Welt“ der Kinder in die Welt der Welt der Erwachsenen transportiert und ihre Wünsche, Träume und Ängsten verdeutlicht wurden. Es spielte immer ein kleinwüchsiger Mensch mit, der hier als Vermittler fungierte. Diese Serie wurde wieder abgesetzt, weil sie angeblich auf Kinder verstörend gewirkt haben soll [15] . Die Welt der Kinder ist noch voller Magie und Zauber, sodass diese oftmals im Kontrast mit der „rationalen“ Welt der Erwachsenen steht. Im Laufe der Zeit „verlernen“ die Kinder diese Denkweisen, bei der hinter die Fassade der rationalen Welt gesehen wird. Es wird auch vom magischen Denken gesprochen [16] , das im Alter von 3 bis 5 Jahren dominiert und in dem noch Fabelwesen (Einhörner, Weihnachtsmänner und andere zauberhafte Wesen) eine Rolle spielen. Kinder sind in dieser Zeit noch nicht völlig in „unserer Welt“ angekommen. Wie sehr wünschen sich noch Menschen heutzutage diese Zeit zurück, was den Boom von Phantasieromanen (z. B. Harry Potter) erklärt. Der Zauber des Magischen wird der Tiefsinnige niemals leugnen und versuchen, den Blick „hinter die Kulissen“ unserer Welt zu wagen. Er wird es ablehnen zu glauben, dass alles dem Zufall überlassen ist oder dass wir nur Spielball eines launigen Schicksals sind. Die Magie als der Versuch, die Welt mit geistigen Mitteln in unserem Sinne zu beeinflussen, wird immer dem Tiefsinnigen in den Sinn kommen, wenn er dem begegnet, was wir das Numinose nennen [17] . Der Glaube, dass wir mit dem Übernatürlichen eigentlich immer verbunden sind, nur dieses oft nicht bemerken, wird dann genährt, wenn wir merkwürdige „Zufälle“ erfahren, die uns in einem größeren Kontext gesehen gar nicht so zufällig erscheinen, wie z. B. die Begegnung bestimmter Menschen, die wir ein Stück des Lebensweges begleiten. Auch die „Schicksalsschläge“ (Krankheiten, Unfälle, Unglücke wie verpasste Gelegenheiten) erscheinen dann nicht mehr so ganz zufällig, wenn sie unser Leben in eine bestimmte Richtung lenken [18] . Der Lebensfilm läuft dann richtig, wenn wir auf unser Herz hören und der inneren Stimme unseres Gewissens folgen. Die Magie des Zufalls kommt uns zu Hilfe, wenn wir in ausweglosen Situationen glauben zu sein, die Verbindungen zwischen der göttlichen Welt und unserer Welt werden sichtbar, wenn wir uns dem Zauber des Magischen nicht verschließen und darauf vertrauen, dass wir uns „in guten Händen befinden“. Lebt in uns der Tiefsinnige und will einfach nur entdeckt werden? Ja, er steckt in jedem. Wir müssen nur den Mut haben, ihm eine Chance zu geben. © beim Verfasser [1] https://www.schulz-von-thun.de/die-modelle/das-werte-und-entwicklungsquadrat [2] Ausdruck von Sigmund Freud in seinem Strukturmodell, in dem grob gesagt, das Über-Ich als moralische Instanz, das Ich als agierendes Subjekt und das Es als die meist unbewussten Anteile der Triebe fungieren. https://de.wikipedia.org/wiki/Strukturmodell_der_Psyche [3] https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/der-seltsame-fall-von-dr-jekyll-und-mr-hyde/5995 [4] https://www.msdmanuals.com/de/heim/psychische-gesundheitsst%C3%B6rungen/dissoziative-st%C3%B6rungen/dissoziative-identit%C3%A4tsst%C3%B6rung [5] Begriff von Schulz von Thun (Inneres Team); https://www.schulz-von-thun.de/die-modelle/das-innere-team [6] Mehr davon hier: https://www.guentherbirkenstock.de/die-dualitaet-zwischen-dem-guten-und-dem-boesen , https://www.guentherbirkenstock.de/die-hoelle-ist-echt [7] https://wiki.yoga-vidya.de/Umsessenheit [8] Robert Morneau berichtet von solchen Verträgen in einem Interview: https://www.oliverduerr.de/evangelium/auszuege-interview-roger-morneau/ siehe auch hier: https://www.guentherbirkenstock.de/blog-search?searchTerm=satan [9] https://religion.orf.at/v3/stories/2760849/ [10] Vergleiche den „bösen Blick“ von Angela Merkel - https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/extra_3/rueckschau/merkel1027.html - , Friedrich Merz - https://www.deutschlandfunkkultur.de/merz-cdu-vorsitzender-100.html - und der Darstellerin von Theresa Mac Neal in dem Film „Der Exorzist“ https://www.imdb.com/de/name/nm0532290/news/ und des Clowns in dem Film „Es“ https://www.spiegel.de/kultur/kino/stephen-king-verfilmung-es-trailer-schockt-mit-horrorclown-a-1141095.html . Überall findet man dieselbe Physiognomie: leicht nach vorne geneigter Kopf, Augen schauen dadurch von unten nach oben und der Mund wird zu einem hämischen Grinsen verzogen. [11] Die Elemente der Sinnsuche: Wahrheit, Bedeutung, Aufgabe und Erfolg, Ziel, Vollkommenheit, höheres Selbst und Religiosität, siehe auch: https://www.guentherbirkenstock.de/die-zasas-regel [12] Philipp Lersch: Aufbau der Person, Johann Ambrosius Barth Verlag, 1979, S.9-10 [13] https://www.bibleserver.com/ELB.SLT.LUT.ZB.NG%C3%9C/Matth%C3%A4us4 [14] Es ist in der Verhaltenstherapie bekannt, dass nach den Lerntheorien ein unangemessenes Verhalten dann am besten gelöscht werden kann, wenn es ignoriert wird wie z. B. das „Aus-dem-Felde-gehen“ des angebotenen oder angedrohten Settings, wodurch keine Verstärkung erfolgt. [15] https://de.wikipedia.org/wiki/Anderland [16] https://www.eltern.de/kleinkind/entwicklung/magisches-denken--die-fantasievolle-phase-der-kindheit-13515170.html [17] https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-662-66803-0_15 [18] Mehr dazu hier: https://www.guentherbirkenstock.de/bin-oder-war-ich-auf-dem-richtigen-weg
von Günther Birkenstock 23. März 2025
Was zeichnet einen charaktervollen Menschen aus? Welche Grundeigenschaften sollte er haben? Charakter: Der charaktervolle Mensch - Charakter als einen moralischen Begriff gemeint - kennzeichnet eine Person, die in besonderer Weise sich durch verschiedene Merkmale auszeichnet, die ich jetzt versuche zu beschreiben. Die Charakterlosigkeit ist dann eben die Abwesenheit dieser Merkmale. · Einzigartigkeit : Das erste, was mir in den Sinn kommt, wenn von Charakter die Rede ist, ist die Einzigartigkeit. Der Mensch als Individuum unterscheidet sich von anderen dadurch, dass er durch seine individuellen Eigenheiten von anderen Personen verschieden ist. Er ist ein Unikum, ein unverwechselbares Einzelexemplar, das sich durch seine Individualität von anderen unterscheidet. Von Natur aus sind wir individuell verschiedene Exemplare, die aufgrund ihrer genetischen Ausstattung sehr verschieden sind. Rund 30.000 Gene sind es, die unsere besondere Art prägen [1] . Es gibt kaum Menschen, die exakt genauso aussehen wie andere. Lediglich eineiige Zwillinge sind nicht nur aufgrund ihrer Genetik gleich, sondern sie unterscheiden sich auch in ihrem Aussehen nicht, sodass Verwechselungen vorkommen können. Die Frage ist, warum aber dann eine Angleichung stattfindet, d. h. warum dann die Unterschiede nicht gefördert werden, sondern sich nivellieren. Wirkt das Individuum störend, sodass eine Angleichung an andere gefordert und damit auch gefördert wird? Es ist eine Frage der Einstellung, ob die Unterschiede zwischen Menschen als nützlich und damit förderlich angesehen werden oder nicht. Grundsätzlich gilt es in den westlichen Ländern als opportun, das Individuum zu fördern und damit die Unterschiede als etwas anzusehen, was gerade in gesellschaftlicher Hinsicht als fruchtbar bezeichnet werden kann. Im Gegensatz hierzu war es im Osten, wo der Kommunismus herrschte, eher umgekehrt: Der „sozialistische Mensch“ galt als Erziehungsideal als jemand, bei dem die Unterschiede zwischen den Menschen angeglichen werden sollten. Diese Gleichheit wurde zwar expressis verbis nicht so formuliert, aber die Dominanz des Kollektivs gegenüber dem Einzelmenschen bewirkte einen ungeheuren Anpassungsdruck, dem sich diejenigen, die in einem sozialistischen Land lebten, wie z. B. in der DDR, durch den Rückzug ins Private zu entziehen versuchten [2] . Bis heute wirkt dieser unterschiedliche Ansatz nach und präsentiert sich in der unterschiedlichen Bewertung der individuellen Freiheit des Menschen auf dem Hintergrund des jeweiligen Menschenbildes. Während vom konservativen Standpunkt aus gesehen es als positiv erscheint, dass die Freiheit als eine Möglichkeit zur Entfaltung individueller Eigenschaften nötig ist und deshalb nur dort eingeschränkt werden sollte, wo es absolut notwendig ist, gehen diejenigen, die den sozialistischen Standpunkt vertreten davon aus, dass die Unterschiede zwischen Menschen verhindert oder angeglichen werden sollen. Die Einzigartigkeit des Individuums wird nach sozialistischem Denken durch das Kollektiv in seine Schranken gewiesen. Politisch gesehen ist dieses Denken gerade bei den Grünen und den Linken stark ausgeprägt, die am liebsten alle Unterschiede zwischen den Menschen einebnen würden. Es wird zwar gerne von „Diversität“ [3] gesprochen, aber diese sofort durch den enormen Anpassungsdruck eines starken Kollektivs eingeschränkt, weil die geforderte Diversität als ein Konstrukt einer „Buntheit“ diktatorisch daherkommt. Wer diese Verschiedenheit nicht will, wird zum Feind erklärt und bekämpft. Der Kampf geschieht aufgrund ausgeübten Gruppen-, Autoritäts- oder Systemdrucks oder durch den allgegenwärtigen Zeitgeist, der die Diversität zum Diktat erhoben hat [4] . Die gerade vom links-grünen Mainstream propagierte „Diversität“ wird mit Füßen getreten, weil die Toleranz zwar propagiert, aber nicht im Alltag umgesetzt, sondern eine extreme Intoleranz an den Tag gelegt wird („Antifa“-Gruppen stören bewusst Parteitage der AfD) gegen diejenigen, die die eigenen Vorstellungen nicht teilen. Hier wird auch dadurch die individuelle Freiheit im politischen Raum eingeschränkt. Individuelle Denkweisen sind auch in unserer Parteiendemokratie nicht gefragt, sondern die stromlinienförmige Anpassung an die Parteilinie wird durch Aufstieg und Teilhabe an der Macht durch „Pöstchenvergabe“ gefördert [5] . Der „Fraktionszwang“ konterkariert den Anspruch an den Parlamentarier, dass dieser nur dem Gewissen unterworfen sei. Die jüngste Entscheidung des Bundestages, die Grundgesetzänderung zur „Schuldenbremse“ „aufzuweichen“ spiegelt diese Art der Uniformierung wieder, denn die Karriereristen, angepassten Mitläufer und sonstigen Feiglinge machten bei den Unionsparteien mit. Obwohl einige Kritik angemeldet hatten (junge Union war ursprünglich dagegen [6] ), waren sie zur Akzeptanz der Aufweichung der Schuldenbremse bereit [7] . Menschen mit dem Bewusstsein ihrer Einzigartigkeit widersetzen sich dem Anpassungsdruck und betonen ihre Einmaligkeit. Der Massenmensch ist in gewisser Weise der Gegensatz zum Individualisten [8] . Weil alle das Gleiche tun, passt sich der Massenmensch an, wird er zum auswechselbaren Rädchen eines quasi mechanisch ablaufenden Systems. Er geht zu Demonstrationen und glaubt, in der Masse der Demonstranten sicher zu sein, geht zur massenweise verabreichten Spritze gegen das gefährliche Corona-Virus oder feuert „seine Mannschaft“ beim Fußballspiel an. Er hat damit sein individuelles Dasein aufgegeben und geht in der Masse der angepassten Individuen unter. Der Charaktervolle wird dem Vorrang des Einzelnen ein höheres Gewicht geben und im Gegensatz hierzu jeder „Einebnung“ der gegebenen Unterschiede zwischen Personen entgegenwirken. · Standhaftigkeit : Die Standhaftigkeit ist eine wesentliche Eigenschaft eines Menschen, bei dem man sagt, dass er Charakter habe. Indem er sich dem Anpassungsdruck widersetzt, zeigt er, dass er einen eigenen Standpunkt hat, von dem aus er eine Sache beurteilt. Er wird also nicht umzustimmen sein, sondern geht das Risiko der Isolation ein, der Diffamierung, der Verächtlichmachung durch die Gruppe, Autorität oder dem System, in dem er lebt. Er ist skeptisch, wenn es heißt, dass die „Flexibilität“ notwendig sei, um sich verändernden Situationen anzupassen. Die Standhaftigkeit bezieht sich auf die Festigkeit in der sittlichen Gesinnung, die eine Anpassung zulässt, wenn das sture Beharren auf einen einmal eingenommenen Standpunkt unangemessen ist. Die Nachgiebigkeit kann als „Partnerqualität“ auf der gleichen Ebene liegend notwendig sein, wenn es der Sache dient. Die Standhaftigkeit steigert sich in eine engstirnige Sturheit. Die Nachgiebigkeit kann zur willfährigen Wankelmütigkeit mutieren. Wer also Charakter hat, wird ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Standhaftigkeit und Nachgiebigkeit an den Tag legen, wobei er sein Hauptaugenmerk auf die Standfestigkeit legen wird. Wie so oft kann das „Wertequadrat“ von Schulz von Thun [9] Klarheit verschaffen: Standhaftigkeit      Nachgiebigkeit engstirnige Sturheit    willfährige Wankelmütigkeit Es gibt sie kaum noch, diejenigen, die entgegen der Mehrheit sich durchsetzen. Es ist vielmehr so, dass viele glauben, die Anpassung an den „Mainstream“ garantiert das eigene Überleben. „Charakterköpfe“ wie Franz-Josef Strauß sind ausgestorben und die Politiker, die wie eine Wetterfahne ihre Meinung ändern, um ja nicht anzuecken, sind auf dem Vormarsch. Da sie wie auswechselbare Marionetten wirken, bleiben sie auch einem nicht mehr im Gedächtnis haften, sondern so schnell wie sie auf der Bühne aufgetaucht sind, verschwinden sie auch wieder. Standfestigkeit ist nicht mehr gefragt, sondern die anpassungswillige, weil auch bequemere „Flexibilität“ ist angesagt. Der tiefere Grund dieser Geisteshaltung liegt an der mangelnden Festigkeit im Glauben an eine tiefe Verankerung in einer von guten jenseitigen Kräften getragenen Welt. Für diese Menschen stellt die Welt eine Bühne dar, auf der sie Applaus einheimsen, beliebt, berühmt, reich oder mächtig sein können, wenn sie nur dem breiten Publikum gefallen oder wenn sie den Herrschern nach dem Mund reden, ohne dabei einen eigenen Standpunkt einzunehmen, eine eigene Meinung zu vertreten und diese auch verteidigen. Moral wird über Bord geworfen und es herrscht nur noch die freie Beliebigkeit der jeweils herrschenden Moralvorstellung, sofern man auch noch von Moral sprechen kann, denn es herrscht nur der Wunsch vor, alles dem persönlichen Überleben, dem persönlichen Fortkommen, der eigenen Karriere in einer völlig sinnentleerten Welt zu sichern. Friedrich Merz ist ein Musterbeispiel in dieser Hinsicht, weil er eine Rückgratlosigkeit gezeigt, die fast beispiellos ist, denn er hat vor der Bundestagswahl die Schuldenbremse verteidigt und die Begrenzung der Migration gefordert, aber nach der Wahl will er von diesen Forderungen nichts mehr wissen, sodass eine Vielzahl von Wählern ihm Wählertäuschung vorwerfen [10] . Seine Vorstellungen von einer zukünftigen Politik werden gesteuert durch die egoistischen Wünsche, endlich Bundeskanzler zu werden. Sofern hierbei ein fester Standpunkt hinderlich ist, wird dieser eben beiseite geräumt, um mit der SPD koalieren zu können. · Verantwortlichkeit, Zuverlässigkeit und Eindeutigkeit: Wer standhaft dem Anpassungsdruck die eigene Persönlichkeit mit seiner Eigenartigkeit entgegensetzt, wird auch folgerichtig dann die volle Verantwortung für sein Verhalten übernehmen. Er ist deshalb auch in gewisser Weise für andere berechenbar und damit zuverlässig, weil sein Verhalten nach außen seiner eigenen Gesinnung entspricht [11] . Es gibt dann eben keine Zwei- oder Mehrdeutigkeit und damit auch keine Doppelbödigkeit als einer verlogenen Moral, bei der die eigene Vorteilsmitnahme im Vordergrund steht. Jesus hatte darauf hingewiesen, dass „das Mehr“, das über die reine Bejahung oder Verneinung hinausgeht, bereits das Übel in sich trägt (Matthäus 5, 37-40 [12] ), weil dieses Mehr die Wahrheit „verwässert“. Welcher Politiker wurde schon einmal für das zur Verantwortung gezogen, was er getan hat? Keiner! Es ist auf der politischen Bühne möglich, jeden Tag Fehler zu begehen, die Steuergelder zu verschwenden, die Wähler zu belügen, die Menschen über die wahren Absichten zu täuschen, ohne dass hieraus Konsequenzen gezogen werden. Die Amoralität auf diesem Gebiet besteht in der Verweigerung, Fehler einzugestehen und die notwendigen Schritte zur Bereinigung zu gehen. · Wahrheitsliebe : Die Wahrheitsliebe ist die logische Folge der vorausgegangen Eigenschaften eines Charaktervollen. Wer sich darum bemüht, authentisch zu sein, wobei es eine Stringenz (Folgerichtigkeit) vom rechten Denken zum rechten Reden und Handeln gibt, wird stets versuchen, die Wahrheit als ein wertvolles Gut zu bewahren. Das Gegenteil der Wahrheit ist die Lüge, die stets den Stachel der Verderbnis in sich trägt, mit dem alles vergiftet wird: Beziehungen der Menschen zueinander, Vertrauen zueinander und Respekt voreinander. Jesus hat zu Recht Satan als den Vater der Lüge bezeichnet (Johannes 8,44 [13] ). Er ist der Meister der Täuschung, der Hinterlist und damit der Unmoral. Wer ihm nacheifert (Charakterlose), wählt den Weg in den Abgrund einer gottlosen Welt, die auf Lügen, Verrat und Zwietracht aufgebaut ist. Es ist schon bezeichnend für die politische Kultur eines Landes, dass man mit der Wahrheit nicht weit kommen kann. Treffend hatte Dr. Karl Lauterbach 2019 hierzu gesagt, dass die Wahrheit zum politischen Tod führe [14] . · Altruismus : Es könnte eine Zugabe sein, die den Charaktervollen auszeichnet, nämlich die Einstellung, dass das eigene Handeln einen positiven Effekt für andere bewirken sollte (Altruismus). Die Nächstenliebe als eine Kernforderung christlichen Glaubens [15] , bei der es darauf ankommt, für andere (Menschen, Tiere, Welt) das zu bewirken, was für sie das Beste ist, könnte als ein Ausfluss eines charaktervollen Menschen bezeichnet werden. Der Charakterlose wir stets den eigenen Vorteil im Auge haben und die Nachteile für andere billigend in Kauf nehmen (Egoismus), oder sogar in extremen Formen die Nachteile bewusst herbeiführen (Narzissmus) und mithin zum eigenen Genuss auf die Spitze treiben, wobei die Schädigung des anderen das Hauptziel eigenen Handeln ist (Psychopath) [16] . Die extremen Formen der Eigenliebe sind mit einem charaktervollen Menschen nicht vereinbar. Die Erde - ein Gefängnis ? Zum Schluss ein Traum: Ich träumte davon, mich in einem Haus aufzuhalten, das mehrere Stockwerke hatte. Auf jedem Stockwerk hielten sich eine Vielzahl von Menschen auf, die irgendeiner Weise beschäftigt waren. Die allseitige Geschäftigkeit war nach meiner Erinnerung ein Kennzeichen, das diese Menschen in diesem riesigen Gebäude an den Tag legten, die einen etwas mehr als die anderen. Das Merkwürdige war aber, dass dieses Haus keine Türen hatte, sodass es unmöglich war, dieses Haus zu verlassen. Es war möglich, aus den zahlreichen Fenstern zu sehen, so dass man auf eine vielseitige Landschaft sehen konnte. Weil ich aber das Haus verlassen wollte, nahm ich kurzerhand einen Gegenstand und warf ihn durch eines dieser Fenster, um dadurch mir einen Ausgang zu verschaffen. Zu meinem Erstaunen war aber durch das zerbrochene Fenster nur eine unendlich scheinende Schwärze zu sehen, die zutiefst erschreckend war. Es gab also keine Möglichkeit des Entkommens aus diesem Haus. Die Landschaft, die zu diesen Fenstern zu sehen war, existierte in Wirklichkeit gar nicht, sondern war nur eine Illusion. Die Welt erscheint mir, folge ich diesem Traum als einem Sinnbild hierfür, wie ein geschlossenes Gebäude zu sein, in dem Menschen meinen frei zu sein, in dem sie nach Belieben agieren und eine mehr oder weniger große Rolle spielen können. Aber letztendlich gibt es kein Entkommen, keine Fluchtmöglichkeit. Ist die Welt also wie ein riesiges Gefängnis, aus dem heraus es kein Entkommen gibt? Der Charaktervolle wird dies so empfinden und sich fragen: Was soll dieses ganze Theater? Was soll dieses Gemache und Getue der überaus sich wichtig dünkenden Menschen, die glauben, in diesem Haus eine gewichtige Rolle zu spielen? Der Charaktervolle wird dies so durschauen und es aufgeben, in dieser Welt eine wichtige Rolle spielen zu wollen [17] . Er wird lieber bescheiden bleiben, sich sagen: Warum soll ich mich bemühen, auf der dargebotenen Bühne mich in besonderer Weise hervorzutun, wenn doch alles vergebens ist und es aus dem Haus kein Entkommen gibt? Gibt es Hoffnung? Die Hoffnung stirbt mit dem sich Verlassen nur auf die eigenen Kräfte, auf die Illusion, wir könnten diese (materielle) Welt ohne fremde Hilfe verlassen. Es ist nicht möglich. Jesus hatte uns eine andere Welt versprochen, eine, die der Vergänglichkeit nicht unterliegt, die für uns bereitet ist (Johannes 14,2 [18] ), wo wir wohnen können, ohne die Angst zu haben, dass alles nur eine Illusion ist. Für den Charaktervollen ist die Tür zu dieser Welt offen, er muss nur den Mut haben, den schmalen Weg zu gehen und die breite Straße zu verlassen, die ins Verderben führt (Matthäus 7, 13-14 [19] ). Diejenigen, die – wie man heute sagt – dem „Mainstream“ folgen, gehen diesen Weg, der bequem ist, der – um die Traummetapher zu gebrauchen – ein geschäftiges Treiben mit vielerlei Abwechslung und Amüsement verspricht, der aber nicht einen Ausgang aus dem geschlossenen Haus dieser Welt ermöglicht. Nur der Mutige und auf Gott vertrauende, bescheidene und vor allem charaktervolle Mensch kann den Ausgang aus diesem Gefängnis finden, so wie ich diese Welt – folge ich dem beschriebenen Traum – empfinde. © beim Verfasser [1] https://www.apotheken-umschau.de/familie/entwicklung/persoenlichkeit-was-ist-vererbt-was-anerzogen-793663.html [2] https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/havemann/docs/material/9_M.pdf [3] https://www.fes.de/wissen/gender-glossar/diversitaet [4] https://www.guentherbirkenstock.de/konformitaet-und-non-konformitaet-als-lebensweisen [5] Der „Pöstchenjäger“ ist der Prototyp des erfolgreichen Parteisoldaten: https://www.guentherbirkenstock.de/poestchenjaeger [6] https://www.rnd.de/politik/junge-union-lehnt-reform-der-schuldenbremse-in-naechster-legislaturperiode-ab-B33MTWR43NAQ5F3OQLBH6ARJKI.html [7] https://www.zdf.de/nachrichten/politik/deutschland/bundestagswahl-2025-prognose-hochrechnung-ergebnisse-liveticker-142.html [8] https://www.guentherbirkenstock.de/massengesellschaft-vs-individualismus [9] https://www.schulz-von-thun.de/die-modelle/das-werte-und-entwicklungsquadrat [10] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/cdu-und-schuldenpaket-drei-viertel-der-befragten-werfen-friedrich-merz-laut-umfrage-taeuschung-vor-a-59c6f97a-02be-4462-9162-92235adc195e [11] Philipp Lersch: „Charakter hat hier den Sinn eines sittlichen Wertes und wird den Menschen zugesprochen, die in ihrer Willenshaltung und ihrer Gesinnung so durchorganisiert sind, dass sie zwei Grundeigenschaften aufweisen: volle Verantwortung für ihr Handeln und Folgerichtigkeit und damit Zuverlässigkeit ihres Verhaltens. Die Treue zu sich selbst, die Festigkeit und Folgerichtigkeit der Lebensführung sind die Grundmerkmale …, wo von Charakterbildung gesprochen wird.“ Aufbau der Person, Johann Ambrosius Barth 1970, S. 58 [12] https://www.bible.com/de/bible/compare/MAT.5.37-40 : Eure Rede sei: Ja, ja, nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel. [13] https://www.bible.com/de/bible/58/jhn.8.44 [14] Wörtlich sagte er in der WDR-Sendung „Könnes kämpft“: „Die Wahrheit, also die Wahrheit, führt in sehr vielen Fällen zum politischen Tod, ich bitte Sie...“ https://www.nordkurier.de/politik/lauterbach-wahrheit-fuehrt-in-sehr-vielen-faellen-zum-politischen-tod-2250783 [15] https://www.guentherbirkenstock.de/was-ist-naechstenliebe [16] https://www.guentherbirkenstock.de/formen-der-ichbezogenheit94126566 [17] Ich nenne solche Menschen „Weltüberwinder“: https://www.guentherbirkenstock.de/koennen-oder-sollen-wir-die-welt-verbessern [18] https://www.bibleserver.com/LUT/Johannes14,2 : In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen. [19] https://www.bible.com/de/bible/157/MAT.7.13-14.SCH2000 : Geht ein durch die enge Pforte! Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der ins Verderben führt.
von Günther Birkenstock 27. Februar 2025
Die Lage in Deutschland ist deshalb verfahren, weil die maßgeblichen Parteien des linken Spektrums dominieren und es an einem ausgewogenen Gegengewicht mangelt, das man als rechts oder konservativ bezeichnen kann. Hat die Bundestagswahl am 23.02.2025 hier eine Änderung gebracht? Zunächst soll die links-grüne Blase beleuchtet werden. (Pseudo)-linke Dominanz: Seit Angela Merkel die CDU, die noch unter Helmut Kohl und seinen Vorgängern konservativ geprägt war, zu einer quasi-grünen Partei umgeformt hat, ist ein Teil der Bevölkerung politisch heimatlos geworden. Sie leidet unter einer mangelnden wirklichen Alternative zum dominierenden linken Mainstream. Dabei wird übersehen, dass das linke Denken in Deutschland eher einem gewissen Lifestyle entspricht, als einer echten linken Gesinnung [1] , weil der Einsatz für ausgebeutete, sozial und wirtschaftlich benachteiligte Bevölkerungsteile eigentlich nicht mehr auf der politischen Agenda steht, sondern man sich lieber auf „exotische Themen“ („Genderideologie“, „Sprachpolizei“, übertriebener Minderheitenschutz, Klimawandel, Einsatz für Asylanten) stürzt, die nichts mehr mit der eigentlichen linken politischen Denkweise zu tun hat. Dies liegt vor allem daran, dass es „die Linke“, mit ihrem „Marsch durch die Institutionen“ geschafft hat, in allen wichtigen Teilen der Republik angekommen zu sein. Das links-grüne Denken hat sich überall breit gemacht und beherrscht den politischen Diskurs. Hierbei entwickelte sich eine neue Besitzstandwahrungskultur einer inzwischen etablierten Linken, die mit allen Mitteln versucht, ihre Besitzstände zu verteidigen. Jeder, der versucht, diese anzugreifen, wird als Nazi oder Rechter verunglimpft. Dabei wird gerne von „unserer Demokratie“ gesprochen, die es zu verteidigen gilt [2] . Dabei werden alle ausgegrenzt, die dabei nicht mitmachen wollen. Notfalls wird auch zur Gewalt gegriffen (Antifa) und Mitglieder von Parteien gewaltsam an der Ausübung ihrer politischen Aufgabe gehindert, die sie als rechts verorten und somit als zu ihrer Vorstellung einer totalitären sozialistischen Gesellschaft nicht zugehörig deklarieren. Die spannende Frage ist, ob sich durch die Bundestagswahl etwas daran geändert hat. Rechtsruck: Die Bundestagswahl vom 23.02.2025 hat gezeigt, dass es ein hohes Potential an Wählern gibt, die einen grundsätzlichen Wechsel in der Politik wollen. Sieht man sich die Ergebnisse an [3] , dann kann man feststellen, dass vor allem im Osten Deutschlands die Alternative für Deutschland (AfD) dominiert. Partei Zweitstimmen Sitze SPD    16,40% 120 CDU 22,60% 164 CSU 6,00% 44 Grüne 11,60% 85 FDP 4,30% 0 AfD 20,80% 152 Die Linke 8,80% 64 BSW 4,97% 0 SSW 0,20% 1 Hier konnte sie 34,5 % der Stimmen holen [4] . Während im Westen die CDU bzw. CSU die meisten Wahlkreise für sich erobern konnten (30,6 %), hatte es die AfD geschafft, in den Neuen Ländern zu dominieren. Nominell könnte von einem „Rechtsruck“ gesprochen werden, wenn man die Stimmenanteile der AfD (20,8 %) und der Union ((28,6 %) zusammenrechnen würde, vorausgesetzt, man stuft die CDU/CSU als als „rechte Partei“ ein. Dies ist aber seit Merkel und jetzt auch unter der Führung von Friedrich Merz nicht mehr der Fall. Merz hat durch seine Politik der „Brandmauer“ deutlich gemacht, dass er keine Zusammenarbeit mit der AfD will. Stattdessen präferiert er eine Koalition mit der SPD. Hierfür gäbe es eine knappe Mehrheit (120 SPD +164 CDU + 44 CSU= 328, absolute Mehrheit 316 Stimmen bei 630 Sitzen), vorausgesetzt, dass die Abgeordneten ihm bei einer Wahl zum Bundeskanzler auch die Stimmen geben würden. Hieran bestehen aber Zweifel, da bereits 8 Abgeordnete der SPD Bedenken gegen eine Wahl geäußert haben [5] . Linke „Volksfront“ verhindert: Der Traum von den Grünen, der Linken und der SPD war es, durch die Bildung einer „Rot-rot-rot-grünen Koalition“ gemeinsam mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) ein Volksfront [6] -Regierungsbündnis schließen zu können. Das hätte auch gelingen können, wenn die Grünen mehr Stimmen geholt hätten (11,6 %, - 3,1 %) und es dem BSW gelungen wäre, in den Bundestag einzuziehen. Da aber das BSW mit 4,97 % Stimmenanteil die 5%-Hürde nicht geschafft hat, wurde eine solche Koalition verhindert. Gleichzeitig wurde auch der Traum der Grünen zerstört, weiterhin dadurch an der Macht zu bleiben oder aber in ein Dreierbündnis mit der Union und der SPD weiter regieren zu können. Als indirekte Folge hiervon hat sich Robert Habeck zurückgezogen mit der Erklärung, dass er in der Partei keine besondere Rolle mehr spielen wolle [7] . Wählerwille – uninteressant: Wenn es nach dem „Wählerwillen“ ginge, dann müsste es eine andere „Groko“ geben, nämlich eine zwischen der Union und der AfD, denn sieht man sich die politische Landkarte an, dann ist der Westen „schwarz“ und der Osten „blau“ [8] , sodass dann das zusammenwachsen könnte, was zusammengehört. Die Offerten der AfD an die Union lassen erkennen, dass es ein Interesse an einer Koalition mit der Union gibt [9] . Zwar soll immer noch nach einer Wählerbefragung im Januar 2025 die Mehrheit der Wähler eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht befürworten (66 %), aber immerhin sind schon 33 % für eine solche Kooperation [10] . Dass der „Wählerwille“ durchaus manipulierbar ist, kann einen nicht verwundern, sind doch die so genannten „Mainstreammedien“ in der Hand von links-grün gesinnten Journalisten [11] . Das hat sich an der einseitigen Propaganda gezeigt, mit der „Die Linke“, die lange Zeit nicht mehr als salonfähig galt, protegiert wurde, die es jetzt noch vor dem „Bündnis Sahra Wagenknecht“ (BSW) mit 8,8 % doch in den Bundestag geschafft hat. Ist das BSW bei den vorwiegend linken Journalisten wegen ihrer kritischen Haltung in Sachen Migration in Ungnade gefallen? [12] So könnte sich auch rasch die Meinung in der Bevölkerung in der Einschätzung der AfD ändern, wenn diese Partei nicht weiterhin bei dieser einseitigen Berichterstattung in den Mainstreammedien benachteiligt würde. Dass nun aber statt der AfD die SPD, die massiv Stimmen verloren hat (-9,3 %) [13] , als Juniorpartner der Union für eine Koalition geadelt werden soll, ist eine Ohrfeige für den Wähler. Merz wäre ein „pseudo-rechter“ Kanzler: Friedrich Merz hatte sich vor der Wahl klar positioniert und hierbei zu erkennen gegeben, dass er in der Migration eine Kehrtwende will. Aber nach der Wahl sieht das schon wieder ganz anders aus, denn jetzt ist er nicht mehr für die radikale Grenzschließung zur Begrenzung der Migration [14] . Auch war für ihn die im Grundgesetz verankerte „Schuldenbremse“ (jährliche Neuverschuldung nur bis 0,35 % des Bruttoinlandprodukts, ca. 9 Mrd. [15] ) unantastbar. Nun will er tatsächlich nach der Wahl – noch in der 20. Legislaturperiode – diese verändern, sodass eine zusätzliche Kreditaufnahme vor allem für höhere Verteidigungsausgaben zur Schaffung eines „Sondervermögens“ möglich wäre, wozu aber eine Grundgesetzänderung mit einer Zweidrittel-Mehrheit erforderlich ist. Damit käme er den Forderungen der SPD und Grünen entgegen, die schon lange eine Aufweichung der Schuldenbremse forderten. Merz gilt als „Weltmeister im Zurückrudern“ [16] und hat in seiner politischen Karriere stets wagemutig Thesen vertreten, die eigentlich Applaus verdient gehabt hätten, aber sobald er etwas Gegenwind bekommt, nimmt er alles zurück oder schränkt seine radikalen Behauptungen wieder ein. Man könnte auch sagen, dass Merz gerne „rechts blinkt, aber dann links abbiegt“ [17] . Er tarnt sich also als radikaler rechter Politiker, aber wenn es darauf ankommt, kippt er um und passt sich dem links-grünen Mainstream an. CDU-Anfrage als Torpedo : Die „kleine Anfrage“ der CDU-Fraktion an die Bundesregierung zur Frage der Finanzierung der NGO´s [18] ist eine Steilvorlage für die SPD, die Koalitionsgespräche mit der Union platzen zu lassen oder zumindest sie politisch unter Druck zu setzen. Lars Klingbeil hatte als Fraktionsvorsitzender der SPD klar gemacht, dass eine Rücknahme dieser Anfrage eine Bedingung für die Koalitionsverhandlungen ist [19] . Dabei ist es erstaunlich, dass diese Anfrage vom 21.02.2025 stammt – also zwei Tage vor der Bundestagswahl –, aber die Presse dies erst jetzt nach der Wahl zum Thema macht [20] . Mit 551 Fragen zur Finanzierung der NGO´s wird die noch amtierende Regierung in Bedrängnis gebracht, denn der entstandene Filz zwischen Regierung und meistens gegen rechts operierender NGO´s ist ein Ärgernis, weil der Verdacht besteht, dass hier die Neutralitätsgebot durch einseitige Parteinahme zu Gunsten linker Parteien („Demos gegen rechts“, „Omas gegen rechts“) verletzt wurde. Nun laufen diese Organisationen Sturm, weil sie befürchten, dass dieser Sumpf trocken gelegt werden soll [21] . Dabei ist diese Anfrage der CDU ein legitimes Recht und sogar die Pflicht der Abgeordneten, denn sie dienen der Kontrolle der Regierung. Wird hier Merz klein beigeben und die Anfrage zurücknehmen? Partei-Raison statt Staats-Raison: Dass die Parteien den Staat sich zur Beute gemacht haben, ist allen klar, die sich die politische Landschaft ansehen . Dieser auf den früheren Bundespräsidenten Weizsäcker zurückgehende Satz hat sich leider bewahrheitet [22] . Die heutige Entwicklung angesichts des Ergebnisses der Bundestagswahl müsste eigentlich lauten: Wir müssen unsere parteiinternen Interesse denen des Staates unterordnen. Die Interessen des Staates sind innere Stabilität, Bekämpfung von Kriminalität (innere Sicherheit), sparsamer Umgang mit Steuergeldern, außenpolitische Ausgewogenheit zur Wahrung der nationalen Interessen (äußere Sicherheit) und Sicherstellung der Versorgung mit kostengünstiger Energie. Aber aus parteiinternen Interessen werden diese Ziele nur nach außen kommunikativ als gültig erklärt, doch wenn es um die egoistischen Motive geht, die die Agierenden in den Parteien verfolgen, verflüchtigen sich diese sehr schnell. So könnte man durchaus von „Brandmaueropfern“ (Tote und Verletzte durch abgelehnte Asylbewerber, die nicht abgeschoben wurden) sprechen [23] , wenn die Union aus ideologischen Gründen eine Kooperation mit der AfD ablehnt, um die Zuwanderung von illegalen Migranten zu verhindern und für konsequente Abschiebungen zu sorgen. Bereits in der 20. Wahlperiode wären entsprechende Mehrheiten vorhanden gewesen. Nun verweigert sich die Union – allen voran Friedrich Merz – zu akzeptieren, dass eine echte Wende nur mit der AfD möglich wäre, denn viele politische Positionen sind deckungsähnlich, was die Analysen des „Wahl-O-Mat“ [24] zeigen. Aber statt im Interesse des Staates zu handeln, was auch mit den Wahlergebnissen übereinstimmen würde, wird die „Brandmauer“ aufrechterhalten. Die von oben diktierte Abgrenzung besteht schon lange in der Basis nicht mehr, denn auf kommunaler Ebene gibt es schon zahlreiche Kooperationen [25] . Auch auf Landesebene bröckelt die Brandmauer, wie die Entwicklung in Sachsen gezeigt hatte, als zahlreiche CDU-Mitglieder für eine Kooperation mit der AfD geworben haben [26] . Es wird sich zeigen, ob sich die politische Landschaft ändern und dem Wählerwillen Rechnung getragen wird. Es ist Zeit für eine politische Wende. Eine kleine Anekdote zum Schluss: Die FDP wollte schon 2021 nicht mehr neben der AfD im Plenum sitzen und hatte es tatsächlich geschafft, dass sie in die Mitte gesetzt wurde [27] . Nun ist ihr Wunsch abermals in Erfüllung gegangen, da sie in dem Bundestag nicht mehr vertreten sein wird. Es zeigt sich einmal mehr, dass man mit den Wünschen vorsichtig sein muss, denn manchmal gehen sie in Erfüllung. © beim Verfasser [1] Mehr hierzu: https://www.guentherbirkenstock.de/der-links-gruene-zeitgeist [2] https://www.spd.de/fileadmin/Dokumente/Flugblaetter/2023/20230823_FB_Demokratie.pdf [3] https://www.bundeswahlleiterin.de/bundestagswahlen/2025/ergebnisse/bund-99.html :. [4] https://www.zdf.de/nachrichten/politik/deutschland/bundestagswahl-ost-west-gruende-wahlverhalten-100.html [5] https://www.dw.com/de/kanzlerwahl-spd-abweichler-friedrich-merz-sondierungsgespr%C3%A4che-bundestagswahl-koalition-cdu-csu/a-71792681 [6] https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/politiklexikon/18436/volksfront/ : Zusammenschluss von Kommunisten, Sozialisten und links-bürgerlichen Parteien [7] https://www.zdf.de/nachrichten/politik/deutschland/bundestagswahl-2025-robert-habeck-gruene-rueckzug-100.html [8] https://www.zdf.de/nachrichten/politik/deutschland/bundestagswahl-ost-west-gruende-wahlverhalten-100.html [9] https://www.n-tv.de/politik/Weidel-bietet-AfD-fuer-Koalition-an-und-warnt-vor-Neuwahlen-article25583368.html [10] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1393454/umfrage/umfrage-zu-einer-oeffnung-der-cdu-fuer-eine-zusammenarbeit-mit-der-afd/ [11] https://janfleischhauer.de/rot-gruener-mainstream-die-zwei-gruende-weshalb-journalisten-viel-linker-als-das-land-sind/ [12] https://www.nachdenkseiten.de/?p=128570 [13] https://www.dw.com/de/bundestagswahl-2025-karte-wahlbezirke-grafik-wahlergebnisse-w%C3%A4hlerwanderung-bundestag-v10/a-71723879v [14] https://www.dushanwegner.com/der-zurueckruderer/ [15] https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/das-junge-politik-lexikon/321093/schuldenbremse/ [16] https://x.com/EsraLimbacher/status/1879801621259125049 [17] https://www.anonymousnews.org/meinung/portrait-friedrich-merz-rechts-blinken-links-abbiegen/ [18] Non-Governmental-Organization https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/politiklexikon/17913/non-governmental-organization-ngo/ [19] https://www.merkur.de/politik/regierungsbildung-klingbeil-verlangt-rueckzug-von-cdu-csu-anfrage-zu-ngos-drohende-belastung-der-93597219.html [20] https://dserver.bundestag.de/btd/20/150/2015035.pdf [21] https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/politiklexikon/17913/non-governmental-organization-ngo/ [22] https://www.morgenpost.de/printarchiv/leserforum/article104328025/Parteien-haben-sich-den-Staat-zur-Beute-gemacht.html ; Weizsäcker: „Parteien haben sich den Staat zur Beute gemacht“ [23] https://afdoberhavel.de/blog/2025/02/13/die-brandmauer-der-altparteien-fordert-weitere-opfer/ [24] https://www.derwesten.de/politik/wahl-o-mat-cdu-afd-merz-id301364527.html [25] https://katapult-mv.de/artikel/wo-die-brandmauer-schon-laengst-nicht-mehr-nur-broeckelt/ [26] https://www.bild.de/politik/inland/brandmauer-broeckelt-cdu-mitglieder-fordern-gespraeche-mit-der-afd-670628124427f364f1569cdd [27] https://www.stern.de/politik/deutschland/stuehleruecken-im-bundestag--fdp-will-nicht-mehr-neben-afd-sitzen-31431740.html